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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B1770 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Mittwoch, 8. Juni 1859

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Krankheiten, Kuraufenthalte, Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Glarus den 8. Juni 1859.

Mein theurer Freund!

Mit innigem Bedauern haben wir zuerst durch Pfr. Zwicki, dann durch meinen Schwager vernommen, daß Deine l. Frau in der letzten Zeit krank war; wir hoffen von ganzem Herzen, daß es ihr jetzt entschieden beßer gehe u. sie sich bald vollständig erholen möge. Gefreut hat es uns zu vernehmen, daß sie unser Stachelberg zum Kurorte auserwählt hat, da wir nun hoffentlich um so sicherer darauf zählen können Euch für einige Tage bei uns zu sehen, sey es auf dem Hin- oder auf dem Rückwege. Möge es Deiner Frau in dem freundlichen Stachelberg recht wohl gefallen u. möge sie dort eine gute Kur machen! Was die Zimmer betrifft, so ist meine Frau der Ansicht, daß diejenigen in der Nähe der Bäder, von denen Dir mein Schwager gesprochen haben wird, nur bei außerordentlicher Schwäche, welche jene Nähe als wünschenswerth erscheinen ließe, zu empfehlen wären; sonst gehören sie nicht zu den bequemern u. namentlich in diesem Jahre wären sie nicht angenehm, weil hart daneben ein neuer Flügel des Gebäudes aufgeführt wird was wahrscheinlich meinem Schwager unbekannt war. Schöne u. bequeme Zimmer finden sich im Erdgeschoß zwischen den beiden Hausthüren, wo die Herzogin von Orleans einen Salon mit Nebenzimmer hatte; doch ist es hier begreiflicher Weise etwas geräuschvoll u. wenn man die Stille vorzieht, so dürften die süd| lichen Eckzimmer des zweiten Stockwerkes, welche zwar nicht sehr groß, aber mittelst durchgehender Thüren mit den anstoßenden Zimmern verbunden sind, eben so sehr zu empfehlen seyn. Letztere haben natürlich auch mehr Aussicht; ein Blick aus ihren Fenstern an einem schönen Sommermorgen bietet wohl mindestens eben so viel Genuß dar wie eine Flasche Stachelbergerwaßer. Ich glaubte Dir diese Notizen mittheilen zu sollen, damit Du beim Bestellen der Zimmer darauf Rücksicht nehmen kannst. Sollte Deine Frau bereits vor der Bundesversammlung ihre Kur in Stachelberg beginnen wollen, so hoffe ich, Du werdest mir es mittheilen, damit wir Euch alsdann hier am Bahnhofe empfangen können.

Meine l. Schwester befindet sich dermalen in Baden; möge sie eine gute Kur machen, – sie hätte es sehr nöthig! Was meine Eltern betrifft, so geht es der l. Mamma recht ordentlich; von Papa dagegen kann ich nicht das Nämliche sagen, vielmehr ist sein dermaliger Gesundheitszustand eher etwas beunruhigend.

Ich hoffe Dich jedenfalls in den nächsten Wochen wieder zu sehen u. enthalte mich daher aller Betrachtungen über die Vorgänge seit unserm letzten Beisammenseyn. Mit der Bitte, mich den werthen Deinigen bestens zu empfehlen u. auch die kleine Lydie freundlich zu grüßen, verbleibe

Dein treuer

J J Blumer.