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Korrespondenz: Alfred Escher – Karl Schenk

AES B2038 | CH-BAR#J1.165#1983/44#67*

Alfred Escher an Karl Schenk, Belvoir (Enge, Zürich), Sonntag, 4. Oktober 1863

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Kommissionen (eidgenössische), Presse (allgemein)

Briefe

Verehrtester Herr!

Ich kann Ihnen meine volle Übereinstimmung mit dem Inhalte Ihrer geschätzten Zuschrift vom 3 dß. nicht besser beurkunden als durch die Meldung, daß ich bereits am 2 dß. ein Schreiben an Herrn RR. Zingg in Luzern richtete, welches in Gedanken & sogar in Worten mit Ihrem Briefe an mich identisch ist. Auch mir ist der Vorgang ein wahrer Ärger! Am besten wäre es gewesen, nur ganz im Allgemeinen über die Versammlungen der ständigen Commission in den Zeitungen zu referiren. Wollte man aber weiter gehen & den genauen Wortlaut der Beschlüsse mittheilen,| so hätte man die Wahrheit & zwar die ganze Wahrheit sagen sollen. Ich begreife nicht, wie man über derlei Dinge verschiedener Ansicht sein kann!

Mit Ihnen habe ich finden müssen, daß eine Rectification die Sache weil auffälliger, noch schlimmer machen dürfte & so habe ich mich darauf beschränkt, zu versuchen, daß die Beschlüsse in der verstümmelten form nicht auch in der N.Z.Z. erscheinen. Sie waren den Luzernerblättern nach schon gesetzt!

Was nun weiter thun? Die Verantwortlichkeit denen überlassen, welche die Sache verschuldet! Es ist dieß zwar ein kleiner Trost & wir werden, wohl nicht zum ersten Male, für Sünden unserer Bestrebungsgenossen büßen müssen, die wir nicht begangen haben! Ich würde die Sache noch geduldiger hinnehmen, wenn es nicht um etwas sich| handeln würde, das einer beabsichtigten Täuschung so ähnlich sieht, wie ein Ei dem andern!

Ich weiß nicht, ob ich hoffen darf, daß man im Publicum uns einer solchen Misère, die zugleich auch eine Stupidität ist, nicht für fähig halten wird.

Zu meinem Bedauern kann ich, wie die Sachen zur Zeit stehen, nicht mehr sagen, als ich hier niedergeschrieben. Halten Sie dafür, daß jetzt schon etwas geschehen sollte, so gewärtige ich Ihre gef. Vorschläge.

In ausgezeichneter Hochachtung & mit freundlichem Gruße

Ihr ergebener

Dr A Escher

Belvoir
bei Zürich.
4 October 1863.

Kontexte