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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B2016 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Samstag, 25. Juli 1863

Schlagwörter: Gotthardbahnprojekt, Regierungsrat LU, Ständerat

Briefe

Luzern den 25 Juli 1863

Hochgeachteter Herr Präsident!

Im angenehmen Besitz Ihrer gestrigen Zuschrift beehre ich mich Ihnen mitzutheilen, daß ich mir die Freiheit nehmen werde, Sie nächsten Donnerstag in Bern zu besuchen, sofern Ihnen dieser Tag genehm ist. Am Mittwoch bin ich durch einen Augenschein verhindert. Wahrscheinlich werde ich mit dem ersten Zug von Luzern verreisen & somit etwas nach 10 Uhr in Bern sein; die Stunde der Besprechung bestimmen Sie ganz nach Ihrem Gutfinden.

Obschon Sie mir mit Ihrem Verehrlichen v. 24 d. mittheilten, daß Sie sich mit der Vorbereitung der Vorlagen durch die Regierung v. Luzern einverstanden erklären können, fand ich mich durch Ihre Bemerkungen doch veranlaßt, | in den zufällig noch nicht abgegangenen Einladungen statt des Samstag den Freitag (7. Aug .) für den Zusammentritt der Conferenz zu bestimmen, da meine Herrn Collegen damit gerne einverstanden waren. Wir haben in Folge deßen noch freie Wahl, die Frage schließlich so oder anders zu lösen & wird nun auch die Conferenz in ihren Verhandlungen weniger beengt sein. Ursprünglich waltete hier allerdings der Gedanke, daß die bevorstehende Conferenz wie die frühern ihre Geschäfte in einem Tage erledigen werde. Ich sehe aber ein, daß es unter Umständen doch sehr wünschenswerth sein könnte, zwei Sitzungen zu halten & daß diese an demselben Tage nicht wohl möglich wären. –

Die Kantone der Centralschweiz werden, wie ich glaube, ohne Anstand sich bei der Conferenz betheiligen. Ich habe übrigens kürzlich Hrn. Bundesrath Knüsel geschrieben, daß, wenn etwa bei einten oder andern Stand in dieser Beziehung | einige Ungewißheit walten würde, Hr. Jost Weber, im Ständerath die geeignete Persönlichkeit sein dürfte; die Sache bei Schwyz, Nidwalden oder Obwalden zu befürworten.

Der Besprechung werth scheint mir sodann noch der Punkt: ob & wie man dahinwirken könne, daß die Tito Kantonsabgeordneten auch Vollmacht mitbringen, Namens ihres Standes auch zu irgend einem Beschluße mitzustimmen. Ich erinnere mich aus frühern Conferenzen, daß Abgeordnete wohl ihre persönliche Beistimmung zu einem Beschluße erklärten, dabei aber sich das Referendum vorbehielten, wobei es dann geblieben ist. –

In der Hoffnung, daß wir uns über die schwebenden Fragen bei der mündlichen Besprechung bald verständigen werden, verbleibe ich mit dem erneuten Ausdruke meiner vollkommensten Hochachtung

Ihr ergebener

J. Zingg