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Korrespondenz: Alfred Escher – Wolfgang Killias
  • 1820
  • 1830
  • 1840
  • 1850
    1. von Wolfgang Killias, 7. November 1852 Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Verträge, Zürich-Bodensee-Bahn (ZBB), Eisenbahnen Bau und Technik AES B1097
    2. von Wolfgang Killias, 19. November 1852 AES B1109
    3. von Wolfgang Killias, 29. November 1852 Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Zürich-Bodensee-Bahn (ZBB), Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahngesellschaften Offerten AES B1119
    1. von Wolfgang Killias, 5. Oktober 1853 Schlagwörter: Bözbergbahnprojekt, Nationalrat AES B1259
    2. von Wolfgang Killias, 6. Oktober 1853 Schlagwörter: Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Regierungsrat ZH, Schweizerische Südostbahn (SOB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Lukmanierbahnprojekt, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Krimkrieg (1853–1856) AES B1260+
    3. von Wolfgang Killias, 7. Oktober 1853 Schlagwörter: Bözbergbahnprojekt, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Lukmanierbahnprojekt, Eisenbahnen Fusionen, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Schweizerische Südostbahn (SOB) AES B1262
  • von Wolfgang Killias, 9. April 1856 Schlagwörter: Eisenbahnen Fusionen, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Betrieb, Eisenbahnen Bau und Technik, Schweizerische Südostbahn (SOB), Schweizerische Nordostbahn (NOB), Glattalbahn (Gl-TB), St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn (SGAE) AES B1483+
  • 1860
  • von Wolfgang Killias, 15. März 1861 Schlagwörter: Alpenbahn (allgemein), Brennerbahn, Splügenbahnprojekt AES B1868+
  • 1870
  • 1880
  • o. J.

AES B1260 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#312*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 24

Wolfgang Killias an Alfred Escher, Bern, Donnerstag, 6. Oktober 1853

Schlagwörter: Eisenbahnen Gutachten und Expertisen, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Krimkrieg (1853–1856), Lukmanierbahnprojekt, Regierungsrat ZH, Schweizerische Südostbahn (SOB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Bern 6. 8br 1853

Hochzuverehrender Herr

Indem ich Ihnen mein Gestriges1 bestätige verdanke ich Ihnen bestens die heute empfangene Copie des dortigen Gr. R. Beschlußes in Betreff der Betheiligg bei unsrer Bahn.2 Ich hoffe, in Folge der dem Reg.Rath ertheilten nachträglichen Ermächtigung werde den Anständen von St Gallen die Spitze abgebrochen sein.

Dagegen droht uns hier ein neues Ungewitter. Hr O.3 hat einen fulminanten Rapport gegen die Sanctionirung der Tessiner Concession eingegeben, der morgen zur Abstimmung gelangen soll. Er wirft darin dem Lukmr vor:
durch diesen neuen Übergang werde eine Parallelstraße neben dem Gotthard eröffnet, welche unsre Vertheidigungslinie umgehe
Ferner eine Peripheriestraße geschaffen, die 12 St.4 unter den feindlichen Kanonen stehe, statt einer Centrumstraße
dieselbe sei, wegen ihrer leichten Zerstörbarkeit durch den Feind, für die Schweiz nutzlos
sie sei unpolitisch, weil sie den auswärtigen Handel der Schweiz von Oestr. abhängig mache
sie sei verwerflich, weil sie den Bau einer viel nützlicheren Gotthardbahn hindre, die mit den mehrsten u. größten Kantonen in nächster Verbindung stünde, dem Tessin viel wirksamer Hülfe leisten u. von den betreffenden Kantonen gebaut würde, wenn der Lukmr beseitigt wäre, | die schon ertheilten Concessionen haben den Bau des Lukmr nicht vorgesehen; erst durch die Tessr Concession sei lezterer möglich geworden u. es sei nun die ganze Angelegenheit in ein Stadium getreten wo auch die Zuläßigkeit der Südostbahn einer neuen Untersuchg bedürfe.

Die Hohlheit aller dieser Gründe brauche ich Ihnen nicht näher zu erweisen; namentlich der lezte ist mehr als faul u. die übrigen fallen schon durch den Umstand dahin, daß der Lukmr durch die betreffenden Gemeinden selbst fahrbar gemacht würde, auch wenn die Eb. gar nicht zu Stande käme.5 Demungeachtet würden Sie mich ungemein verbinden, wenn Sie die Güte haben wollten, meinen kleinen Aufsatz6 mit Bezug auf obige Einwendungen vervollständigen zu laßen.

Der Postabgang hat mir gestern nicht erlaubt, mich weitläufiger über den Zweck besagter Arbeit auszulaßen. Derselbe tritt übrigens zur Genüge hervor. Er soll die Unvernunft u. Gemeinschädlichkeit des Oltner kreuzes klar machen u. dessen Actionairs bewegen davon abzustehen, jedenfalls aber die Kraft der Basler Intriganten brechen.

