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Korrespondenz: Alfred Escher – Eduard Häberlin

AES B2062 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#591*

Eduard Häberlin an Alfred Escher, Weinfelden, Montag, 15. Februar 1864

Schlagwörter: Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Finanzierung, Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Weinfelden d. 15 Febr. 1864

Mein Lieber!

In aller Eile gebe Dir (im Schwurgerichts Saale) einige Berichte über die gestrige Versammlung von ca 700 Mitbürgern. Eine Mehrheit von ⅗1 St. stimmte dem Programme « Constanz AmrisweilRorschach» bei. Was immerhin noch fast ein Wunder ist. Denn von Uttweil , Romanshorn , Kessweil &. Kreuzlingen sendeten die Hherrn sozusagen die ganzen Gemeinden ab, obwol sie nicht eingeladen waren, und instruirten die Leute nach der [S...?] zu stimmen und möglichst Scandal zu machen. Ich Redner ( Anderwerth! &. Dr Binswanger) kämpften mit demagogischen Mitteln und machten die Leute glauben, sie sollen einfach beschließen, die N.O.B. müße das ganze Stück RorschachAmrisweil Constanz bauen. Man werde die Eisenbahnherren schon lehren. Sonst werde die Ausschluß Abstimmung nicht gehalten. Die Konceßions Urkunde sei nur ein Papierfetzen. Man habe die Klöster auch aufgehoben udgl.

Am Schluße der Discußion, nachdem Anderwerth das Differenzstück in den Mitteln für viele bestechend erklärt hatte, schlug ich vor, nun den Herrn in der eigenen Schlinge zu fangen, so müße man also bloß das Zielstück ( Const. A. R.) in | Abstimmung bringen, indem ohnedieß die Last der Verfrachtung des Zieles den Behörden anheimfalle. Hr Anderwerth stimmte dann aber doch nicht bei, wohl aber ⅗ der Anwesenden, wobei wol zu bemercken ist, daß die Männer unserer Ansicht aus den verschiedensten Kantonstheilen in einzelnen Personen vertreten waren, während die Gegner von Ein Paar local betheiligten Orten maßenhaft gekommen waren. Hätten wir so operiren wollen, wir hätten 7/8 Mehrheit bekommen. Nicht wahr: es ist eine feine Delikateße, wie sich gewiße Herrn ohne Einladung zudrängten?

Ständerath Kappeler steckt ebenfalls hinter der Decke und ich müßte mich sehr irren, wenn er nicht Hr. Anderwerth aufgewiegelt hat.

(Bisdahin ist alle Mittheilung vertraulich &. nicht einmal für alle Mitglieder der Direktion zuläßig)

Ich beabsichtige nun die Eröffnungsrede dem Drucke zu übergeben: aber dazu sollte ein Eisenbahnkärtchen in kl. Maaßstabe, ein Auszug aus dem Bericht des Hr Seitz mit Kostenangaben, Entfernung, eventl. an den Stationen usf. beigelegt werden.

Das kostet Zeit und Geld. Beide Dinge habe ich augenblicklich nicht im Vorrath. |

Könnte nun nicht in Zürich das Kärtchen &c. angefertiget &. [...?] Druckkosten übernommen werden? Ich habe ohnedieß Auslagen gehabt. Die Sache hat aber Eile.

Inzwischen würde ich hier den Druck der Rede besorgen.

Ich bitte um pers. beförderl. Antwort. Mir scheint dieses Vorgehen am wirksamsten zu sein. Das Weitere am Freitag Nachmittag mündlich.

In all. Eile

mit besten Grüßen
Dein

Ed. H

Kommentareinträge

1Nachträgliche Notiz von Eschers Hand mit Bleistift: « mindestens » .