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Korrespondenz: Alfred Escher – Hans Heinrich Abegg
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    1. von Hans Heinrich Abegg, 1. Februar 1857 Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Demissionen, Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Berufsleben AES B1562
    2. von Hans Heinrich Abegg, 3. Februar 1857 Schlagwörter: Compagnie de Lyon–Genève (LG), Eisenbahnen Fusionen, St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn (SGAE), Glattalbahn (Gl-TB), Schweizerische Südostbahn (SOB), Schweizerische Nordostbahn (NOB), Rheinfallbahn (RFB), Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Compagnie des chemins de fer du Midi (CFM), Réunion Financière, Chemin de fer de Lausanne à Fribourg et à la frontière bernoise AES B1563
    3. von Hans Heinrich Abegg, 4. Februar 1857 Schlagwörter: Schweizerische Nordostbahn (NOB), Eisenbahnen Fusionen, Bözbergbahnprojekt, St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn (SGAE), Glattalbahn (Gl-TB), Schweizerische Südostbahn (SOB), Rheinfallbahn (RFB) AES B1564
  • 1860
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  • o. J.

AES B1563 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#82*

Hans Heinrich Abegg an Alfred Escher, Paris, Dienstag, 3. Februar 1857

Schlagwörter: Chemin de fer de Lausanne à Fribourg et à la frontière bernoise, Compagnie de Lyon–Genève (LG), Compagnie des chemins de fer du Midi (CFM), Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Eisenbahnen Fusionen, Glattalbahn (Gl-TB), Rheinfallbahn (RFB), Réunion Financière, Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Schweizerische Nordostbahn (NOB), Schweizerische Südostbahn (SOB), St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn (SGAE)

Briefe

Paris den 3 Febres 1857

Hochgeachteter Herr!

Meine privat Zeilen von vorgestern bestättigend, finde ich mich veranlaßt Ihnen einige Mittheilungen zu machen die für Sie Interesse haben können. –

Ich hatte nehmlich gestern eine zweystündige Unterredung mit Herrn Rivet , Directeur du Chemin Lyon-Genève, den Sie einmal in Bern gesprochen haben & der wie Sie wissen ein großes Gewicht hat, bey allen Fragen welche die Reunion Financière in Eisenbahn Sachen verhandelt, Herr Rivet ist mit Herrn Arlès sehr befreundet & hat den Ruf eines streng rechtlichen geraden Mannes mit dem man offen & frey privatim über alle Angelegenheiten sprechen kann – Es war mir daher sehr erwünscht den Anlaß zu benuzen um seine Auskunft über die jezige Lage der Fusion in der OstSchweiz so wie über seine Ansichten wegen den allfällig ferner aufzunehmenden Unterhandlungen mit andern schweiz. Bahnen, entgegen zu nehmen. – Herr Rivet hat mir Alles mit einer staunenswerthen Offenheit auseinander gesezt, den ganzen Verlauf der Unterhandlungen erzält & dabey am Ende nicht verschwiegen welche Absicht sowohl dem Abschluß mit den Sudost, St Gall Appenz -Bahn, als auch dem Concessions Gesuch der Oron linie zu Grunde lag. – & ich kann Ihnen sagen daß Hr Rivet sich nicht etwa über den réellen & speziellen Wunsch der St Galler-App: & der Sudost Bahn täuscht, Er weiß ganz gut daß das Geschäft als separat Unternehmen zu theuer evaluirt wurde & daß die Nordost Bahn in ganz andern Verhältnissen ist; aber um dem beständigen Wunsche deß Hr Bartholony die sämtlichen Schweiz: Bahnen zu vereinigen entgegenzukommen, wollte man die Gelegenheit benuzen um festen Fuß in einem Theile der Schweiz zu fassen & auf die fernern Unterhandlungen in Fusions Fragen die früher oder späther kommen müssen ein Wort mitzureden & einen gewissen Einfluß zu haben, denn seit der Einigung der Gesellschaft der Chemin du Midi mit | denjenigen von Lyon-Genf muß ihnen Alles daran liegen die directe Verbindung durch die Schweiz mit Oesterreich & Bayern herzustellen & sie schlugen daher auch die Concession Rorschach Lindau für ein Wesentliches, an. – Daß, um diesen Zwek zu erreichen, die Mitwirkung der Nordost Bahn nöthig ist, verkennen sie nicht, & sind auch gerne bereit dieß mit Bezug auf den Werth derselben in befriedigender Weise anzuerkennen, dagegen soll man aber auch nicht vergessen, daß alle schweiz. Bahnen, ohne Ausnahme mehr od: weniger ihre befriedigende Rentabilität nur in einer einheitlichen Leitung, in einem gut ineinander greifenden Verkehr & in Beseitigung aller fernern projecte von Concurrenz Bahnen, zu suchen ist. – & hier haben alle das gleiche Interesse mitzuwirken, ehe auf unnüze Weise eine Maße Geld verschleudert wird.–

