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Korrespondenz: Alfred Escher – Gustav Anton von Schulthess-Rechberg

AES B1383 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#443*

Gustav Anton von Schulthess-Rechberg an Alfred Escher, Zürich, Montag, 11. Dezember 1854

Schlagwörter: Bözbergbahnprojekt, Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Verträge, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

HHerrn Doctor Alfred Escher
[Schag..?] 1

Hochgeachteter Herr Regierungspräsident.

Sie erhalten endlich hier in Kürze Rapport über den Stand der Bözbergangelegenheit.

Ich schreibe heute auch an H. Schwarz; indem ich Sie also bitte, sich meinen Brief an diesen Freund mittheilen zu lassen füge ich kurz bei, daß ich in der Unterschrift von Arlès einen sehr bedeutenden, beruhigenden und sichernden Fortschritt erblicke, welcher mir eine mächtige Garantie für das Zustandekommen der Sache gewährt. Seit Ankunft des Berichtes über diesen mir in seiner Redaction noch unbekannten Tractates habe ich die Nachricht von dem Zustandekommen des Badischen Anleihens benützt, um aufs Heftigste in Paris vorwärts zu drängen und ihnen im Hinblick auf das Zustandekommen von Waldshut die Thorheit längern Zauderns zu Gemüthe zu führen. Schon mit einer frühern | Schreiben hatte ich kurz das Zustandekommen jenes Anleihens angedeutet; als Antwort erhielt ich Zweifel über die Richtigkeit meiner Nachricht – also mit andern Worten Zeichen von Furcht davor; und dann sagte man mir, unumgänglich nöthig sei vor einem officiellen Vorgehn der Abschluß eines eventuellen Vertrages mit der Nordostbahn, indem man bei aller Geneigtheit die man von Seiten dieser Gesellschaft in Folge meiner Berichte zu einem freundschaftlichen Entgegenkommen erwarte, sich doch höchst unbestimmten Eventualitäten nicht aussetzen könne.

Diesen letztern Punkt empfehle ich Ihrer Beachtung. Mit demselben werden wir das Ganze in die rechte Bahn bringen, mit Bezug auf den Zeitpunkt des definitiven Vorgehns wird damit sehr viel zu erzielen sein; Waldshut ist hier der Hals auf immer zu brechen, der Übergang bei Rheinfelden vorzubereiten, wenn er NB ! nur noch erhältlich ist! –

Ich konnte trotz aller Anstrengung es | gegenüber der jetzigen Lage und Stimmung in Paris unmöglich dazu bringen vor die jetzige Bundesversammlung zu treten; es ist dieß fatal, aber kein Unglück. Mit Sehnsucht erwarte ich Freund Schulthess und denke, nachdem ich mit ihm Alles durchberathen und die Position von unserm hiesigen Standpunkte aus beleuchtet haben auch gesehn haben werde was jetzt zu thun sei, ihn Ihnen nach Bern zu senden.

Machen Sie dann ein kleines Comite: Schwarz, Planta & Hüni Stettler mit der Sachlage gef: bekannt und lassen Sie mich durch Schulthess Ihre Meinung wissen. Gefällt Ihnen dieser Vorschlag nicht, so lassen wir die Conferenz bis zu Ihrer Rückkehr anstehn.

Nochmals auf Arlès Dufour zurückkommend ist mir sein Eintreten in die Sache auch deshalb vom höchsten Werth, weil er, wollten die andern Beiden auch abspringen, sich als hier wohlbekannt nicht der Blamage aussetzen kann zurückgegangen zu sein, folglich | sein Name als Garantie für Anknüpfung neuer Verbindungen mir im schlimmsten Falle als sehr gewichtig vorkömmt. –

Mit unserer wichtigen Angelegenheit steht es also relativ noch immer so, daß wir mit aller Zuversicht auf Erfolg hoffen dürfen. Nächstens sollen Sie mehr und Genaues erfahren.

Mit vollkommener Hochschätzung

Ihr
ergebenster

v Schulthess Rechberg

Zürich 11 Dezember 1854

Kommentareinträge

Auf der ersten Briefseite oben ist ein Stierwappen mit Helmzier abgebildet.

1Adresse unten links auf Seite 1.