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Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Blumer

AES B1356 | FA Tschudi

Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, Glarus, Dienstag, 19. September 1854

Schlagwörter: Familiäres und Persönliches, Freundschaften, Universitäre Studien, Universität Zürich

Briefe

Glarus den 19. September 1854.

Mein theurer Freund!

Empfange meinen besten Dank für Deine gütige Anzeige, daß mich Eure Juristenfakultät zum Doktor der Rechte ernannt habe. Die Nachricht hat mich nur um so mehr gefreut, je weniger ich sie erwartete u. je weniger ich selbst mir Mühe gegeben hatte, um diesen Grad zu erwerben! Dagegen darf ich wohl mit Sicherheit annehmen, daß ich die mir gewordene Auszeichnung hauptsächlich Deiner gewichtigen Fürsprache zu verdanken habe; Du hast damit die vielen Freundschaftsdienste, die Du mir bereits geleistet, um einen sehr anerkennenswerthen vermehrt u. neuen Anspruch auf meine Dankbarkeit erworben. Je früher ich es anschlage, Doctor honorarius geworden zu seyn, desto weniger kann ich eigentlich finden, durch meine wissenschaftlichen Leistungen diese Ehre verdient zu haben. Jedenfalls aber soll sie mir ein Sporn seyn, die Wissenschaft auch fernerhin zu kultiviren, mich unablässig in derselben fortzubilden u. insbesondere wieder ernstlicher Hand anzulegen an die Fortsetzung u. Vollendung meiner Staats- u. Rechtsgeschichte. Hiezu ist freilich nöthig, daß ich keine neue praktische Geschäfte mehr annehme, sondern von denen, die ich bereits habe, so viel als möglich abzuladen suche. Mit dem Erstern habe ich bereits angefangen, u. das letztere wird sich hoffentlich auch geben.

In sehr freundschaftlicher Weise drückst Du den Wunsch aus, daß ich nach Zürich übersiedeln möchte. Glaube mir, daß auch ich mich gar wohl mit diesem Gedanken befreunden könnte, da die jugendliche Begeisterung für's «engere» Vaterland bereits etwas abgekühlt ist u. mir Zürich allerdings Vieles bieten würde, was ich hier oft schmerzlich vermisse; allein Familienrücksichten, Pflichten der Pietät lassen mich einstweilen nicht an die Verwirklichung unsers beidseitigen Wunsches denken. Vielleicht läßt sich die Sache in spätrer Zeit einmal ausführen!

Empfange nebst Deiner verehrten Mutter meine u. meiner l. Frau herzlichste Grüße.

Dein treuer

J J Blumer.

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