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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B1994 | FA Tschudi

Alfred Escher an Johann Jakob Blumer, Belvoir (Enge, Zürich), Montag, 27. April 1863

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Freundschaften, Haus und Garten (Bewirtschaftung), Krankheiten

Briefe

Mein theurer Freund!

Ich könnte den beiliegenden Brief Augustens an Deine l. Frau nicht abgehen lassen, ohne dir auch noch direct von dem wahren Schmerze Zeugniß abzulegen, mit dem mich die Nachricht von dem neuen Unfalle, der Dich betroffen, erfüllt hat. Mitten in Deiner reichen Wirksamkeit, deren bei den gegenwärtigen Verhältnissen der Canton & die Gemeinde doppelt bedürfen, mitten in deinen Bestrebungen für die Herstellung & Einrichtung einer neuen Wohnstätte, beim Wiedererwachen des Lenzes, an dessen Reizen man sich jetzt so gerne unter Gottes freiem Himmel erfreut, auf ein schmerz| haftes & langes Krankenlager geworfen zu werden, ist außerordentlich hart & fast unerträglich! Dein Gleichmuth & Deine Geduld, mein Theurer, werden auf eine ungewöhnliche Probe gestellt & wenn sie dieselbe nicht bestehen könnten, so wäre Dir deshalb kein Vorwurf zu machen. Desto rühmlicher ist es aber, wenn Du auch bei diesem neuen Schicksalsschlage jene Ruhe & Selbstbeherrschung zu bewähren vermagst, die dich von jeher ausgezeichnet. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß Dir dieß gelingen & daß Dir möglich sein werde, was tausend andere nie & nimmer vermöchten. Sei, Du bewährter, treuer Freund, der innigen Theilnahme unser Aller versichert & nimm` meiner ganzen Familie & meine herzliche Wünsche dafür ent| gegen, daß dieser neue Kelch des Leidens möglichst leicht & schnell an Dir vorübergehe!

In unwandelbarer Freundschaft

Dein

A Escher

Belvoir
27. April 1863.
Nachts 12 Uhr.

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