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Korrespondenz: Alfred Escher – August von Gonzenbach

AES B1549 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#227*

August von Gonzenbach an Alfred Escher, Bern, Samstag, 3. Januar 1857

Schlagwörter: Bundesrat, Diplomatische Aktivitäten, Gesandtschaften und Delegationen (diverse), Konflikte mit Drittstaaten, Landesverteidigung und Militär, Neuenburger Frage (1848–1857), Personelle Angelegenheiten

Briefe

Bern den 3t Jan. 1857.

Hoch geachteter Herr!

Erlauben Sie daß ich Sie von den neuesten Schritten in Betreff der Neuenburger-Angelegenheit unterrichtet erhalte. Dusch hat eine Depeche seiner Regierung erhalten aus welcher sich ergiebt – daß man sich in Berlin wird billig finden laßen – wenn einmal die Gefangenen befreit sein werden. Man meldet ihm wieder dieselbe Phrase «die bisher bewiesene Mäßigung – ist die Bürgschaft für die Zukunft.» –

Eine zweite Depeche giebt Nachricht vom Eintreffen des Herrn Dr Furrer, den man freundlich aufnahm ohne ihm irgend welche Zusicherung zu geben – so daß die Bemerkung Furrers, «er habe viel Wohlwollen aber wenig Neutralität gefunden» so unpaßend nicht ist. Der rußische Gesandte hat diejenige Mittheilung des Herrn v Oubril abschriftlich mitgetheilt – die er früher H. St vorgelesen – ohne daß davon in der Botschaft Erwähnung geschieht – und aus welcher sich ebenfalls ergiebt daß Preußen mäßige Bedingungen für die gänzliche Cession stellen werde wenn vor dem 2t 7er der Prozeß niedergeschlagen sein werde. – |

Der östereichische Gesandte hat am 31t Dec Abends noch um Ertheilung eines Verzugs telegraphirt. Von Paris wißen wir – der Herr Dufour und ich – noch nichts. Vielleicht erhalten Sie directe Berichte von unserer großen kernigen Friedensschwalbe!! Indeßen bringt man die Nation in Allarm – durch neue TruppenAufstellungen – die wie mir Herr Frey-Herosee sagte geschehen «um auch das welsche (Tessiner)- Element in der Armee zu repräsentiren» – sowie durch fortgesetzte Arbeiten des Genies – welche bei Basel und Schaffhausen – den Promenaden hart zusetzen – sowie endlich durch die officielle Anzeige an die Gefangenen daß der Prozeß am 16 Jan beginnen müße – daher sie sich mit ihren Vertheidigern verständigen mögen. – In den letzten Tagen noch hat Herr St an den sardinischen Geschäftsträger die Anfrage gestellt –: «ob dem Durchmarsch unseres neapolitanischen Regimentes nichts im Wege stehe?» – ebenfalls ist gefragt worden ob von dorther Pulver zu beziehen wäre. –

Von dem Tact des Bundes Rathes bei Auswahl seiner diplomatischen Agenten wird Sie – die Inlage überzeugen!! Hätte ich die Sache nicht mit eigenen Augen gelesen – ich könnte es kaum glauben – daß man einem deutschen Profeßor zumuthet gegen das Land zu interveniren das ihm Brod giebt. – Was würde der BundesRath | sagen – wenn Preußen den Herrn Pfotenhauer mit einer ähnlichen Mission betraute?!!

Mit der Bitte mir die Inlage – nachdem Sie dieselbe gelesen wieder zurükzusenden

Ihr. ganz ergebener

Dr Gonzenbach.

PS. Die besten Wünsche für Sie und die Ihrigen bei Anlaß des Jahreswechsels verstehen sich von selbst. –