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Korrespondenz: Alfred Escher – Franz Hagenbuch

AES B1638 | ZBZ FA Escher vG 207.103

Alfred Escher an Franz Hagenbuch, Bern, Samstag, 11. Juli 1857

Schlagwörter: Eisenbahnen Fusionen, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Gewässerkorrekturen, Glattalbahn (Gl-TB), Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Kommissionen (eidgenössische), Nationalrat, Regierungsrat ZH, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Vereinigte Bundesversammlung, Vereinigte Schweizerbahnen (VSB), Wahlen

Briefe

Mein lieber Freund!

Ich weiß nicht, welchen Verumständungen ich es zu verdanken habe, daß Briefe wie die Beilage noch an mich gelangen. Herr Benz, mit dem ich über den Inhalt der letztern gesprochen & der von der fraglichen Angelegenheit durchaus nichts weiß, räth mir, den Brief dir zu übersenden & ich folge diesem Rathe, den Brief natürlich Deiner «gutfindenden» Würdigung anheimgebend.

Gestern, habe ich mit Herrn Zangger v. Uster über Deine Idee, von Regierungs- beziehungsweise Staatswegen dem Eintritte der Glattthalbahn in die Union Suisse Hindernisse in den Weg zu legen & sodann die Glattthalbahn in die Nordostbahn aufzunehmen, gesprochen, natürlich ohne Deiner | Person irgendwie Erwähnung zu thun. Zangger griff nach dem Gedanken mit beiden Händen, sagte mir bei diesem Anlasse, wie peinlich es ihm sei, in die Stellung mir gegenüber zu gerathen, in der er sich im letzten Großen Rathe befunden habe, & wie sehr es ihn freuen würde, wenn dieß anders sein könnte, wenn die sämmtlichen Bahnen auf Zürcherschem Boden in den Händen der N.O.bahngesellschaft wären usf. Ich empfahl ihm den Gedanken zu weiterer Überlegung. Hüni-Stettler, dem ich vorläufig eine dießfällige Andeutung machte, schien dem Gedanken, wohl aus Besorgniß für die gewissermaßen concurrirende Seebahn, nicht sehr gewogen. Indessen hat er sich noch nicht definitiv ausgesprochen. Welche Chancen glaubst Du in der Regierung für die Idee zu haben? In der St. Galler Conzesion der Glattthalbahn steht, soviel ich weiß, daß die Conzession ohne Einwilligung der St. Gallischen | Behörden nicht an einen dritten übertragen werden können. Ich denke aber, wenn man bloß bis Rüti bauen würde, so wäre ein allfälliger Widerstand St. Gallens, dem an der Fortführung bis Rappersweil sehr gelegen sein muß, wohl zu brechen.

Es wird mich freuen, wenn Du mir auf meine obige Anfrage eine Erwiederung zukommen lässest. Ich werde demnächst das Gespräch mit Zangger wieder aufnehmen.

Die von dem Nationalrathe durch geheimes Scrutinium vorgenommene Wahl der 3 Commissionen für die Petitionen, die Eisenbahnen & die Jura gewässercorrection (die 3 wichtigsten Commissionen, die allein von der ganzen Versammlung bestellt werden) werden dir gezeigt haben, daß gewisse gegen meine Person gerichtete Bestrebungen im Nationalrathe wenig Glück gemacht haben. |

Hoffend, daß die l. Deinen sich wohl, Dein verehrter Herr Schwiegervater sich wenigstens erträglich befinde, grüßt dich herzlich

Dein

A Escher

Bern
11. Juli 1857.