Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Eduard Häberlin

AES B1969 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#591*

Eduard Häberlin an Alfred Escher, Weinfelden, Donnerstag, 25. Dezember 1862

Schlagwörter: Bittbriefe (diverse), Bundesfinanzen, Parteienstreitigkeiten, Presse (allgemein), Reisen und Ausflüge

Briefe

Weinf. d. 25 Dec 1862.

Mein Lieber!

Wenn Du die neuesten Nrn der Thurg. Z. gelesen hast, so wirst Du u. a. beachtet haben, daß Hr L. in gewohnter Fuhrmanns´sprache, über mich herfällt und nun namentlich auch die Beschuldigung (zu Leuten des Thurthals) auftischt, als hätte ich die Subvention des Bundes Preis gegeben, weil in Zürich d. h. von Dir die Parole ausgegegangen sei. Du weißt aber genau genug, daß der Entschluß in mir selbst reif geworden ist, obwol Du denselben ebenfalls gebilliget hat, und daß ich schon auf unserer Appenzeller-Reise &. stetsfort gegen das Subventionsgesuch meine Bedencken geltend gemacht hatte. Unter Umständen wäre es vielleicht gut, wenn Du in ein Paar Zeilen über den Gegenstand, aus Veranlaßung der Zeitungsfehde, in einer Form an mich schreiben wolltest, die nöthigenfalls publitzirt werden könnte. Es ist wol nicht Unbescheidenheit, wenn ich andeute, ob es nicht paßend wäre, Dein «Bedauern darüber beizufügen, | daß gerade mein eifriges Bestreben, bei jeder Gelegenheit die Ehre &. den Nutzen des Kantons zu fördern, und zwar mit voller persönl. Selbstständigkeit, zu einer unwürdigen Wette gegen mich gebraucht werden zu wollen scheine» udgl.

Da Hr Labhardt in der nächsten Nr wahrscheinlich ausrücken wird, sollte ich Deinen Brief spätests Freitag d. h. Morgen Abend haben, da es mein Grundsatz ist, stets sofort zu antworten.

Doch mache ich Dir dießfalls keine Zumuthung, wenn Du wegen Deiner öffentl. Stellung oder aus irgend welchen Gründen Anstand findest.

Was ich längst gesagt und vorausgefühlt habe, tritt´ eben immer deutlicher hervor, daß der Neid gewißer Leute die Cumulation meiner Stellungen &. namentlich den Erfolg im Kanton nicht auf die Dauer erträgt. Ich glaube jedoch, daß das Volk edler denckt, und daß eine freundschaftl. Stimme von Dir in diesem Augenblick für Beide und zumal für Dich selber einen höchst wohlthuenden Eindruck hervorrufen würde.| und deßhalb habe ich den Gedancken ausgesprochen.

Im Uebrigen geht es mir wieder ordentlich, obwol noch nicht ganz recht. Findet am Samstag Sitzung Statt und muthmaßlich auch am nächsten Monntag oder Dienstag?

Empfanget vorläufig unsern herzlichsten Danck für das schöne Neujahrsgeschenck an Alfred &. die im ganzen Jahr erwiesene treue Freundschaft.

Dein

Ed. H.

In sichtb. E.