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Korrespondenz: Alfred Escher – Andreas Rudolf von Planta
  • 1820
  • 1830
  • 1840
  • von Andreas Rudolf von Planta, 15. Oktober 1849 Schlagwörter: Kunst und Kultur, Universitäten und Hochschulen (diverse), Personelle Angelegenheiten, Universität Zürich AES B0700
  • 1850
    1. von Andreas Rudolf von Planta, 11. Januar 1852 AES B0974
    2. von Andreas Rudolf von Planta, 23. Februar 1852 Schlagwörter: Staatsverträge, Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Eisenbahnen Bau und Technik, Lagebeurteilungen (diverse), Mont-Cenis-Bahn, Lukmanierbahnprojekt, Alpenbahn (allgemein), Eisenbahnen Finanzierung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Eidgenössische Universität (Projekt), Bundesfinanzen, Familiäres und Persönliches, Flüchtlingspolitik AES B0993+
    3. von Andreas Rudolf von Planta, 10. September 1852 Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Expropriationen, Eisenbahnen Fusionen, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Eisenbahnen Bau und Technik, Schifffahrt, Grosser Rat GR, Grosser Rat SG, Vereinigte Bundesversammlung, Bundesrat, Schweizerische Nordbahn (NB), Splügenbahnprojekt, Gotthardbahnprojekt AES B1069
    4. von Andreas Rudolf von Planta, 1. Dezember 1852 Schlagwörter: Eisenbahnen Bau und Technik, St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn (SGAE), Zürich-Bodensee-Bahn (ZBB), Schweizerische Südostbahn (SOB) AES B1121
    1. von Andreas Rudolf von Planta, 19. Mai 1853 Schlagwörter: Lukmanierbahnprojekt, Eisenbahnen Fusionen, Schweizerische Südostbahn (SOB), Eisenbahnen Finanzierung, Tunnelbau, Eisenbahnen Bau und Technik, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Alpenstrassen, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Landsgemeinde GL, Grosser Rat SG, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Bözbergbahnprojekt, Schweizerische Centralbahn (SCB) AES B1195+
    2. von Andreas Rudolf von Planta, 17. Juni 1853 Schlagwörter: Eisenbahnstrecken Konzessionen, Alpenbahn (allgemein), Lukmanierbahnprojekt, Schweizerische Centralbahn (SCB), Eisenbahnen Fusionen AES B1208+
    3. von Andreas Rudolf von Planta, 17. August 1853 Schlagwörter: Schweizerische Südostbahn (SOB), Lukmanierbahnprojekt, Familiäres und Persönliches AES B1230+
    4. an Andreas Rudolf von Planta, 21. August 1853 Schlagwörter: Schweizerische Südostbahn (SOB), Lukmanierbahnprojekt, Regierungsrat ZH, Grosser Stadtrat Zürich, Staatsverträge, Handelsverträge, Schweizerische Centralbahn (SCB), Grosser Rat SG, St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn (SGAE) AES B1231+
    5. von Andreas Rudolf von Planta, 23. August 1853 Schlagwörter: Handelsverträge, Staatsverträge, Splügenbahnprojekt AES B1233+
    6. von Andreas Rudolf von Planta, 26. August 1853 Schlagwörter: Handelsverträge, Staatsverträge, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Schweizerische Südostbahn (SOB), Eisenbahnen Fusionen, Personelle Angelegenheiten, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Bau und Technik, Schweizerische Nordbahn (NB), Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Lukmanierbahnprojekt, Regierungsrat ZH, Grosser Stadtrat Zürich, Bözbergbahnprojekt AES B1234+
    7. von Andreas Rudolf von Planta, 2. September 1853 Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Bau und Technik, Personelle Angelegenheiten, Schweizerische Südostbahn (SOB), Eisenbahnen Verträge, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Schweizerische Centralbahn (SCB), Bözbergbahnprojekt, Lukmanierbahnprojekt, Eisenbahnen Fusionen, Eisenbahnlinie Zürich–Basel, Compagnie de l'Ouest-Suisse (Westbahn) (OS), Regierungsrat GR, Regierungsrat SG, Regierungsrat GL, Bundesrat AES B1243+
