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Korrespondenz: Alfred Escher – Franz Hagenbuch

AES B1380 | ZBZ FA Escher vG 207.103

In: Gagliardi, Escher, S. 258 (auszugsweise)

Alfred Escher an Franz Hagenbuch, Bern, Dienstag, 5. Dezember 1854

Schlagwörter: Eisenbahnen Bau und Technik, Regierungsrat ZH, Rheinfallbahn (RFB), Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

SCHWEIZERISCHE
BUNDESCANZLEI

Mein lieber Freund!

Schönen Dank für Deinen Brief von gestern.

Beiliegend übermittle ich dir die Protokollerklärung. Sie ist fast genau so wie ich sie schon am Samstage mit H. Regierungspräsidenten Zehnder vereinbart. Da ich indessen noch einige kleinere Modificationen vorgenommen habe, so bitte ich, sie noch Hrn. Zehnder vor Aufnahme ins Protokoll in meinem Auftrage & mit meinen Empfehlungen mitzutheilen. – Erwünscht wird es mir sein, wenn Du mir eine Abschrift des Schreibens übersendest, das in dieser Angelegenheit an die Direction der Nordostbahn abgehen wird.|

Die Zustellung der Zuschrift der Rheinfallbahn an Herrn RR. Müller ist ganz in der Ordnung. Wenn Herr Müller es nothwendig findet in Sachen an mich zu schreiben, so wird er es wohl thun.

Das Zerwürfniß, dessen Du in Deinem Briefe gedenkst, überraschte mich wie ein Blitz aus hellem Himmel. Obgleich S. in der Bahnhoffrage, die mich so sehr ergriffen hatte, gegen mich gestimmt hat & ich also vielleicht Anlaß gehabt hätte, ungehalten über ihn zu sein, kam ich doch am letzten Donnerstage ohne irgend ein feindseliges Gefühl in die Sitzung des Regierungsrathes. Was dann vorgefallen ist, hast Du mit eigenen Ohren gehört, Du kannst also urtheilen. Übrigens scheint es sich nicht bloß um meine Person zu handeln. Du weißt, daß seit einiger Zeit ein unanmuthiger Ton auch | gegen andere Mitglieder des Regierungsrathes in Anwendung gebracht worden ist & daß noch am gleichen Donnerstage auch Dubs wahren Grobheiten von derselben Seite ausgesetzt war.

Ich denke, es ist am besten, wenn vor der Hand etwas Zeit zum Nachdenken gelassen wird & wenn Du daher vorläufig die Sache auf sich beruhen lässest. Übrigens verdanke ich dir Deine Freundschaft & Treue, die Du auch bei diesem Anlasse in einer mir übrigens nicht unerwarteten Weise an den Tag gelegt hast.

Lebe wohl, mein Lieber! Melde mir von Zeit zu Zeit was vorgeht. Du weißt schon, was mich interessirt.

Mit herzlichem Gruße

Dein

A Escher

Bern
5 Dezber 1854.

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