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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B1675 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Mittwoch, 21. Oktober 1857

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Freundschaften, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Nationalrat, Polemiken und Anwürfe (Escher), Presse (allgemein), Regierungsrat ZH, Wahlen

Briefe

Glarus den 21. Oktober 1857.

Mein theurer Freund!

Es freut mich Dir endlich die zu lange verzögerte Fortsetzung meiner «Staats- u. Rechtsgeschichte» als ein kleines Freundschaftszeichen übersenden zu können. Sollte das Buch Dich einigermaßen interessiren u. Deinen Beifall finden, so würde es mir zu großer Befriedigung gereichen.

Ich habe in den letzten Tagen oft an Dich denken müssen, denn ich konnte mir wohl vorstellen, daß die schweren Unbilden, die Dir zugefügt worden sind, Dir wehe thun würden. Es muß für dich doppelt schmerzlich seyn, von ehemaligen Freunden (denn zu diesen gehörte doch Walder) so angegriffen zu werden, wie es in den «Basler Nachrichten» geschehen ist. Ich lese sonst dieses Blatt nicht, aber durch Rüttimann's treffliche Entgegnungen in der N.Z.Z. bin ich aufmerksam gemacht worden auf jene Artikel, die wirklich an Gift u. Galle Alles übertreffen, was ich noch gelesen habe. Ich hoffe, Du werdest am nächsten Sonntag glänzend triumphiren über die Machinationen Deiner Gegner, denn ich habe eine zu gute Meinung von dem Zürcher Volke, als daß ich annehmen könnte, es wisse Deine großen Verdienste um den Kanton u. die Eidgenossenschaft nicht mehr zu würdigen. Ich glaube auch, daß die praktische Absicht bei den | Angriffen, die freilich zunächst Deine Person treffen, weniger darauf geht Dich aus dem Nationalrathe zu verdrängen, als vielmehr einige Deiner Freunde, wie namentlich die HH. Hüni u. Fierz, welche viele Gegner zu haben scheinen. Die Regierungsrathswahl im Großen Rathe hat wohl Deinen Wünschen entsprochen? Fenner ist mir von einigen Expropriationsuntersuchen her sehr vortheilhaft bekannt. Für den «hochgeachteten» Herrn Pestalutz freut es mich nicht wenig, daß sein Martinisommer in Bern um weitere drei Jahre verlängert worden ist.

Pfr. Zwicki ist nun nicht mehr Bräutigam; sein Verhältniß zu Fräul. Riggenbach ist in beidseitigem Einverständisse aufgelöst worden. Ich sah diese Entwicklung schon lange als nothwendig voraus, während er seinerseits sich noch Hoffnungen hingegeben zu haben scheint, die seinen frühern Gleichmuth erklären. Jetzt geht ihm die Sache sehr zu Herzen u. etwelche Zerstreuung wäre für ihn sehr wünschenswerth; doch will er sich nicht entschließen, seinen einsamen Wohnort für einige Zeit zu verlassen. Das Beste ist jedenfalls, daß er sich in der fatalen Angelegenheit nicht die mindesten Vorwürfe zu machen hat; desto eher wird die Zeit seinen Schmerz heilen.

Unsre besten Empfehlungen an Deine Frau, sowie an Deine Frau Mutter u. Schwester. Es grüßt Dich (nebst meiner l. Frau) herzlich

Dein

J J Blumer.