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Korrespondenz: Alfred Escher – Samuel Frey
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    1. von Samuel Frey, 4. Januar 1857 Schlagwörter: Presse (allgemein), Diplomatische Aktivitäten, Bundesrat, Vereinigte Bundesversammlung, Neuenburger Frage (1848–1857), Gesandtschaft in Paris, Nationalratspräsident, Konflikte mit Drittstaaten AES B1550
    2. von Samuel Frey, 18. April 1857 Schlagwörter: Diplomatische Aktivitäten, Neuenburger Frage (1848–1857), Bundesrat, Vereinigte Bundesversammlung, Nationalratspräsident, Presse (allgemein), Landesverteidigung und Militär, Bundesfinanzen AES B1604
    1. von Samuel Frey, 13. April 1860 Schlagwörter: Grosser Rat AG, Lagebeurteilungen (diverse), Regierungsrat AG, Presse (allgemein), Savoyer Frage (1859–1864) AES B1802
    2. von Samuel Frey, 22. April 1860 Schlagwörter: Vereinigte Bundesversammlung, Rechtliches, Lagebeurteilungen (diverse), Konflikte mit Drittstaaten, Volksversammlungen, -mobilisierungen, Liberale Presse, Helvetia (Studentenverbindung), Bundesrat, Presse (allgemein), Savoyer Frage (1859–1864) AES B1807
    1860
    1. von Samuel Frey, 21. November 1866 Schlagwörter: Wahlen, Bundesrat, Liberale Presse, Helvetia (Studentenverbindung), Nationalrat AES B2175
    2. von Samuel Frey, 1. Dezember 1866 Schlagwörter: Nationalrat, Wahlen, Ständerat, Bundesrat, Liberale Presse, Lagebeurteilungen (diverse) AES B2178
  • 1870
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  • o. J.

AES B1604 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#215*

Samuel Frey an Alfred Escher, Gontenschwil, Samstag, 18. April 1857

Schlagwörter: Bundesfinanzen, Bundesrat, Diplomatische Aktivitäten, Landesverteidigung und Militär, Nationalratspräsident, Neuenburger Frage (1848–1857), Presse (allgemein), Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Gontenschwyl 18 April 1857.

Mein lieber Freund!

Schon seit einiger Zeit hatte ich mir vorgenommen, einige Zeilen an Dich zu richten bezüglich der großen Frage des Tages. Heute bringen die Blätter die Nachricht, die Conferenzen in Paris werden ohne Resultat zu Ende gehen, oder vielleicht in diesem Augenblicke schon zu Ende gegangen sein. – Mein eventueller Entschluß, Dir zu schreiben, ist dadurch zum definitiven geworden. – Ich, & mit mir gewiß noch mancher Schweizer, der ein Herz für sein Vaterland schlagen fühlt, stellte mir sich die Frage: Kann der Bundesrath in dieser folgenschweren Angelegenheit das letzte Wort sprechen, ohne die Bundesversammlung vorher zu Rathe gezogen zu haben? – Sollen wir also erst dann in Bern zusammentreten, wenn wir die trostlose Kunde vernehmen müßen, Alles sei gescheitert!

Gesetzt, die Bundesversammlung wäre in einigen Punkten anderer Meinung & weniger eigensinnig gewesen als der Bundesrath – was soll sie dann noch thun? – Sollen wir eines leeren Titels & einer Geldsumme wegen, die ein Truppenaufgebot von einer Dauer von 8 Tagen übersteigt, eine Frage pendent lassen, die uns schon einmal an den Abgrund eines Krieges geführt hat, & die wie ein drohender Alp auf uns lasten & uns eine Menge bitterer Verlegenheiten, am Ende aber ganz gewiß den Krieg bringen wird? – Diese Bedenken & diese Fragen tauchen wohl in der Brust manches Schweizers auf, der es mit seinem Vaterlande vielleicht ebenso gut meint, als die Redaktoren des «Bund» & der «Berner Zeitung», welche wieder einmal Prin zipienjägerei treiben. – Stürzt sich ein ganzes Land| gerne in einen Krieg, wenn sich Jeder sagen muß; mit der Concession eines bloßen Titels, der (nach vorausgegangenem Verzicht auf die Fürstenrechte) blos eine heraldische Schnörkelei gewesen wäre, & mit einer verhältnißmässig minimen Geldsumme wären dem Vaterlande, das der Segnungen des Friedens so dringend bedarf, die Schrecknisse eines Krieges erspart worden? –

Es wäre gewiß überflüssig, wenn ich Dir noch ein Wort weiter sagen wollte. Ich wollte bloß die Frage anregen, ob man den Bundesrath, welcher sich wieder einmal festgerannt zu haben scheint, nicht veranlassen sollte, vor Abgabe seines Definitiv-Votums die Bundesversammlung einzuberufen. Du bist Präsident des Nationalraths & kennst die Situation unendlich besser als ich; – an Dir wird es sein, Dein gewichtiges Wort in die Wagschaale zu legen.

Nimm mir, lieber Freund! meine Offenheit nicht übel. Sie erscheint Dir vielleicht als Zudringlichkeit. Allein Du kennst mich zu gut, als daß Du nicht wissen solltest, daß ich meine Gefühle offenbaren muß, namentlich bewährten Freunden gegenüber.

Lebewohl mein Lieber! & empfange die herzlichsten Grüße Deines treuergebenen Freundes

Dr Frey.

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