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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B1614 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

In: Jung, Aufbruch, S. 480 (auszugsweise)

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Zürich, Mittwoch, 13. Mai 1857

Schlagwörter: Chemin de fer de Lausanne à Fribourg et à la frontière bernoise, Compagnie Franco-Suisse (FS), Compagnie de l'Ouest-Suisse (Westbahn) (OS), Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Fusionen, Krankheiten, Regierungsrat ZH, Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

F: G: EHRHARDT
Cantonsfürsprech
ZÜRICH

Zürich, den 13. Mai 1857.

Mein bester Freund!

Erst heute empfange ich deinen freundlichen Brief, nachdem ich schon gestern, in folgender Depesche an Dich geschrieben habe. Ich beschränke mich deshalb darauf, verschiedene Punkte deines Briefes noch nachträglich zu beantworten.

Daß die Fusion nicht zu Stande kommen kann u. wird, darfst Du als eine ausgemachte Sache annehmen u. daß Basel daran Schuld sei ebenfalls. Die Central Bahn hat schon ein Darlehn von 12 Millionen umtrahirt was jedenfalls die Ausführung des Fusionsprojectes auf dem normalen Fuße unmöglich machen würde. Außerdem ist die Centralbahn im Begriffe noch weitere 6 Millionen in diesem Augenblicke aufzu nehmen. Ich glaube aber, daß du keine Veranlassung hast, über alles dies übel disponirt zu sein. Du hast von der von dir vertretenen Gesellschaft ein glänzendes Zutrauensvotum empfangen u. bist für die Dummheiten Dritter nicht verantwortlich; denn bei dem Scheitern der Fusion verliert nicht die Nordost bahn, sondern jedenfalls die Centralbahn mehr. Die sämmtlichen übrigen betheiligten Gesellschaften haben übrigens die Fusion angenommen.

Ich habe allerdings angenommen, daß Herr Peyer dir genau nach Cöln schreiben werde, wie er mir sagte u. deshalb, so wenig über die Generalversammlung Dir gesagt. Hast Du vielleicht den Brief in Cöln nicht empfangen? – Wenn ich nicht irre ist der | Brief poste restante nach Cöln gegangen, da deine Depe sche erst später hierher gekommen ist, in welcher deine Addresse angegeben war. Nicht um mir das Schreiben, sondern um dir das Lesen zu erleichtern, füge ich einige Ausschnitte aus der Z. u. E. Zeitung über die Fusionsangelegenheit bei u. füge noch hinzu: Sulzer trug auf Annahme der Fusion im RR an unter der Modification, daß, nach dem Entscheid in Basel, die definitive Sanction verschoben werden solle. Sulzer sagte mir persönlich, er habe dies für das beste Mittel gehalten, die Basler ebenfalls zur unbedingten Annahme zu bringen. Mit dieser Modification wurde vom RR beschlossen, für die Fusion zu stimmen u. Sulzer Treichler u. Hgbuch mit der Vertretung der Actien beauftragt. Diese stimmten somit zuerst für Verschiebung u. dann für Annahme der Fusion. Im Verwaltungsrathe sollen im gleichen Sinne gestimmt: Sulzer, Biedermann, Ott u. Wäffler [...?] später stimmten auch sie für sofortige Annahme. Mir hat das Referat von Peyer natürlich sehr gefallen. Einige hielten es nicht für einläßlich genug. Allgemeinen Beifall hatte sein Schlußresume.

Das Betriebsergebniß vom 1–7 Mai be trägt über Fr 47.000. Bisweilen 12000 Ctms pro Tag; am letzten Sonntage 4600 Personen unter denen auch ich auf Andelfingen.|

Herr Fierz kaufte für Dich Stück 16. à 502 ½
29. à 505.
55. à 502 ½.
100.–

Der Betrag der N.O.B. Obligationen ist am 8. von L. Pestalozzi in die Creditanstalt einbezahlt.

Zwicki schüttelte bedenklich mit dem Kopfe, wie er von deinem Projekte der Seebäder hörte. Hoffentlich hat dir Schnee u. Kälte sogar einen Versuch, un möglich gemacht. Mein erstes Wiedersehn mit ihm war feierlich, denn er empfing mich in Gegenwart drei er Generationen: weibliche Großmutter, weibliche Mutter u. weibliche Frau, die auf mich herabsahen wie auf Napoleon I die 3000 Jahre bei den Pyramiden. Heute Abend erwarte ich ihn zu einer ärztlichen Consultation; denn leider bin ich seit deiner Abreise unwohler, als je gewesen.

Telegraphire auch immer recht zeitig; damit man an den Bestimmungsort der Briefe auch noch schreiben kann, wenn es vielleicht unmöglich ist, dies sofort zu thun, was für mich bisweilen schwierig ist, wenn ich gerade fort bin.

Um die Post nicht zu versäumen, schließe ich u. füge nur noch hinzu, daß nichts Neues vorgefallen sei. Diese Eile läßt mich auch um Entschuldigung wegen des Briefes selbst bitten.

Für Bürgermeister Escher bitte ich recht viel Schönes zu sagen v meinen tiefsten Respect auszu drücken. Adieu mein bester Freund!

Stets Dein

Er