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Korrespondenz: Alfred Escher – Josef Zingg

AES B2012 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#569*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 49

Josef Zingg an Alfred Escher, Luzern, Sonntag, 19. Juli 1863

Schlagwörter: Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen, Gotthardbahnkonferenzen, Gotthardbahnprojekt, Grimselbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten, Regierungsrat LU, Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Luzern den 19. Juli 1863.

Hochgeachteter Herr!

Ich muß Sie um freundliche Entschuldigung bitten, daß ich Ihnen nicht schon früher über den Er- folg meiner Bemühungen in Sachten der Gotthardtbahn Kenntniß gegeben. Wider meinen Willen hat sich der Zusammentritt des Comite verzögert & mußte ich mich damit begnügen, inzwischen mit den einflußreichern Mitgliedern des Comites die Sache privatim zu besprechen. Ich habe das Vergnügen Ihnen zu melden, daß meine Mittheilungen & Anregungen von den H.H. Landammann Carl Em. Müller , Präs. W. Schindler & Direktor Schmidlin ohne Ausnahme mit Freude begrüßt wurden; das Gewicht, welches durch den Beitritt der Tit Nordostbahn der Sache gegeben wird, wurde v. Jedermann gefühlt. Hr. Schmidlin schien mir nur hinsichtlich der Dringlichkeit der zu veranstaltenden Conferenz noch etwas unge- wiß zu sein, da er wahrscheinlich die Beendigung | der Gotthardtbahnpläne vorher gerne gesehen hätte. Ich hoffe aber nichtsdestoweniger, daß bei der Comitesitzung, welche nun Morgens in Olten statt- findet, ein Gesuch an die Regierung v. Luzern um Einberufung einer Konferenz beschloßen werden wird. In diesem Falle werde ich dann dafür sorgen, daß in der Sache mit möglichster Beförderung vor- wärts geschritten wird; im Regierungsrathe ist man in der Angelegenheit einig. –

Da ich sehr wünsche, bei all' den sodann erfolgenden Schritten mit Ihnen vollständig einig zu gehen, so nehme ich mir die Freiheit, Ihnen auch den Entwurf zu einem Einladungsschreiben konfidentiell mitzutheilen. Ich würde es als einen Beweis Ihres ehrenvollen Zutrauens betrachten, wenn Sie mir Ihre Bemerkungen dazu mit der Rükhalt- losesten Offenheit mittheilen, oder allfällig die weitern Punkte bezeichnen würden, die Sie erwähnt wünschen. Ich bin seit Jahren den Eisen- bahnfragen zu ferne gestanden, um nun sofort | über die verschiedenen Beziehungen hinlänglich orientirt zu sein & das Richtige zu treffen. Es wird mir auch lieb sein, sodann Ihre Wünsche über den Zeitpunkt der zu veranstaltenden Conferenz zu vernehmen, sowie über die zwekmäßigste Weise der Verständigung über die Conferenzvorlagen (per Correspondenz oder mündliche Besprechung?).

Von Bern habe ich Bericht erhalten, daß man dort ganz geneigt sei, eine Gotthardtskonferenz zu beschiken& daß man in den maßgebenden Kreisen entschieden sich für den Gotthardt ausspreche, indem man einsehe, daß das Grimselprojekt doch zu wenig Boden besitze.

Bei diesem Anlaße kann ich Ihnen nun auch die Mit- glieder des Gotthardtkomite mittheilen. Ursprünglich bestand dasselbe aus den Hh. Direktor Schmidlin, RR. V. Huber , Ing. C. E. Müller, Landammann Alex. Muheim , RR. Kilian v. Bern , Banquier Fr. Knörr , Fr. Crivelli & Respinger . Später wurde dasselbe durch Abgeordnete v. Kantonen & Gesellschaften, welche sich mit Gründungsaktien betheiligten, erweitert & | es traten dann noch in das Comite: M. Baude , Direkt der franz. Ostbahn, [ Wek de Byssy ?] v. Freiburg, Auf der Maur v. Schwyz, Michel v. Sarnen , Oberst Müller v. Zug , RR. Fischer v. Basel, Affolter v. Solothurn, W. Schindler v. Luzern. – Das Comite bestellte sodann einen engern Ausschuß in den HH. RR. Huber, Schmidlin , C.E. Müller, Alex. Muheim, Direktor Respinger & Wilhelm Schindler . In der letzten Zeit wurden noch Hr. Ing. Koller in das Comite aufgenommen. –

Genehmigen Sie, hochgeachteter Herr bei diesem Anlaße die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung

J. Zingg. RR.

P. S. Darf ich Sie bei diesem Anlaße mit einer kleinen Bitte belästigen. Zwei junge Luzerner Ingenieure, welche an der Nordostbahn arbeiten – Franz Businger & Felder – haben sich für die hier ausgeschriebene Stelle eines Kantonsbauinspektors beworben. Ich würde Ihnen nun sehr dankbar dafür sein, wenn Sie mir durch den betr. Oberingenieur ein zuverläßiges Urtheil über die beiden Bewerber verschaffen könnten.

Obiger.