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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Gustav Stocker

AES B1749 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#476*

Johann Gustav Stocker an Alfred Escher, Zürich, Mittwoch, 10. November 1858

Schlagwörter: Berufsleben, Eidgenössischer Schulrat, Eidgenössisches Polytechnikum, Presse (allgemein)

Briefe

Zürich, 10 Nov. 58

Mein hochverehrter Freund!

Es ist vielleicht nicht nöthig, daß ich zu dir mit schriftlichen Beweisen komme. Doch will ich dir hier die Antwort von Cotta mittheilen. Ich hatte nämlich von der Redaktion, nachdem sie 3–4 Einsendungen hinter einander aufzunehmen vergessen hatte, eine Erklärung gefordert, warum dieß geschehen sei – oder eine ganz kurze Andeutung für den Fall, daß sie überhaupt gerne sehe, wenn meine Korresp. ganz aufhören. Als ich 2–3 Wochen lang keine Antwort erhalten, betrachtete ich das auch als eine Antwort & da mein Verhältniß ursprünglich mit Cotta , der ein sehr nobler & netter Mann ist, geschlossen wurde, hielt ich es für meine Pflicht, ihm auch persönlich Anzeige zu machen von mei nem Rücktritte, den ich nur sehr kurz motivirte. – Ich gestehe offen, daß mich das Verhältniß eines Korresp. d. A.A.Z. nur deinetwegen noch interessirt hat. Des| Geldes wegen (100-150 Frkn. pr. Jahr) lohnte es sich nicht der Mühe 100 Korrespondenzen zu schreiben, wovon 50–60 nicht aufgenommen werden aus diesem oder jenen Grunde. Die Ehre, die dabei aufzulesen, wird sehr stark kompensirt durch den Haß, den man sich nach rechts & links zuzuziehn im Falle ist. Sobald ich daher sah, daß ich dir (od. wenn du willst, dem in dir verkörperten Prinzipe – ich brauche aber lieber einen persön lichen Gott, das Verhältniß ist wie in der Religion viel wärmer) nicht viel mehr nützen konnte, schüttete ich gerne das Kind mit dem Bade aus.

Schließlich muß ich noch erwähnen, daß ich bis jetzt für H. Hartmann nichts thun konnte. Ich bin nach verschiedenen Richtungen sehr stark in Anspruch genommen, unter Anderm auch durch einen Privatkurs im Französischen, ähnlich (& nach gleicher Methode) dem englischen, zu dem mich die Professoren Zeuner, Dedekind, Kenngott & Durège genothzüchtigt haben & in dem ich ja auch wieder im Interesse der Anstalt arbeite. Ferner durch eine bevorstehende| Schulrathssitzung. Habe ich diese hinter mir, so will ich einen Versuch machen. Einstweilen kommt mir meine Aufgabe immer schwerer vor; besonders wenn ich bedenke, daß ich dir Ehre machen sollte. Beiliegend 1 Billet für die akad. Vorlesungen, das von Seite des Rektors Hitzig dem H. Schulrathe A. E. auf die Kanzlei übermacht wurde.

Stets mit der gleichen Hochachtung & Freundschaft

Dein dankbarer

Stocker

P. S. Dein beigelegter Brief des artigen Freiherrn möchte ich mir gelegentlich als quasi ehrenvollen Abschied zurück erbitten.

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