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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B1866 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Donnerstag, 14. Februar 1861

Schlagwörter: Bundesrat, Familiäres und Persönliches, Kommissionen (eidgenössische), Krankheiten, Landesverteidigung und Militär, Lukmanierbahnprojekt, Nationalrat

Briefe

Glarus den 14. Februar 1861.

Mein theurer Freund!

Indem ich Dir anmit das mir gütigst mitgetheilte Protokoll der Lukmanier-Konferenz, welches ich mit großem Intereße gelesen habe, mit bestem Danke zurücksende, benutze ich gerne den Anlaß, um Dir u. den verehrten Deinigen zugleich auch meinen warmen Dank auszusprechen für die viele Freundschaft u. Güte, die Ihr meiner l. Frau u. mir auch bei unsrer letzten Anwesenheit in Zürich wieder erwiesen habt. Die Stunden, welche wir in Eurer Gesellschaft verleben konnten, zählen wir zu den angenehmsten dieses Winters, der uns sonst nicht allzuviele Erholungen bietet. Ganz besondere Freude hat es uns gemacht, daß wir Deine verehrte Mutter auch noch sehen konnten; möchte nur ihre Genesung nun immer entschiedner fortschreiten! Auch für Deine Gesundheit bin ich noch nicht ganz beruhigt, da Du am Tage unsrer Abreise, der etwas beschäftigter war als die frühern, Dich wieder unwohl fühltest; Du thust jedenfalls wohl daran, wenn Du allen guten Räthen Deines Arztes unweigerlich Folge leistest. Da, wie es scheint, es besonders vortheilhaft für Deine völlige Genesung wäre, wenn Du Dich für einige Zeit aller Geschäfte enthalten würdest, so dürfte allerdings eine größere Erholungsreise für den Frühling Dir sehr zu empfehlen seyn. Vorher freilich werden | wir noch einmal nach Bern wandern müßen. Die nationalräthliche Artilleriekommißion ist, wie mir mein Schwager (der Mitglied ist, aber zu Hause bleiben wird) sagte, auf nächsten Montag einberufen; dies scheint darauf hinzudeuten, daß Stämpfli i. c. der Bundesrath uns bereits Anfangs März um sich versammeln will. Wenn man an nichts anderes sinnt als an Militärstraßen, gezogne Kanonen, Feldstutzer, Morgensterne u. andere Mordinstrumente, so kann man natürlich nicht begreifen, daß andere Leute sich auch noch mit Werken des Friedens abgeben mögen.

Meine Frau trägt mir auf der Deinigen zu sagen, daß ihr schönes Bouquet noch ganz wohl erhalten u. der Gegenstand allgemeiner Bewunderung ist von Verwandten u. Freunden, die uns besuchen. Auch meiner l. Mutter, der es immer recht ordentlich geht, hat es viel Freude gemacht.

Mit herzlichen Grüßen von uns allen an Euch alle

verbleibe Dein treuer

J J Blumer.