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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B1655 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Zürich, Mittwoch, 26. August 1857

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Krankheiten

Briefe

F: G: EHRHARDT
Cantonsfürsprech
ZÜRICH

Mein bester Freund!

Sei nicht böse, wenn ich dir bis jetzt noch gar nicht u auch heute erst wenige Zeilen schreibe; allein eine Anzahl Besucher aus Norddeutschland u. namentlich ein solcher aus meiner ehemaligen Vaterstadt, dem ich heute noch eine Strecke das Geleit geben werde, macht es mir unmöglich einen längern Brief an dich zu schreiben. Uebrigens würde der Stoff auch nicht sehr umfangreich sein. Von dem Unwohlsein deiner armen Schwester im Rücksfall von dem Schleimfieber Armins wirst Du bereits gehört haben. Aus dem Stillschweigen der Frau Stockar darf man wohl annehmen, daß sie hergestellt sei u. auch Armin wird wohl nicht hart mitgenommen werden wie der Arzt hoffte. Auf die Stimmung deiner guten Mutter haben diese unangenehmen Ereignisse natürlich keinen guten Einfluß gehabt und sie – namentlich Frau St. Unwohlsein – sehr niedergedrückt u. fast scheint es mir, daß diese trübe Stimmung auch deine Frau einigermaßen affizirt hat. Zu verwundern dürfte es nicht sein, wenn deine Abwesenheit u. die Beunruhigungen durch die Krankheit zweier Familienglieder eine deprimirte Stimmung hervorrufen.|

Abgesehen von dem, was ich dir so eben mittheilte, glaube ich bei meinen zweimaligen Besuchen durchaus nichts wahrgenommen zu haben, was Dir zu irgend welcher Beunruhigung Veranlassung geben könnte, mein bester Escher. Deine Mutter u. Frau Bürgermeister sind aufmerksam u. herzlich gegen einander. Mit Deiner Mutter habe ich zwei sehr lange Besprechungen gehabt, deren Inhalt im Wesentlichen mit frühern übereinstimmt, u. worüber wir ja später noch reden können. Ich habe ganz in dem Sinne mit ihr gesprochen, wie Du es wünschest u ich für richtig u. angemessen ebenfalls halte. Sie war sehr bewegt u. ich bin überzeugt, daß an dem besten, redlichsten Willen es nicht fehlt; möge der Himmel nur immer die Kraft zum Ausführen verleihen. Die Summe meiner flüchtigen Mittheilung kann dich somit beruhigen u. dir die Zuversicht geben, daß deine Abwesenheit nicht Veranlassung zu irgend welchen Conflicten Veranlassung sein wird, die wenn auch noch so klein im Beginnen, doch leicht Veranlassung zu einer | sehr unerquicklichen Situation hätten geben können.

Beifolgend ein Brief von Gonzenbach.

An Herrn P. meine besten Empfehlungen.

Mit der nochmaligen Bitte um Nachsicht wegen dieser flüchtigen Zeilen, die wenigstens Ihren Hauptzweck, die Beruhigung wegen der Personen zu geben, welche Dir am meisten am Herzen liegen, unter den Versicherungen treuster wärmster Liebe u. Freundschaft

Dein

Er

Zürich
den 26. Aug 1857.