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Korrespondenz: Alfred Escher – Franz Hagenbuch

AES B1400 | ZBZ FA Escher vG 207.103

Alfred Escher an Franz Hagenbuch, Belvoir (Enge, Zürich), Mittwoch, 21. Februar 1855

Schlagwörter: Brückenbau, Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Finanzierung, Expropriationen, Kommissionen (kantonale), Regierungsrat ZH, Rheinfallbahn (RFB), Schweizerische Nordostbahn (NOB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeachteter Herr College!

Die Angelegenheit, über die Sie mir zu schreiben die Ehre erwiesen, verhält sich folgender Maßen: Seiner Zeit bei Genehmigung des Tracé's WinterthurMarthalen bemerkte ich in der Eisenbahncommission des Regierungsrathes, es scheine mir die Station Andelfingen sehr unbequem für diese wichtige Ortschaft projectirt. Es wurde mir hierauf erwiedert, Andelfingen habe selbst gegen das Project nichts einzuwenden. Ich wollte nicht päpstlicher sein als der Papst & machte keine weitere Opposition. Das Tracé WinterthurMarthalen mit der projectirten Station Andelfingen wurde vom Regierungsrath genehmigt. Nun hinterher regt sich Andelfingen, das sich früher, wie es scheint, in Folge unwahrer Angaben des Sectionsingenieurs der Rheinfallbahn hatte beschwichtigen lassen. Es zeigt sich jetzt, daß sich eine ganz bequeme Station Andelfingen mit einem| Mehraufwande von bloß 14,000 Fr. nebst Expropriation von Ca 2½ Juchart Landes erstellen ließe. Wäre dieß dem Regierungsrathe zur Zeit, als er betreffend die Genehmigung des Tracé's einen Beschluß faßte, bekannt gewesen; ich zweifle keinen Augenblick, der RR. hätte einfach die Erstellung einer solchen Station verlangt. Denn bei der Wichtigkeit Andelfingens sind die erwähnten Mehrkosten eine Bagatelle! – Wie die Sachen nun liegen, sollte die Ausfertigung des Beschlusses wegen des Tracé's MarthalenRheinübergang sistirt werden. Dann könnte ein Schreiben an die Direction der Rheinfallbahn erlassen & derselben der Wunsch Andelfingens wegen der Stationsveränderung zu billiger Berücksichtigung emphoh len werden. Unter dieser billigen Berücksichtigung verstehe ich, daß die Direction wenigstens einen Theil der Mehrkosten, Andelfingen (unter den gegenwärtigen| Verhältnissen) den andern Theil übernähme. Ich denke, die Direction der Rheinfallbahn werde, so lange sie den Beschluß betreffend die Genehmigung des Trace's MarthalenRheinübergang, an welchem ihr wegen der Priorität ihrer Rheinbrücke gegenüber der Waldshuter rhein brücke (bez.weise der Schaffhauserschen Intressen gegenüber den Zürcherschen) sehr viel liegt, nicht in Handen hat, noch traitabler & billiger sein. – Wollen Sie die Angelegenheit der Eisenbahncommission überweisen & gef. dafür sorgen, daß Herr RR. Müller mit mir sachbezügliche Rücksprache nimmt, so kann ich mich ganz einverstanden erklären.

In Beilage das Schreiben von Andelfingen & ein zweites, das mir bei derselben Gelegenheit übergeben wurde. Ich wollte die beiden Zuschriften Ihnen heute schicken, gestern habe ich es leider übersehen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr ergebener

Dr A Escher

Belvoir
21. II. 55.