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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Rüttimann

AES B1503 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#422*

In: Jung, Aufbruch, S. 767–770 (auszugsweise), 789–790 (auszugsweise)

Johann Jakob Rüttimann an Alfred Escher, Zürich, Freitag, 18. Juli 1856

Schlagwörter: Bankinstitute, Bankwesen (allgemein), Kuraufenthalte, Personelle Angelegenheiten, Presse (allgemein), Schweizerische Kreditanstalt (SKA), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Zürich 18 Julii 1856

Lieber Freund.

Es scheint wirklich, daß die fraglichen Artikel von Ed. Sulzer herrühren. Sie haben schwerlich irgend welchen Eindruck hervor gebracht & ein praktisches Interesse hat deren Beantwortung zur Zeit nicht. Wenn Du aber gleichwohl einen Werth darauf legst, daß eine Erwiederung erfolge, so ist es gewiß am Besten, wenn sie in Bern unter Deiner Leitung von Häberlin, Huber etc geschrieben wird.

Die Bürkli-Zeitung hat diesen Morgen einen möglichst gehässigen Artikel gegen die Kreditanstalt gebracht: «Die Anstalt werde dem Lande schaden, das Kapital an sich ziehen, dadurch den Zinsfuß in die Höhe schrauben u. s. f. Der Verwaltungsrath & die Gründer machen einen enormen Gewinn; die Herren haben zum Voraus die Gesetzgebung so eingerichtet, daß sie ihnen bequem sei, daß zB. die Schuldbriefe leicht gekündigt werden können; D. Keller habe geschickte Nachahmer gefunden». Es schien mir nöthig, hier nicht zu schweigen; ich habe also diesen Morgen noch eine Antwort an Felber | geschickt & hoffe, daß sie morgens oder spätestens übermorgens erscheinen wird.

Einen Vice-Director zu bekommen, ist nicht so leicht. Ein solcher Mann wird ohne Zweifel auch in Verhältnissen stehen, die er nicht von einem Tage auf den andern lösen kann. (H. Laroche hat keinen Vorschlag machen können) Bis die Lücke ausgefüllt ist, darf doch keine Anarchie bestehen & eine solche befürchte ich, wenn nicht ein Interimsdirector ernannt wird. H. Abegg würde sich vortrefflich eignen, aber fataler Weise will auch er im August fortgehen, in welchem Falle wir in Verlegenheit kommen könnten.

Es wird ganz unsinnig gezeichnet; es ist leicht möglich, daß die Gesammt-Summe auf 120 Millionen ansteigen wird. Ich weiß nicht, wie man sich bei der Reduction wird helfen können. Sobald über 6000 Anmeldungen vorliegen, kann man nicht einmahl jedem Eine Aktie geben. Viele Zeichner werden jedenfalls sich enttäuscht sehen. Die Herren auf dem Bureau gehen fast zu Grunde vor Hitze etc. | So viel versteht sich, daß wir bei der Reduction bloß die Zahl der Anmeldungen & der angemeldeten Aktien, nicht aber die Personen ins Auge fassen dürfen. Wir müssen ein Princip aufstellen, welches Jedem Subscribenten möglich macht, selbst aus zu rechnen, was er bekomme. In Leipzig glauben sie, unsere Aktien werden e. hohen Kurs bekommen (die 50 an D. Weißbrodt wollen sie nicht her geben!) Auch hier glauben Viele an 10% & mehr Agio. In diesem Fall, wüßte ich nicht, wie ich der Gesellschaft für meinen Antheil an den Gründungs-Aktien durch meine Arbeit eine genügende Gegenleistung gewähren könnte, auch wenn während ein Paar Jahren von einer Tantième keine Rede wäre. Dieß beunruhigt mich aber noch nicht. Es giebt eine so enorme Masse solcher Papiere, daß ich mir einen hohen Kurs kaum dauernd denken kann. Banque général Suisse steht pari!

Die guten Aussichten der Nordostbahn freuen mich sehr. – Noch einmahl: Laß Dir doch in Bern nicht zu viel aufladen! Eine Kur in Baden-Baden wäre herrlich. Ich fürchte nur, die Kreditanstalt steht uns im Wege. Wenn wir nur wenigstens die halbe Zeit gemeinsam dort sein könnten.

Wie lange wird es in Bern gehen?

Von Herzen Dein

J R

Z. 18. Julii 56

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