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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B1298 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Zürich, Donnerstag, 19. Januar 1854

Schlagwörter: Eidgenössische Universität (Projekt), Nationalrat, Personelle Angelegenheiten, Ständerat, Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

F: G: EHRHARDT
Cantonsfürsprech
ZÜRICH

Mein bester Freund!

So eben erfuhr ich das glänzende – denn so darf man eine so bedeutende Majorität wohl nennen – Resultat in der Universitätsfrage; das wir hauptsächlich, vielleicht sogar ausschließlich, Deinen unausgesetzten Bemühungen seit einigen Jahren in dieser Angelegenheit verdanken. Zu den vielen Ansprüchen, die Du schon an die Dankbarkeit u. Anerkennung hast, ist jetzt einer neuer hinzugefügt wurde, den ich wohl den ersten nennen möchte u. hoffentlich wird besonders unser Canton u. in Deiner Vaterstadt jede Parthei Dir zeigen, daß sie es empfinden, was sie Dir schulden. Hätte Dein guter Vater diesen Augenblick doch noch erleben dürfen! Ich weiß es, daß der heutige Tag einer der glücklichsten seines Lebens gewesen wäre.

Hoffentlich wird der Ständerath Angesichts einer so bedeutenden Majorität, die ich mir zur Stunde selbst noch nicht erklären kann, hinter Euch nicht zurückbleiben wollen u. ohne viel Federlesens dem guten Beispiele folgen. Ich nehme die Sache jetzt| als entschieden an. Aber wie soll es denn mit Dir werden? Die beide Gesetzesentwürfe schreiben vor, daß der Präsident des Universitätsrathes keine andre Stelle bekleiden darf u. doch kann ich u. wohl alle, die sich für die umsichtige Leitung der zukünftigen Universität interessiren, mir keinen andern Mann für diese Stelle denken, als Dich. Oder solltest Du eine andre Persönlichkeit im Auge haben? Ich wüßte freilich niemand, der Dich ersetzen würde.

Adieu, mein bester Escher! Arbeite jetzt nicht zu viel u. gönne Dir den Rest der Bundesversammlung hindurch einige Erholung.

Herzlichst Dein

Er

Zürich
den 19. I. 1854.

Grüße an alle Freunde u. Bekannte.

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