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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Stehlin

AES B1401 | StABS PA 513a I B 3,1

Alfred Escher an Johann Jakob Stehlin, Belvoir (Enge, Zürich), Montag, 26. Februar 1855

Schlagwörter: Bankinstitute, Bözbergbahnprojekt, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Freundschaften, Krankheiten, Regierungsrat BS, Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

Mein hochverehrter & lieber Freund!

Der Überbringer dieser Zeilen ist Herr Gustav Schultheß-Rechberg, der achtungswerthe Chef des Ihnen bekannten Banquierhauses Caspar Schultheß & Cie, welcher in Begleitung seines Secretärs, Hrn. Heinrich Schultheß, nach Basel kömmt, um von der dortigen h. Regierung die Conzession für die Erbauung einer Bötzbergeisenbahn zu erwirken. Ich erlaube mir, Ihnen Herr Schultheß-Rechberg zu gefälliger Handbietung bei seinem Vorhaben zu empfehlen, & glaube dieß um so unbedenklicher thun zu dürfen, da ich weiß, daß Sie für die Ausführung der fraglichen Eisenbahn günstig gestimmt sind.

Am 21. Dez. v. J. nahm ich von Ihnen in Bern Abschied & seit dem 23. Dez. liege ich krank darnieder. Schon auf der Rückreise nach Zürich wurde ich von einem rheumatischen Fieber befallen. Am 23sten mußte ich noch einer anstrengenden Sitzung der|

Eisenbahndirection beiwohnen. Unmittelbar nachher mußte ich zu Bette. Die Krankheit nahm dann einen gichtischen Character an. Nach 3 Wochen war ich so weit hergestellt, um wieder ausfahren zu können. Dann wurde ich von einem Rückfalle heimgesucht, der, wie gewöhnlich, heftiger war, als der erste Anfall. Von diesem Rückfall bin ich noch nicht ganz geheilt. Meine linke Hand ist immer noch gichtisch affizirt & muß darum in einer Schlinge getragen werden. Unter diesen Umständen habe ich natürlich fortwährend das Haus zu hüten, so daß nun über 9 Wochen verstrichen sind, seit ich das letzte Mal in der Stadt Zürich war. Sie können denken, wie mich dieß hemmt in allen meinen Thätigkeitskreisen. – Ich habe Sie, wie ich eben bemerke, auch gar so lange mit der Beschreibung meiner Übel aufgehalten. Kennte ich das freunschaftliche Interesse nicht, das Sie fortwährend an mir nehmen: ich würde es nicht gethan haben. |

Ich hoffe Ihnen bald heiterere Mittheilungen machen zu können & ersuche Sie mittlerweile meine herzlichen Grüße & die erneuerte Versicherung freundschaftlicher Hochachtung entgegennehmen zu wollen von

Ihrem ergebensten

Dr A Escher

Belvoir
26. Febrr 1855

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