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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B1853 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Bern, Montag, 17. Dezember 1860

Schlagwörter: Alpenstrassen, Krankheiten, Landesverteidigung und Militär, Nationalrat, Ständerat

Briefe

Bern den 17. Dezember 1860.

Mein lieber Freund!

Um Dich au courant zu erhalten über das, was in der Bundesstadt vorgeht u. Dich vorzugsweise interessiren muß, theile ich Dir anmit den lithographirten Minderheitsantrag in der Frage der Alpenstraßen mit. Hr. Curti hat mir Deine gestrige telegraphische Antwort gezeigt u. nach derselben glaube ich mit ihm annehmen zu dürfen, Du werdest nichts dagegen haben, daß Du als Mitunterzeichner des modifizirten Antrages erscheinst, da die von Dir gestellte Bedingung erfüllt ist. Die HH. Stehli, Fehr &c. werden zwar mit dem Minderheitsantrage namentlich Ziff. 3, noch nicht einverstanden seyn, sondern einen eignen Antrag stellen. Indeßen hoffe ich, es sey nun jedenfalls der Mehrheitsantrag aus dem Felde geschlagen, u. wenn derselbe auch gegen Erwarten noch im Nationalrathe angenommen werden sollte, so wird nach Beendigung der dortigen, voraussichtlich langen Diskussion das Ende der Session so nahe gerückt seyn, daß Niemand mehr dem Ständerath zumuthen dürfte dem Beschluße ohne Weiteres beizustimmen. Hr. Dapples wollte heute, ohne Zweifel in Folge höherer Weisung, sofort in die Frage der Alpenstraße eintreten, obschon der Vizepräsident Latour Samstags die Fortsetzung des Militärbekleidungsgesetzes | auf die Tagesordnung gesetzt hatte; allein es gab Einsprache u. der Nationalrath steckt nun wieder tief in der Schneiderei!

Ich hoffe von ganzem Herzen, daß es Dir in der heimathlichen Luft, bei größerer Ruhe u. beßerer Pflege mit Deiner Gesundheit beßer gehe u. das Fieber gänzlich zurückgetreten sey. Wenn Du mir mit einigen Zeilen über Dein u. der verehrten Deinigen Befinden Auskunft geben wolltest, würdest Du mich sehr erfreuen u. wohl auch beruhigen können. Es pflegen sich viele Mitglieder bei mir zu erkundigen, wie es Dir gehe; bis jetzt konnte ich ihnen natürlich keine Auskunft geben.

Empfehle mich bestens Deinen Damen u. sey herzlich gegrüßt von

Deinem treuen

J J Blumer.