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Korrespondenz: Alfred Escher – Karl Schenk

AES B2066 | CH-BAR#J1.165#1983/44#67*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 61

Alfred Escher an Karl Schenk, Zürich, Donnerstag, 3. März 1864

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Gotthardbahnprojekt, Lukmanierbahnprojekt

Briefe

Hochgeachteter Herr Bundesrath1!

Empfangen Sie meinen besten Dank für Ihre gef. Mittheilung vom 1 dß.2 Der Gegenstand derselben hat mich in hohem Grade interessirt. Ich bin auf den weitern Verlauf der Alpenbahnfrage im Schooße des Bundesrathes sehr gespannt.

Das von den HH Beckh & Gerwig abgegebene technische Gutachten 3 unterliegt gegenwärtig einer von dem Gotthardt Ausschusse angeordneten Commissionalprüfung.4 Wenn auch nach diesem Gutachten die Kostenanschläge für jede der in den Vordergrund gestellten Schweizerischen Alpenbahnen erschreckende Zahlen5 aufweisen, so liefert hinwieder die Ver | gleichung des Gotthardt mit dem Lucmanier nicht etwa ein für den erstern entmuthigendes Ergebniß.

Sollten Sie das nur in einem Exemplare vorhandene Gutachten der HH Beckh & Gerwig, schon bevor es der Commission vorgelegt worden, zu vorläufiger Einsichtnahme zu erhalten wünschen, so werde ich auf Ihren ersten Wink die erforderlichen Schritte thun, damit Ihrem Wunsche entsprochen werde.

Für die weitern Mittheilungen, welche Sie mir in Aussicht zu stellen die Güte haben, werde ich Ihnen sehr verbunden sein.

In ausgezeichneter Hochachtung & mit freundlichem Gruße verbleibe ich

Ihr ergebener

Dr A Escher

Zürich
3. März 1864.

Kommentareinträge

1Schenk wurde am 12. Dezember 1863 als Nachfolger des auf Ende 1863 zurückgetretenen Jakob Stämpfli in den Bundesrat gewählt. Vgl. Altermatt, Bundesräte, S. 168–170.

2Brief nicht ermittelt.

3Das von Beckh in Zusammenarbeit mit Gerwig erstellte technische Gutachten wurde zwar erst im Mai 1865 veröffentlicht. Beckh teilte aber dem Gotthardausschuss bereits in zwei Schreiben vom 19. Januar 1864 und vom 1. Februar 1864 die vorläufigen Resultate der technischen Expertise mit. Vgl. Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 4. Februar 1864; Die Gotthardvereinigung, Absatz 4.

4Der Prüfungskommission gehörten Josef Zingg und Karl Emanuel Müller (1804–1869) an. Vgl. Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 4. Februar 1864.

5Das Gutachten Beckh/Gerwig quantifiziert die Baukosten für das Lukmanierprojekt auf 103 Mio. Franken (ChurBiasca), für das Gotthardprojekt auf 109 Mio. Franken für die Variante A (FlüelenGöschenenAiroloBiasca), auf 115 Mio. Franken für die Variante B (FlüelenAbfruttBiasca), auf 120 Mio. Franken für die Variante C (FlüelenHospentalBiasca) und für das untere Splügenprojekt auf 120 Mio. Franken (Chur–Riva di Chiavenna). Vgl. Beckh/Gerwig, Rentabilität, S. 78, 81, 87; Beckh/Gerwig, Rentabilität, Beilage XIII, S. 89.