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Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Friedrich Siegfried

AES B1841 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#454*

Samuel Friedrich Siegfried an Alfred Escher, Zofingen, Dienstag, 6. November 1860

Schlagwörter: Bundesrat, Nationalrat, Wahlen

Briefe

Zofingen 6 Nov. 1860.

Lieber Freund!

Deine freundschaftliche Zuschrift beantwortend darfst Du meines Erachtens wegen der 2 im 1ten aarg. Wahlkreis noch zu treffenden Nat.RathsWahlen unbesorgt sein. Obgleich aus hiesigem Bezirk gegen die Wiederwahl der Herren Frei-Herose, Feer-Herzog & Dr. Frei agitirt wurde & zwar, ohne eine offene Besprechung über die verschiedenen Kandidaturen zu veranlassen, brachte es diese Partei, die allerdings sich mit Stämpfli'scher Politik wichtig macht, doch nicht weit & man darf fast behaupten, daß die Kandidaten dieser Partei unterlegen sind. Der beste Beweis dafür liegt darin, daß eben diese Partei bei einer nun nachträglich durch sie veranstalteten Besprechung der Kandidaten | sich veranlaßt sah, auf die von ihr früher Vorgeschlagenen durchweg zu verzichten & dagegen Herrn Feer zu adoptiren & anstatt Dr. Frei's Oberst Fischer zu empfehlen. Dieser lezte Vorschlag wird Dich wie jeden beson nenen Schweizer beruhigen können & steht unbedingt mit dem Programm der Stämpflia ner im Widerspruch. An fragl. Bespre chung in Entfelden habe ich Theil genommen, gleich wie ich auch einer Versammlung beigewohnt hätte, wenn sie rechtzeitig zu umfassender Be sprechung der Sache angeordnet worden wäre. Für Dr. Frei war eine Verwen dung gegenüber den ihm gemachten Vor würfen, sobald dieselben nicht widerlegt werden konnten, nicht möglich, um so weniger | als sich die Gegner desselben auf Mitthei lungen aarg. Kollegen desselben, die grund säzlich zu gleicher Partei gehören, beriefen. Daß man aber nur Oberst Fischer ihm entgegenstellt, beweist, daß fragl. Gegner von der vollst. Unmöglichkeit, Jemanden der Ihrigen durchzubringen, überzeugt sind. Schweigt Fischer zu diesem Vor schlag, so ist es möglich, daß Frei in Minderheit bleibt, da Fischer auch vielen Gemäßigten weit besser zusagt als Frei. Jedenfalls wird also die aarg. Vertretung im Ganzen dieselbe Richtung behalten, die sie bisher befolgte. Sollte Herr Frei-Herose wieder in den Bundesrath gewählt werden, so wird vielleicht wieder der alte | Herr Plüß gewählt, da er den Stämpflia nern nicht unangenehm ist & im Uebri gen nicht als waghalsig erachtet wird. Wenigstens aus hiesigem Bezirk wird kaum ein Kandidat sich finden, der ihm vorgezogen werden dürfte. Und wenn nicht eine allgemein genehme Persönlichkeit aus dem Bez. Aarau oder Kulm präsentirt werden kann, so wird man sich um so lieber auf Herrn Plüß vereinigen. So viel über diese Angelegenheit, hoffentlich zu Deiner Be ruhigung. Wie ich auch in dem Geschäft, dem ich angehöre, ganz in Anspruch genommen, so ist doch meine Theilnahme an vaterländ. Dingen nicht erkaltet. Fahre Du mit Deinen Freunden fort, besonnen wie fest für das Vaterland zu sorgen & dessen Glük & Selbstständigkeit nicht ohne Noth in Frage zu sezen.

Herzlich & mit alter Freundschaft grüßt Dich Dein

Siegfried.