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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B2099 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Zürich, Freitag, 9. Dezember 1864

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Finanzielle Unterstützungen

Briefe

F. G. Ehrhardt
KANTONSFÜRSPRECH
ZÜRICH.

Mein guter, lieber Escher!

Sofort nach Empfange Deines Briefes, der Deinem Gefühle u Herzen so große Ehre macht, begab ich mich zu Frau Uebel u sie, bei der Herz u Verstand so ganz am rechten Orte sich befinden, war vollkommen mit dem Inhalte Deines Briefes einverstanden. Ich ging somit noch am Donnstage-Nachmittag zu Zoller [nach?] Baden, orientirte mich so gut wie möglich über seine Verhältnisse u habe heute mit seinem Anwalte, Fürsprech Straub, den ich nur von der besten Seite kenne u der früher BGPräsident in Aarau war, hier in Zürich ausführlich gesprochen. Ich glaube zu folgende Resultate kommen zu dürfen.

Z hat an Sigrist u Fremde ca. 21,000 Fr verloren, die aber gedeckt, oder richtiger bezahlt sind, durch dessen Weibergut, von dem er im Frühling ca. Fr 32,000 erhalten hat. Ueber die Fr 9000, um die es sich jetzt handelt, hat derselbe nun einige 1000 Fr Schulden, wie sie in jeder Wirthschaft vorhanden sind. Ueber letztere gab er mir ein CreditorenVerzeichniß. ungefähr Vom Kaufe des St[aa?]hofes, inbegriffen | die Fahrhabe, schuldet Zoller Fr 250,000, hat aber an den Gebäulichkeiten seit dem Ankaufe verschiedene Verbesserungen vorgenommen. Ueber die Rente des Geschäftes im letzten Jahre füge ich einen Buchauszug bei, der kein übles Resultat darstellt. Was nun endlich die speciellen Schulden betrifft, zu deren Tilgung die Fr 9000 ausschließlich verwendet werden sollen, so ersiehst Du aus der Beilage, daß dieselben durch genügende Pfänder gedeckt sind, welche abgetreten werden. Gefahr scheint nach Allem, schon wegen der Pfründe, für das neue Darlehn nicht zu befürchten zu sein.

Ich fragte nun Fürsprech Straub, nach dem Du Dich bei Mitgliedern der Bundesversammlung ja noch erkundigen kannst, aufs Gewissen, ob er glaube, daß Zoller durch das Darlehn [wohl?] geholfen werde was er wiederholt versicherte. Daß Zoller das Gleiche sagte, will ich gänzlich unberücksichtiget lassen; hingegen von Straub glaube ich annehmen zu sollen, daß er so eine Versicherung bona fide gegeben hat. |

Solltest Du Zoller das Geld geben, so würde das Beste sein, es an Straub zu zahlen, der dann die jetzigen Creditoren, gegen Abtretung von Forderungen u Pfandrecht, befriedigen würde. Auch würde dann Straub dafür sorgen müssen, daß die Pfandrechte erneuert würden, da sie im Laufe des nächsten Frühjahres sonst untergingen.

Straub weiß übrigens noch nicht, daß das Darlehn von Dir herkommt. Du hast somit noch die Wahl, ob Du Deinen Nahmen in dem Geschäfte willst figuriren lassen oder nicht. Umgehen wolte u konnte ich ihn übrigens nicht, weil er jedenfalls besser im Stande war, mich zu orientiren, wie Zoller u außerdem diese Angelegenheit speciell in seinen Händen hatte.

Wünschest Du, daß ich noch irgend einen Schritt thue, so kannst Du selbstverständlich über mich verfügen. Es wird mir die größte Freude machen, Dir hierin in jeder Art u Weise zu dienen. |

Die Jungfer u Frau Oberst Uebel, welche ich heute wohl gesehen lassen Dich viele mal grüßen. Auch Deine Mutter, die ich persönlich seit einigen Tagen nicht gesehen, da ich behindert war, einer Einladung zu folgen, befindet sich wohl. Das Gleiche gilt von der Familie Stockar.

Mit den herzlichsten u wärmsten Grüssen

Dein
treuer Freund

E.

Zürich
den 9. Christmon 1864.
(: Nachts 11. Uhr)

Für den Herrn Bürgermeister nebst Danke für seine Erinnerung viel Schönes!

Z. wünscht , daß, wenn Du ihm helfen willst, dies recht bald geschehe, da Versicherung gefordert ist u nur aus Rücksichten auf ihn verzögert wurden.