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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B1582 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Zürich, Freitag, 13. März 1857

Schlagwörter: Chemin de fer de Lausanne à Fribourg et à la frontière bernoise, Compagnie de l'Ouest-Suisse (Westbahn) (OS), Eisenbahnen Fusionen, Familiäres und Persönliches, Haus und Garten (Bewirtschaftung), Personelle Angelegenheiten, Rechtliches, Rothschild (Bankhaus), Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

F: G: EHRHARDT
Cantonsfürsprech
ZÜRICH

Mein bester Freund!

Deine vielen Geschäfte dürften dir kaum gestatten, sogar einen längern Brief nicht mit Ruhe lesen zu können u. so werde ich mich darauf beschränken, dir nach dem Auftrage deiner guten Mutter zu sagen, daß es jetzt im Hause so ziemlich gut gehe u. daß besonders die Köchin, welche in Folge von allgemein liebloser Behandlung, namentlich aber von Seiten Johanns, der ihr gedroht hatte, plötzlich das Haus verlassen wollte, die volle Zufriedenheit sich erworben habe u. williger u. s. w. als je sei. Ich mag es deiner armen Mutter gönnen, daß sie endlich einige Ruhe hinsichtlich der Dienstboten findet; eben Du wirst nur zu gut wissen, wie wichtig dies für sie ist. Du selbst wirst aber allerlei in diesem Punkte definitiv zu ordnen haben, bevor Du für längere Zeit dich entfernen wirst. Ferner soll ich dir sagen, daß die Zimmer, welche verändert werden sollen, gänzlich ausgeräumt seien. Endlich die Hauptbitte, die freilich überflüssig, ist, daß Du bald zurückkehren möchtest. Ich war gestern zu Mittag im Belvoir; besuche übrigens deine Mutter häufig allein, damit sie mit mir sprechen u. Wünsche, die sie hat, aussprechen kann. Ich hoffe das beste, wenn | erst wieder eine feste Lebensordnung im Belvoir eingeführt sein wird u. sie sich in dieselbe eingewöhnen kann. Deine Braut wird gewiß Alles thun, um deiner Mutter die neuen Verhältnisse zu erleichtern u. angenehm zu machen. Jetzt bewegt sich alles im Belvoir in bester Harmonie u. eine Störung ist für die wenigen Tage nicht zu befürchten. Ich glaube jetzt auch daß ich bei Frau Escher vollkommen re[re?]hibitirt bin: Ihre Freundlichkeit gegen mich hat etwas Rührendes für mich. Was ich für sie thun kann, darauf kannst du zählen!

Gestern war friedensrichterlicher Augenschein gegen Boßhardt. Ich befürchte – u. darin stimmen alle Damen mit mir überein – daß wir wenig werden anfragen können. Boßhardt hat mir «als Ehrenmann» wie er sagte versprochen, daß er um 2–3' nach Süden zurückfahren will u. das Gebäude nun um 4–6' niedriger machen werde; allein schriftlich will er es nicht erklären. Ich würde dir rathen, darauf einzugehen. Jedoch wünscht er deine baldige Erklärung, da er pressirt ist.

Mir persönlich liegt die Fusion gar nicht recht; denn ich befürchte, meine Eisenbahnpraxis dadurch zu verlieren, oder, wenn man mich ferner | gebrauchen kann, Zürich verlassen zu müssen. Gestern habe ich deshalb im Belvoir schon meine mögliche Abreise von hier angekündigt, was man freilich nicht glauben wollte. Aber Scherz bei Seite: ich fühle mich bei der Sache gar nicht recht wohl!

Rothschild pressirt sehr mit dem Parcellen.

Sonst nichts Neues von hier.

Empfehlungen an Herrn P u. Graffenried; So wie besonders an Herrn Kern.

Aufs herzlichste dein

E.

Zürich
den 13. März 1857.