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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B1701 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, s.l., Montag, 21. Dezember 1857

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Vereinigte Bundesversammlung, Westbahnkonflikt (1856/57)

Briefe

F: G: EHRHARDT
Cantonsfürsprech
ZÜRICH

Mein guter, lieber Freund!

Beifolgend mein Referat über die heutige Creditorenversammlung. Vor derselben kam Herr Schultheß–R zu mir u. sprach sein Vergnügen (??) über den Entscheid der Bundesversammlung aus in der Oronfrage mit dem Zusatze: auch er hätte mit der diesmaligen Majorität stimmen müssen. Da diese Mittheilung offenbar zu Deinen Handen mir gemacht wurde, will ich nicht ermangeln, sie Dir hiermit zu überbringen. Alle die ich gesprochen sind übrigens über diese endliche Ermannung der Bundesversammlung erfreut; obschon eigentlich niemand weiß, worum es sich handelte. Ein richtiges Gefühl sagt den Leuten, daß man sich von einer Intrigue freigemacht habe. Man nimmt allgemein an, daß jetzt der ganze Oronbau dahin gefallen sei.

Von hier kann ich Dir nichts Neues sagen. Im Belvoir befinden sich die Damen – vorübergehende kleine Krankheitsaffectionen abgerechnet – wohl. Ich wurde heute durch | ein Blumenangebunde überrascht, zu einem Tage der wenn man sich den Greisenalter nähert, leider mehr ein solcher der Trauer, wie der Freude sein muß, wo es aber doppelt angenehm überraschen muß, wenn theilnehmende Herzen u. Hände die Last der Jahre zu erleichtern suchen.

Grüsse an alle Bekannte.

Herzlichst Dein

Er

21. XII. 57.