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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B1775 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Freitag, 9. September 1859

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches

Briefe

Glarus den 9. September 1859.

Mein theurer Freund!

Was wir gestern Vormittags bei Euerm freundlichen Besuche bereits befürchten mußten, ist leider über alle Erwartung schnell in Erfüllung gegangen. Mein l. Vater ist gestern Abends 7 Uhr sanft entschlafen! Hatte er auch namentlich Vormittags noch bedeutende Schmerzen auf der Brust, so war es doch nachher weit mehr die zunehmende Schwäche, welche seinen Tod herbeiführte: er legte sein müdes Haupt hin wie zum Einschlummern, der Athem wurde immer leiser u. leiser u.–nach einer Viertelstunde war er eine Leiche. Wenn wir uns auch durch den so plötzlich eingetretnen Schicksalsschlag schwer getroffen fühlen, so müßen u. können wir uns doch trösten bei dem Gedanken, daß die Leiden des guten Vaters abgekürzt worden sind u. er von schwerer Krankheit verschont geblieben ist. Wie sehr wir den schlichten, biedern Greis in unserm häuslichen Kreise vermißen werden, brauche ich Dir nicht zu sagen! In weitern Kreisen hat er in den letzten Jahren nicht mehr viel wirken können, aber der Kanton u. die Gemeinde werden seiner frühern Leistungen eingedenk bleiben u. der Ruf eines streng rechtlichen, gewißenhaften, gegen Jedermann unpartheiischen u. wohlwollenden Ehrenmannes – das Beste, was ein Vater seinem Sohne hinter| laßen kann – wird ihm in's Grab folgen.

Ich hoffe, Eure gestrige Heimreise über Obstalden werde Euch recht viel Freude bereitet u. Ihr werdet Eure Lieben zu Hause wohl angetroffen haben. Wie sehr bedaure ich, daß gerade in diesem Sommer, wo uns einmal das so seltne Vergnügen zu Theil geworden ist, Euch bei uns zu sehen, meine Familie durch zwei Trauerfälle betroffen worden ist u. wir daher nicht so ungetheilt, wie wir gerne es gethan hätten, uns Eurer Gesellschaft widmen konnten!

Empfehle mich nebst meiner Frau bestens den verehrten Deinigen u. sey

herzlich gegrüßt von

Deinem treuen

J J Blumer.

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