Navigation

Korrespondenz: Alfred Escher – Johann Jakob Stehlin

AES B1271 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#469*

Johann Jakob Stehlin an Alfred Escher, Basel, Freitag, 4. November 1853

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Finanzierung, Grosser Rat BS, Regierungsrat SG, Regierungsrat TG, Vereinigte Bundesversammlung

Briefe

Basel den 4t November 1853.

Hochgeachteter Herr und Freund!

In Folge unserer Unterredung über den Thurgauisch-St. Gallischen EisenbahnConflikt, habe ich nicht ermangelt St. Gallen aufzufordern der BahnhofLage Winterthur seine Zustimmung zu geben, mich sehr wohl erinnernd, daß in diesem Falle Sie mir zusagten, Ihren Einfluß bei der Regierung von Thurgau, behufs Erledigung der Rikenbacher Station verwenden zu wollen und es mir sehr daran liegen mußte in der Rikenbacher Frage, die allein in meinem Auftrage lag, eine Vermittlung zu Stande zu bringen; bis jezt ward mir indessen der Anlaß nicht, Ihre gefällige Zusage in Anspruch zu nehmen und in hohem Grade bedaure ich die dermalige Situation dieser ConfliktSache die ihre Erledigung nicht anders finden wird, als daß entweder die BundesVersammlung entscheide, oder daß noch weitere Diferenz Punkte mithineinge zogen werden, deren Erledigung nicht im Bundesbeschlusse vom 5 Aug: 1853 vorgesehen ist und vermöge bestehender Verträge nicht nach Anleit von Art. 17 des Gesezes vom 28 July 1852 erfolgen kann. Dem BundesRath habe ich diese Situation bereits auch ausein andergesezt und da Gestern vor Abgang der Berner Abend Post noch keine Mittheilung von Thurgau als Antwort auf mein Schreiben vom 24. 25. & 28 8bris eingegangen war, ihm auch meinen | Bericht über die bisherigen VermittlungsVersuche und speciell über die in Betracht fallenden Verhältnisse bezüglich einer Station Rikenbach übermittelt. Es muß sich nun zeigen, ob der Bundes Rath die Mediation auf einer breitern Grundlage fortsezen oder ob er selbst in Sachen intervenieren, oder den Conflikt der BundesVersammlung zum Entscheide vorlegen will. –

Was die Station Rikenbach betrift, so scheint mir unzweifelhaft das Begehren Thurgaus nicht gerechtfertigt, selbst der Bericht des Herrn Oberbaurath Bekh stellt sehr erhebliche Mehrkosten (frs 200,000 resp. 62,000) in Aussicht wenn in Rikenbach eine Station errichtet werden müßte, wozu noch weit grössere Kosten für den Bau der Station selbst und deren fortlaufende Administrations kosten, gerechnet werden müßten; ich habe auch allein Grund zu zweifeln, daß Thurgau wegen einer Station Rikenbach unnach giebig ist, sondern daß vielmehr nicht die liquide Rikenbacher station, wohl aber andere noch nicht liquide Fragen einem dor tigen Vergleiche entgegenstehen, wenn gleich leztere viel früheren Datums sind. -. Deshalb aber schiene es mir billig und schicklich, daß der frühere und eigentlich allein für jezt in Frage liegende Conflikt vermittelt würde, wodurch Thurgaus Interressen nach dem Vergleichs Vorschlage, gewiß angemessen berüksichtigt wären und gleichwohl nach Stoff genug bliebe zu coerzitiren wenn St. Gallen auf anderen Punkten sich nicht nachgiebig zeigen sollte. –

Falls der BundesRath die MediationsVersuche fortgesezt wissen wollte, so könnte ich möglicherweise dieser unerbaulichen | Geschichte noch nicht los werden, die mir nachgerade sehr viel Zeit raubt, dabei würde ich mich aber mit der angenehmen Hoffnung trösten können, Sie bald wieder in Zürich zu sehen, wobei ich dann allerdings auch auf Ihre Mitwirkung zu Erzielung eines Vergleiches rechne. Des Grossen Rathes wegen, kann ich vor dem 10t 9bris nicht hier abkommen und muß daher eine Besprechung, die ich auch sehr wünsche, bis dahin ver schieben, im Falle daß ich vom BundesRathe veranlaßt würde, mich weiter mit diese Sache zu befassen, wäre dann das RendezVous in Zürich und nicht in Brugg . –

Mit besonderer Hochschäzung und freundschaftlicher Ergebenheit empfiehlt sich Ihnen bestens.

Stehlin
Oberst.

Kontexte