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Korrespondenz: Alfred Escher – Dominik Steinauer

AES B1545 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#471*

Dominik Steinauer an Alfred Escher, s.l., Montag, 29. Dezember 1856

Schlagwörter: Diplomatische Aktivitäten, Konflikte mit Drittstaaten, Landesverteidigung und Militär, Neuenburger Frage (1848–1857), Rechtliches

Briefe

Arrangement nach meinem goût.

Der König von Preußen, in Anbetracht des Umstandes, daß ihm die süddeutschen Staaten, welche die Schweiz begrenzen, den Durchmarsch mit einer Armee zur Wiedererlangung seiner Rechte über Neuenburg nicht gestatten können, ohne die merkantilischen & kanonischen Intereßen ihrer Unterthanen zu verletzen – verzichtet auf alle & jede Rechte über Neuenburg & anerkennt deßen ganze & unbedingte Unabhängigkeit.

Die schweizerische Eidgenoßenschaft hinwiederum, deren Recht, die auf ihrem Gebiet begangenen Verbrechen strafrichterlich zu verfolgen, anerkannt wird, gibt im Intereße des allgemeinen Friedens die gefangenen Rojalisten unbedingt & ohne Urtheil frei. –

Kommentar.

1 Würde meines Erachtens [e?] derartige Verzichtleistung für die Ehre Preußens am wenigsten empfindlich sein, weil die Konzeßion nicht an starrköpfigen Schweizern, sondern den lieben Vettern in Süddeutschland gemacht würde. |

2. Würden wir Schweizer dem König von Preussen auch keine Konzeßion machen, sondern dem lieben Frieden im Allgemeinen.

3. Würden es die Mächte, welchen die Erhaltung des Friedens je länger je mehr am Herzen liegen muß, die lieben Nachbarn am Bodensee wohl zu bestimmen vermögen, den Preußen den Durchmarsch zu verweigern, um so eher, da ein solcher denselben in jeder Beziehung verteufelt ungelegen kommen muß. –

Meine besten Wünsche zu Deinem Standeswechsel. ferm u vorwärts.

Dein

Steinauer

Gegeben am Hofe zu Meinradszell d. 29 Dec. 1856.

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