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Korrespondenz: Alfred Escher – Eduard Häberlin

AES B1481 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#591*

Eduard Häberlin an Alfred Escher, s.l., Montag, 24. März 1856

Schlagwörter: Bildungswesen, Krankheiten, Liberale Presse, Religion, Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Mein lieber Freund!

Es wird mir nachgerade recht Heimwehlegig zu Muthe, Dich nicht zu sehen &. Nichts von Dir zu hören. Nach Friedrichshafen &. nun auch nach St. Gallen bist Du auch nicht gereist. Wo hast Du Dein Paradepferd hingethan &. willst Du Deinen Namen nicht in der Zeitung lesen? Großmüthig ließest Du allen Glanz dem thurg. Repräsentanten, den es gewiß viele Ueberwindung kostet, sich den [...n?] &. anstren genden Geschäften so häufig entziehen zu müßen! Er hat auf der hiesigen Station allen Leuten, die er sah, (wahrhaftig, ohne Ausnahme &. im vollen Ernste gesprochen) bemerkbar gemacht, wie er so sehr von Scipionen in Anspruch genommen werde. Also darf ich es Dir auch melden, doch nur Dir &. im Vertrauen. Hoffentlich wird Dich das nicht hindern, ihn gleichwol ferner für das zu verwenden, wofür er relativ am besten taugt.

Je länger ich im Erz.Rathe sitze, desto größern Respekt bekomme ich über s. Arbeits Energie &. reellen Leistungen. Ich habe neulich in der N.Z.Z. eine Andeutung gemacht, wenn Du die Korrespondenz gelesen hast. Du hast es mir sicher aufs Wort geglaubt. Ich wollte, ich wäre nicht in den Fall gekommen, näher mit sr |

Geschäftsführung vertraut zu werden. Ich hätte mich eher Illusionen hingeben können, die mir eine respektsvolle Haltung möglich gemacht hätten. Wahrhaftig, im vollen Ernste, ich wünschte das. Denn diese Erfahrung &. ihre Rückwirckung verschaffen mir nur Feindschaft, da ich nicht heucheln &. schmeicheln kann.

Was sagst Du zu unserer parität. Schule, als gewesener Erziehungs Direktor? Wir glauben, daß der confeßionelle Religionsunterricht nicht in die Primarschule gehöre, &. daß es im Sinne staatl. Selbstbestimmung, sowie zur Beförderung wahrer Toleranz geschehe, wenn die Schule nicht eine confeßionelle Anstalt, sondern eine Volksschule im weitest. S. d W. sei. Gerne will ich darüber deine offene Meinung vernehmen, auch, wenn sie mit der meinigen in Widerspruch stünde.

Im Uebrigen, wie geht es Dir, mein Lieber? Ich war leider wieder ca 14 Tage unwohl &. mehrere davon im Bette. Sonst hätte ich Dich längst eingeladen.

Ich nehme aber an, daß Du kömmst, sobald Du kannst. Du weißt ja, daß Du uns keine größere Freude bereiten kannst. Wann ungefähr darf ich Dich erwarten, um mich in den Geschäften einzurichten? Und wann wird der Verwaltungsrath nach Z. berufen werden?|

Wenn Du Zeit &. Neigung hast, antworte mir in 2 Worten. Jede Zeile ist mir willkommen. Neues weiß ich nicht zu melden.

Grüße mir Deine werthe Mamma &.Schwester herzlich und sei (wie auch Dubs , Rüttimann , Zwiky , Ehrhardt ) mit Freundes Treue umarmt
von Deinem

E. H.
B

d. 24. März 1856.

In`s Feuer mit dem Wisch, sobald Du ihn gelesen hast!

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