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Korrespondenz: Alfred Escher – Karl Sarasin

AES B1742 | StABS PA 212a R 32.34

In: Jung, Escher Briefe, Band 5, Nr. 69

Alfred Escher an Karl Sarasin, Zürich, Dienstag, 14. September 1858

Schlagwörter: Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Hochgeachteter Herr!

Sie haben mir während der Bundesversammlung1 die Ehre erwiesen, in Sachen des Saarbrückerkohlencanales an mich zu gelangen & bei diesem Anlasse geben Sie ein lebhaftes Interesse an dem Zustandekommen der fraglichen Unternehmung Kund. Unsere Schlußverabredung ging dahin, ich möge mich, wenn hier in Zürich die Angelegenheit an Hand genommen werde mit Ihnen in Verbindung setzen, um ihr auch in Basel Eingang zu verschaffen.2

Unsere Creditanstalt hat nun wirklich einen Aufruf an die Industriellen, welche große Quanten von Brennmaterial bedürfen, erlassen & ich mache mir ein Vergnügen daraus, Ihnen unter Kreuzband Exemplare dieses Aufrufes sammt Zeichnungsformularen zu übermitteln mit dem Ersuchen, mir die letztern mit schönen Zeichnungen versehen wieder zu übersenden.3 Der Zeichnungstermin ist bis Ende dieser Woche erstreckt.

Wenn es auch in Betreff dieser Angelegenheit wie in allen andern Dingen bei uns solche giebt, die gegen jede neue Unternehmung Mißtrauen haben oder die sagen sie werde auch ohne uns zu Stande kommen, so befreue ich mich auf der andern Seite wahrzunehmen, daß manche unserer tüchtigsten & rührigsten Industriellen dem Unternehmen sehr zugethan sind & sich bereit erklären, es thatsächlich zu unterstützen. Freilich frägt dann alles, ob Basel sich kräftig | betheilige &, da Basel unmittelbarer Nachbar des Elsasses ist & in Folge des Baues des Saarbrückencanales die Kohle zu Wasser bis an die Thore Basels gelangen wird, so ist diese Frage eine gewiß nicht unberechtigte.

Die Zeichnung kann umso unbedenklicher jedermann angerathen werden, da in Folge der Bauzeit des Canales von 3 Jahren die Einzalungen sich auf diesen langen Zeitraum erstrecken werden, folglich auch bei größerer Zeichnung nur ein verhälntnißmäßig geringes Kapital in Anspruch genommen wird & da die ganze ungünstige Chance, die ein Unterzeichner läuft, in einem allfälligen Cursverluste auf 5 prozentigen Schuldscheinen auf Frankreich besteht, einem Cursverluste, der vielleicht gar nicht eintreten wird, jedenfalls nie groß sein kann & gegenüber dem jährlich wiederkehrenden Ersparnisse auf dem Brennmateriale in so bedeutendem Belange in der That gar nicht in Betracht fällt.

Ich entledige mich durch diese Zeilen des Ihnen gegebenen Versprechens & indem ich hoffe, daß die Angelegenheit, welche unserm Lande die größten nationalökonomischen Vortheile zu bringen verspricht, auch in Basel die verdiente Unterstützung finden werde, benutze ich mit Vergnügen diesen Anlaß, Sie meiner vorzüglichen Hochachtung & Ergebenheit zu versichern.

Dr A Escher

Zürich 14. Sept. 1858.

Kommentareinträge

1Gemeint ist vermutlich die Session vom 5. bis 31. Juli 1858 in Bern. Sarasin war nicht Mitglied der Bundesversammlung. Vgl. Kern, Repertorium I, S. 101–107.

2Erste Schritte zur Erstellung des Saarkanals wurden bereits 1806 unter Napoleon I. eingeleitet. Das Vorhaben wurde jedoch erst in den 1850er Jahren wieder aufgegriffen. Die SKA war eine der Emissionsbanken, die Anleihen für das Projekt ausgab. 1862 konnte mit dem Bau des Kanals begonnen werden; 1866 war er betriebsbereit. Die Wasserstrasse verband das Bergbaugebiet um die Saar über den Rhein-Marne-Kanal mit Ostfrankreich und dem Mittelrhein. Vgl. Löper, Geschichte des Verkehrs, S. 89–90; Marek, Kohle, S. 45–50.

3Sarasin richtete im Namen der SKA einen Aufruf zur Kapitalzeichnung an mehrere Basler Industrielle. Darin hiess es unter anderem: «Wenn es für das Elsaß, wenn es für die östliche Schweiz von Wichtigkeit ist, Unternehmen zu fördern, die wohlfeileres Heizmaterial herbeiführen, so ist dieß nicht weniger der Fall für Basel und dessen Industrien.» Von Basler Industriellen wurden in der Folge Anleihen im Auftrag von 50 000 Franken gezeichnet. Rundschreiben Karl Sarasin an Basler Industrielle, 18. September 1858 (StABS PA 212a R 32). Vgl.Zeichnungsliste Karl Sarasin an Escher, 28. September 1858 (StABS PA 212a R 32).

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