Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Rüttimann

AES B1693 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#422*

In: Jung, Aufbruch, S. 839–840 (auszugsweise)

Johann Jakob Rüttimann an Alfred Escher, Zürich, Dienstag, 8. Dezember 1857

Schlagwörter: Bankwesen (allgemein), Schweizerische Kreditanstalt (SKA)

Briefe

Lieber Freund.

Ich weiß nicht, in wie weit Du von anderer Seite her über die hiesigen Verhältnisse au courant gehalten wirst. Deßhalb will ich Dir das Wichtigste mittheilen, wie wohl es nicht erfreulich ist.

In Folge der Suspension von Roguin & Hofmann & der übrigen Verhältnisse haben nun eine ziem liche Zahl Seidenfabrikanten faillirt. Ich glaube nicht, daß die Kreditan stalt dabei betheiligt ist; hingegen zweifle ich nicht daran, daß die gegenwärtige Crisis gewiß unser Wechselportefeuille & unsere Conto current-Guthaben nicht unbedeutend afficirt. Die Commandite in Piemont ( Latour ) soll auch einen Verlurst von 50000 fcs geben. Da versteht es sich von selbst, daß von einer Superdividende keine Rede sein, sondern vielmehr ein Deficit heraus kommen wird. Unter diesen Umstän den ist es gewiß gut, wenn wir recht bald die Bilanz publiciren können, wenn sie auch schlecht ist. Die Leute stellen sich sonst Alles viel schlimmer vor, als es in der Wirklich | keit ist.

Was das Verhältniß zu Hofmann & Roguin betrifft, so gehe ich mit unserer Direction darin auseinander, daß nach meinem Dafürhalten die Cession des Guthabens bei Lösching & Wesen donk & die Privatgarantie von Wesendonk in Folge des Scheiterns des ganzen Arrange ment dahin gefallen sind, während die Direction wenigstens an der Cession noch festhalten will. Ich lege Werth darauf, in dieser Sache ganz tadellos da zu stehen & möchte nichts ansprechen, was uns nicht ge bührt. Um dieser Meinungs ungleichheit willen bin ich auch in einiger Verlegenheit, ob & wie die Zeitungsangriffe, die bereits erschienen sind (Basler Nachrichten ∆ Zürich) & ohne Zweifel noch ferner erscheinen werden.

Zum Glücke lauten wenig stens die Berichte aus Amerika etwas günstiger; sonst sind die Aussichten trübe genug. In eine schlimmere Zeit hätte | der Anfang unserer Operationen nicht fallen können. Ich bin dessen– ungeachtet nicht verzagt. Es ist vielleicht besser, daß wir gleich von vorne herein diese Erfahrungen machen. Früher oder später mußte das Ungewitter losbrechen.

Ich hoffe, daß Du in Bern nicht allzu sehr geplagt wer dest, & verbleibe von Herzen

Dein

J R

Z. 8 dec.
1857

Kontexte