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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B1553 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Feuerthalen, Dienstag, 13. Januar 1857

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Landesverteidigung und Militär

Briefe

F: G: EHRHARDT
Cantonsfürsprech
ZÜRICH

Mein lieber Freund!

Obschon es mir nicht an Zeit fehlen würde, Dir lange Briefe zu schreiben, so bin ich dies doch nicht im Stande wegen absoluten Stoffmangels. Das Leben im Feldlager ist ein so einförmiges, daß ein Civilist, der in der angenehmen Abwechslung von Vergnügen u. Arbeit mitten in der Welt lebt es sich gar nicht vorstellen kann. Ich bin jetzt sogar der Sorge ledig, meine Uniform ordnungsgemäß herrichten zu lassen; denn unser Chef hat seit Tagen nichts mehr auszusetzen gefunden. Arbeiten kann man auch nicht, so muß ich mich denn auf ein dolce far niente beschränken u. – studire das Dienstreglement. Das Offiziercorps des Divisionsstabes besteht glücklicherweise aus sehr umgänglichen Leuten, Wolf u. Rothpletz sind alte Bekannte von mir u. Herzog u. Trümpi von Glarus vortreffliche Leute. Mit unserm Stabschef Bachofen ist nicht viel Umgang zu pflegen. Seine Blutdünstigkeit steht im richtigen Verhältniß mit seiner Beschränktheit. Ich kann nicht begreifen, warum der Mann nicht bei der Division Zimmerli ist! |

Wir Alle sind auf morgen gespannt u. nicht allein ich, sondern alle – wieder mit Ausnahme von Oberstlieutnant Bachofen, der durchaus Blut vergießen will – wünschen bald nach Hause zu kommen. Leider befürchten wir, noch einige Wochen bleiben zu müssen.

Grüsse Hermann, Blumer u. andre Bekannte.

Dein herzlich ergebener

Er

Feuerthalen 13 / 1. 57.