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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B1714 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Samstag, 13. Februar 1858

Schlagwörter: Bundesgericht, Familiäres und Persönliches, Freundschaften, Reisen und Ausflüge, Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Glarus den 13. Februar 1858.

Mein theurer Freund!

Die Mittheilung, welche Du mir durch Deinen werthen Brief vom 9. gemacht hast, hat mich in doppelter Beziehung innig gefreut: zunächst als ein neuer Beweis Deiner immer gleichen, herzlichen Gesinnung gegen mich, welche den Freund von allen wichtigern Vorkommenheiten, freudigen wie traurigen, sofort in Kenntniß setzt, dann aber auch vorzüglich wegen ihres Inhaltes selber. Ich sehe damit einen heißen Wunsch, den ich für Dich hegte, erfüllt u. Du hast ganz Recht, wenn Du zum voraus meiner u. der Meinigen innigster Theilnahme an Deinem Familienglücke Dich versichert hältst. Mögen alle die Hoffnungen, welche in diesem Augenblicke Deinen Blick in die Zukunft erheitern, in reichliche Erfüllung gehen!

Ich kann in diesem Augenblicke noch nicht sagen, ob sich das Bundesgericht im nächsten April (vorher jedenfalls nicht) in Zürich versammeln wird, es wird sich dies in den nächsten Wochen entscheiden. Vielleicht komme ich vorher an die Versammlung der Kreditanstalt, welche auf den 22. März ausgeschrieben ist. Meine Frau wird im Frühling wohl auch etwa einmal nach Zürich kommen; ob für längere oder kürzere Zeit, wird sich zeigen. Gegen die Annahme aber, als ob ich bei meinem letzten Besuch in Belvoir einen unangenehmen Eindruck mitgenommen | hätte, muß ich feierlich protestiren; es stehen vielmehr jene Tage bei mir in allerfreundlichster Erinnerung.

Von Eurer Reise nach München waren wir zum voraus durch Pfr. Zwicki unterrichtet; sie ist wohl so ziemlich in die kälteste Zeit dieses Winters gefallen u. war daher wohl etwas beschwerlich. Gut, daß Ihr Beide wohlbehalten zurückgekehrt seyd, u. besonders freute es mich auch zu vernehmen, daß Deine verehrte Mutter sich ordentlich befindet. Was uns betrifft, so sind meine Frau u. ich Gottlob! vollkommen gesund; bei meinen Eltern giebt es im Winter freilich immer viele Störungen, aber von schwerern Krankheiten wenigstens sind sie bis jetzt glücklicher Weise verschont geblieben.

Den gegewärtigen Eisenbahnhändeln, welche namentlich den Kanton Bern bewegen, folge ich zwar mit Intereße u. Aufmerksamkeit, jedoch nicht ohne Gott täglich dafür zu danken, daß ich «weit vom Geschütz» bin, d. h. mich ordentlicher Weise nicht mit diesen Dingen zu befaßen habe. Ich habe das ganze Getriebe in der Bundesversammlung mehr als nur satt bekommen u. freue mich, daß ich wenigstens in den Zwischenperioden von einer Sitzung zur andern nichts als neutraler Zuschauer bin. Weit mehr Befriedigung gewährt es mir, mich mit der Vollendung meiner Rechtsgeschichte zu beschäftigen, welcher ich alle Zeit widme, die mir meine Amtsgeschäfte übrig laßen. Zu den letztern ist nun freilich noch das Präsidium des Bundesgerichts hinzugekommen, welches eine ziemlich bedeutende Korrespondenz erfordert.

Meine Frau u. ich laßen sich der Deinigen, sowie Deiner Frau Mutter u. Schwester bestens empfehlen. Empfange, in der Hoffnung frohen Wiedersehens, die

herzlichsten Grüße von

Deinem treuen

J J Blumer.