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Korrespondenz: Alfred Escher – Franz Hagenbuch

AES B1313 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#244*

Franz Hagenbuch an Alfred Escher, Zürich, Dienstag, 11. April 1854

Schlagwörter: Bildungswesen, Eidgenössisches Polytechnikum, Glattalbahn (Gl-TB), Grosser Stadtrat Zürich, Nationalrat, Regierungsrat ZH, Ständerat, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Zürich den 11. April 1854.

Mein Freund!

Da die Abstimmung in der Stadt wegen des Polytechnikums gestern erst nach Postabgang erfolgte, so konnte ich Dir nicht mehr berichten. Heute werden nun wohl die Zeitungen Alles bringen. Mit 496 gegen 307 Stimmen wurde der Antrag des Größern Stadtrathes angenommen; dieser ist folgenden Inhaltes:
1. D. Stadt gibt Frkn. 12,000. 2. Diese Zahlung soll mit den Frk. 20,000 für d. Kant.lehranstalten verbunden & beide Zahlungen [sammdhaft?] durch Gemeindsteuern auf Bürger & Niedergelassene verlegt werden.
3. Die im J. 1836 aufgestellten Bedingungen bleiben fortbestehen. 4. An den Beitrag von Frk. 16,000 wird d. Bedingung geknüpft, daß die Anstalt errichtet werde, wie es das Bundesgesetz feststellt, & daß sie im gleichen Bestand erhalten bleibe (Die Verbalien habe ich nicht vor mir).

In der Gemeinde, welche Morgens nur unter den Bürgern abgehalten wurde, stimmten 143 gegen 18 für d. Anträge des grö| ßern Stadtrathes. Diese gingen dahin, daß man d. Sammlungen zur Benutzung überlasse, &s. f. (wie es d. Bundesgesetz verlangt), & daß 10 Jahre lang jährlich Frk. 4000 aus dem Separatfonds an Steuern für d. Kant.lehranstalt & an d. Polytechnikum abgegeben werden. In dieser (engern) Bürgergemeinde machten einzig Oberst Nüscheler & Meier-Ott aus finanziellen Gründen Opposition; gegen die Wünschbarkeit der Anstalt sprach einzig ein verrückter Neutäufer; wenn ich ihn recht verstanden habe, weil in der Anstalt auch auf Kriegswissenschaften Rücksicht genommen wird.

Nachmittag, in der Einwohnergemeinde, führte Treichler in Folge der Vorversammlung im Schützenhaus, die Opposition. Er stellte sich natürlich hauptsächlich auf den formellen Standpunkt, indem er gegen d. Verschmelzung der Steuer mit derjenigen für d. Kantonallehranstalten stritt. Er bestritt d. Rechtspflicht der Niedergelassenen, an irgend eine dieser beiden Steuern beizutragen, erklärte aber, daß er nicht nur für d. Frk. 12,000 sein werde, sondern für d. Frk. 16,000 stimmen könnte. Ihm traten Gysi, Erzieher Wild, Stadtpräs. Heß, Ott & Fürspr. Meier entgegen. Gysi & nach ihm Heß nahmen den merkwürdigen Standpunkt ein, zu erklären, man könne d. Niedergelassenen allerdings zur Beisteuer nicht zwingen, sie mögen entscheiden, was mehr in ihrem Vortheil liege, den Antrag ganz anzunehmen oder ganz| zu verwerfen (Treichler wollte näml. d. 12,000 geben, den 2. Artikel, Verschmelzung, verwerfen), im Effekt werde es auf das Gleiche insofern hinauskommen, als d. Frk. 20,000 [a. W. ?] doch werden von den Niedergelassenen mitgetragen werden müssen.

D. Verhandlungen waren zwar sehr lebendig, es kam sogar zu Ordnungsrufen (als Treichler auf Wild replizirte), aber die Regierung blieb ganz aus dem Spiel. Den National- & Ständeräthen machte Heß einige Komplimente, indem er Treichler darauf aufmerksam machte, unter den Motiven, die ihn (Heß) dazu bestimmt haben, für d. Frk. 12,000 zu wirken, sei hauptsächlich auch das, daß er den Mitgliedern der eidg. Räthe, die sich für d. pol. Schule verwendet & bemüht haben, damit zugleich ein Zeichen des Dankes geben wolle.

Treichler wird rekurriren, was meiner Ansicht nach nichts zu bedeuten hat, weil ich glaube, d. Reg.Rath werde die gleichen Grundsätze anwenden, wie bei der Entscheidung betr: d. Betheiligung an der Glatthalbahn; wie aber Gysi den Rekurs beantworten wird, bin ich sehr begierig.

Über d. Festhalten an den Bedingungen des Beschlusses vom J. 1836 sprach sich Mousson als Referent des Stadtrathes dahin aus, er habe keineswegs die Meinung, daß nicht etwa einzelne Fächer oder Klassen an den Kanto| nallehranstalten aufgehoben werden können, sobald nur der Gewinn, den d. Staat damit mache, wieder für d. Kant.lehr-Anstalten verwendet werde.

Mit freundschaftlichem Gruße

Dein

Hagenbuch.

(bitte um Entschuldigung).

Von Herrn Zehnder sind mir bis heute Abend erst die mitfolgenden Erklärungen von Gemeinden zugekommen.