Aus diesem Raisonnement werden Sie ersehen daß hier die günstigsten Aussichten zu einer Verständigung vorhanden sind, daß der Moment mit Vortheil für die Nordost Bahn benuzt werden könnte & da wie sich Herr Rivet im Vertrauen ausdrükt, Er die Interessen & allfälligen Hindernisse mit der Gesellschaft Pereire (Central Bahn) von sich aus zu beseitigen engagirt, so liegt also das Zustandekommen einer allgemeinen Fusion einzig & allein in Ihrer Hand, & da man hier nun sehr geneigt ist, der NordostB auf alle mögliche Weise entgegenzukommen, so ersuchte mich Hr Rivet Sie dringend einzuladen wenn immer möglich doch hieher zu kommen, um mit ihm diese wichtige Angelegenheit zu besprechen & Er versichert mich daß wenn Sie sich jezt, im Moment wo alles ruhig ist, & wo andere großartige Verständigungen unter den franz: Gesellschaften im Wurfe sind entschliessen, Sie ganz gewiß sich innert 2 mal 24 Stunden über die Grundlagen einer allgemeinen Fusion sowie über | die Ergänzung & Vervollständigung des EisenBahn Netzes werden verständigen & einigen. –

Er wünscht aber nur mit Ihnen persönlich unter Zuzug von Ihnen beliebigen Personen zu besprechen & zu prüfen denn Er erkennt in Ihnen, ohne zu schmeicheln, den Pivot um den sich die ganze Sache dreht.

Ich gestehe Ihnen aufrichtig daß mir die ganze Conversation mit Herrn Rivet einen sehr günstigen Eindruk gemacht, & daß aus vielen andern Gründen die ich hier nicht alle aufzählen kann, dem Wunsche deß Hr R. gerne entspreche um Sie zu einer Reise nach Paris dringend einzuladen, Sie werden dafür nicht viel Zeit gebrauchen & da Ihr Freund & College Herr Kern gerade anwesend ist so möchte Ihnen der Anlaß um so erwünschter seyn. –

Ich glaube mit Bestimmtheit annehmen zu können daß diese Reise die günstigsten Resultate hätte & Sie unserem schw: Eisenbahnwesen dadurch unberechen bare Vortheile erzielen würden; die Crédit Anstalt würde auch ihre Interessen bey diesen Verhandlungen wahren können & somit auch in dieser Richtung uns einen wesentlichen Dienst leisten, die Sache scheint reif zu seyn & man sollte derley günstige Gelegenheiten benuzen, denn Niemand weiß was alles für Hindernisse die Zeit wieder bringen kann. –

Haben Sie die Güte die Sache ernst zu überlegen & theilen Sie mir gef: Ihre Ansichten darüber mit, wenn ich während meiner Anwesenheit ferner etwas dabey thun kann so können Sie sich auf mich verlassen, ich würde mich befreuen Sie hier zu sehen in welcher Hoffnung mit aller Hochachtung verbleibe

Ihr Ergebener

H Abegg |

P. S.

Eben kommt noch Herr Arlès mich zu ersuchen Morgen mit Herrn Talabot eine Unterredung über diese Eisenbahn Angelegenheiten zu haben, ich werde Ihnen das Ergebniß mittheilen, inzwischen hat Hr Talabot meinem Freunde gesagt daß Er deß Bestimmtesten überzeugt sey, die Sache werde schnell & nach Ihrem Wunsche abgemacht werden wenn Sie sich entschließen auf 1 à 2 Tage hieher zu kommen, also überall die gleichen guten Dispositionen.

Morgen ein Mehreres

A