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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B1723 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Freitag, 30. April 1858

Schlagwörter: Bundesgericht, Eisenbahnen Betrieb, Familiäres und Persönliches, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Postwesen, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Vereinigte Schweizerbahnen (VSB), Wahlen

Briefe

Glarus den 30. April 1858.

Mein theurer Freund!

Vorerst verdanke ich Dir bestens die gütige Zusendung des Nordostbahnberichtes, welchen ich mit dem größten Intereße gelesen habe. Es muß derselbe namentlich durch die Offenheit, Klarheit u. umsichtige Ruhe, mit welcher er alle Verhältniße bespricht, einen sehr günstigen Eindruck auf jeden Leser machen u. kann nicht verfehlen, den Kredit der Unternehmung, welche sich ohnehin eines guten Rufes erfreut, noch mehr zu erhöhen.

Sodann komme ich Dir ganz besonders zu gratuliren für die glänzende Weise, in welcher Du an der Generalversammlung zum Mitglied u. Präsidenten der Direktion wieder gewählt worden bist. 1934 von1939 u. 1727 von 1735 Stimmen – das ist noch mehr als was man bei uns ein «Landammannmehr» heißt u. beurkundet jedenfalls eine allgemeine Anerkennung Deiner Verdienste u. ein allgemeines Vertrauen in Deine Geschäftsleitung, wie es in diesem Grade nicht häufig sich findet. Mit einem solchen Ehrendiplom in der Tasche kann man schon wieder manche unbillige Angriffe, denen Hochstehende in einer Republik immer am meisten ausgesetzt sind, gegen sich ergehen laßen. Ich hoffe, Du werdest nächsten Sonntag auch wieder mit ehrenvoller Doppelwahl, wie bisdahin, in den Großen Rath gewählt werden, denn ich wünsche von Herzen, daß Du neben der Eisenbahn, welche dermalen Deine Thätigkeit | vorzugsweise in Anspruch nimmt, auch dem Staate zu dienen fortfahren mögest. – Sehr gefreut hat es mich auch, daß die übrigen Wahlen der Generalversammlung, wie die vorausgegangnen Beschlüße des Verwaltungsrathes ganz nach Deinen Wünschen ausgefallen sind; doch kann ich ein leises Bedauern nicht unterdrücken, daß die Eidgenoßenschaft u. das Publikum in Hrn. Stoll einen sehr tüchtigen Postdirektor verlieren, welcher in dieser wichtigen Stellung nicht leicht zu ersetzen seyn wird.

In den letzten Tagen nach Zürich zu kommen, wäre mir in der That kaum möglich gewesen, da ich bei meiner Rückkehr vom Bundesgericht eine Menge von Geschäften vorfand, welche ich zuerst aufräumen mußte, ehe ich mich wieder meiner größern Arbeit zuwenden konnte. Der Zeit nach wird es sich mir beßer schicken, die Generalversammlung in St. Gallen, welche auf den 11. Mai ausgeschrieben ist, zu besuchen u. da die Unternehmung der Vereinigten Schweizerbahnen für meinen Kanton immerhin von der größten Wichtigkeit ist, so hat die Verhandlung für mich Intereße genug, um wenigstens des «Anhören's u. Referiren's» halber ihr beizuwohnen.

Gestern hast Du wohl die Bahn von Brugg nach Aarau eingeweiht. Glück zu! Das Publikum ist Dir dankbar für die schnelle Erstellung dieses wichtigen Mittelgliedes des Verkehres zwischen der Ost- u. Westschweiz.

Für die viele Gastfreundschaft, welche Du u. die werthen Deinigen meiner l. Frau u. mir während unsres letzten Aufenthaltes in Zürich erwiesen, habe ich Dir noch meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Meine l. Frau leidet noch immer hin u. wieder an Zahnschmerzen, mir dagegen geht es jetzt wesentlich beßer als früher. Ich hoffe von Herzen, daß auch Deine verehrte Mutter u. Gattin sich nach Umständen wohl befinden, u. bitte Dich, uns ihnen bestens zu empfehlen. Herzlich grüßt Dich

Dein treuer

J J Blumer.