Hr Torelli hat mir von Genua geschrieben, er sei mit der dortigen Stimmung sehr zufrieden u. könne mich Namens der Regierung versichern, daß sie, ungeachtet der schwierigen Zeitläufe, zu allen nöthigen Opfern bereit sei.

Hr Escher7 hat in Folge seiner neuen geologischen Untersuchungen ein noch günstigeres Gutachten als das frühere über unsere Tunnel abgegeben.8 |

Von London bin ich seit 8 Tagen ohne Berichte. Point de nouvelles, bonnes nouvelles. Indeß wäre es nicht zu verwundern wenn der Kriegsausbruch9 unsre Leute etwas stutzig machte. Ich hoffe jedoch im Bau wenigstens der ebenen Strecken werde keine Störung eintreten.

Schließlich möchte ich Sie noch ersuchen, Gegenwärtiges beförderlichst auch an Hrn v. Planta in Dänikon mitzutheilen, da mir Zeit u. Hülfe zu einer Copie fehlen.

Genehmigen Sie inzwischen die Versicherg meiner aufrichtigen Verehrung u. treuen Ergebenheit

Killias

N.S. Die Mittheilung an Hrn v. Pl. ist unnöthig, da eine Copie für ihn noch gefertigt werden konnte.

Kommentareinträge

1 Vgl. Wolfgang Killias an Alfred Escher, 5. Oktober 1853.

2Der Grosse Rat des Kantons Zürich entschied am 4. Oktober 1853, den Regierungsrat zu beauftragen, 1000 Aktien der Südostbahn im Betrag von einer halben Million Franken zu zeichnen. Eine Abschrift des Entscheides findet sich auch als Anhang zum offiziellen, von Escher unterzeichneten Schreiben an die Schweizerische Südostbahn. Vgl. Schreiben RR Kt. ZH an VR SOB, 6. Oktober 1853 (SBB Historic VGB_GEM_SBBZH104_003); Escher und die Ostalpenbahnfrage, Absatz 16.

3 Ulrich Ochsenbein (1811–1890), Bundesrat (BE), Vorsteher des Militärdepartements.

412 Wegstunden entsprechen rund 54 km.

5Die durchgehend fahrbare Paßstrasse wurde 1877 eröffnet. Vgl. HLS online, Lucomagno, .

6Vermutlich ist die Abhandlung gemeint, welche Killias im Oktober 1853 unter dem Titel «Freimüthige Gedanken über ein rationelles schweizerisches Eisenbahnnetz» als Artikelserie im «Bund» veröffentlichte. Vgl. Wolfgang Killias an Alfred Escher, 5. Oktober 1853; Andreas Rudolf von Planta an Alfred Escher, 16. Oktober [ 1853 ]. – Escher scheint sich mit der Angelegenheit nicht weiter beschäftigt zu haben: «Es thut mir Leid, daß Sie Killias recht intereßante Aufsätze nicht gelesen. Ich dencke sie werden jezt wohl im ‹Bund› erscheinen wenn der ‹Bund› sie liefern darf.» Andreas Rudolf von Planta an Alfred Escher, 15. Oktober 1853.

7 Arnold Escher von der Linth (1807–1872), Professor für Geologie; Sohn von Hans Conrad Escher von der Linth, dem technischen Leiter der Linthkorrektion.

8Ein eigentliches Gutachten Eschers von der Linth konnte nicht ermittelt werden. Andreas Rudolf von Planta bat Escher von der Linth im Juni 1853 in einem Brief, «mittelst einiger Bemerckungen über die Ausführbarkeit der Lukmanierlinie das Gewicht Ihres Namens und Einflußes in der Schweiz und namentlich in Zürich in die Waagschaale der Südostbahn legen zu wollen! Ich bin überzeugt, daß nur einige wenige Bemerckungen in obigem Sinne nicht verfehlen würden, manches schwanckende Gemüth zu gewinnen [...].» Gemäss seinem Biographen Oswald Heer (1809–1883) war Escher von der Linth im Jahr 1853 nicht in den Bündner Alpen unterwegs. Brief Andreas Rudolf von Planta an Arnold Escher von der Linth, 20. Juni 1853(ETH-Bibliothek Hs 04). Vgl. Heer, Escher von der Linth, S. 197, 204.

9Gemeint ist der Krimkrieg. Andreas Rudolf von Planta an Alfred Escher, 18. Dezember 1855. – Über das Datum der seit längerem erwarteten und schliesslich am 4./6. Oktober 1853 erfolgten Kriegserklärung des Osmanischen Reiches an Russland herrschte einige Zeit ziemliche Verwirrung. Vgl. Baumgart, Crimean War, S. 94; NZZ, 2. Oktober 1853, 7. Oktober 1853, 9. Oktober 1853, 14. Oktober 1853.