    8. von Andreas Rudolf von Planta, 9. September 1853 Schlagwörter: Schweizerische Südostbahn (SOB), Schweizerische Nordostbahn (NOB), Personelle Angelegenheiten, Eisenbahnen Fusionen, Eisenbahnen Finanzierung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Lukmanierbahnprojekt AES B1249+
    9. von Andreas Rudolf von Planta, 23. September 1853 Schlagwörter: Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Eisenbahnen Finanzierung, Bözbergbahnprojekt, Lukmanierbahnprojekt, Schweizerische Centralbahn (SCB), Eisenbahnen Fusionen, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Compagnie de l'Ouest-Suisse (Westbahn) (OS) AES B1254+
    10. von Andreas Rudolf von Planta, 3. Oktober 1853 Schlagwörter: Regierungsrat ZH, Schweizerische Südostbahn (SOB), Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Verträge AES B1258
    11. von Andreas Rudolf von Planta, 15. Oktober 1853 Schlagwörter: Schweizerische Südostbahn (SOB), Eisenbahnen Bau und Technik, Regierungsrat ZH, Postwesen, Eisenbahnen Verträge, Eisenbahnen Finanzierung, Lukmanierbahnprojekt, Schweizerische Centralbahn (SCB), Wahlen, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Vereinigte Bundesversammlung, Personelle Angelegenheiten, Bewerbungen/Empfehlungen/Referenzen AES B1264+
    12. von Andreas Rudolf von Planta, 16. Oktober 1853 Schlagwörter: Lukmanierbahnprojekt, Presse (allgemein), Schweizerische Nordostbahn (NOB), Schweizerische Centralbahn (SCB), Schweizerische Südostbahn (SOB), Bözbergbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten AES B1265+
    13. von Andreas Rudolf von Planta, 20. Oktober 1853 Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Rechtliches, Schweizerische Südostbahn (SOB), Lukmanierbahnprojekt, Regierungsrat SG, Grosser Rat SG, Regierungsrat ZH, Bözbergbahnprojekt, Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnlinie Zürich–Basel AES B1266
    1. von Andreas Rudolf von Planta, [1855] Schlagwörter: Bözbergbahnprojekt, Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Finanzierung, Schweizerische Centralbahn (SCB), Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Schweizerische Nordbahn (NB), Schweizerische Südostbahn (SOB), Lukmanierbahnprojekt AES B0048
    2. von Andreas Rudolf von Planta, [1855] Schlagwörter: Bözbergbahnprojekt, Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Compagnie des chemins de fer de l'Est (französische Ostbahn) (EST), Compagnie du chemin de fer de Paris à Lyon (CPL), Schweizerische Nordostbahn (NOB), Verrièresbahn, Compagnie de l'Ouest-Suisse (Westbahn) (OS) AES B0049
    3. von Andreas Rudolf von Planta, 11. April 1855 Schlagwörter: Schweizerische Nordostbahn (NOB), Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Eisenbahnen Bau und Technik, Bözbergbahnprojekt, Lukmanierbahnprojekt, Schweizerische Südostbahn (SOB), Eisenbahnen Finanzierung AES B0084
    4. von Andreas Rudolf von Planta, 18. Dezember 1855 Schlagwörter: Krankheiten, Schweizerische Südostbahn (SOB), Eisenbahnen Finanzierung, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur), Krimkrieg (1853–1856), Lukmanierbahnprojekt AES B1468+
  • von Andreas Rudolf von Planta, 18. Mai 1856 Schlagwörter: Schweizerische Südostbahn (SOB), Eisenbahnen Fusionen, Presse (allgemein), Lukmanierbahnprojekt, Schweizerische Nordostbahn (NOB) AES B1487+
  • von Andreas Rudolf von Planta, 24. Juni 1860 Schlagwörter: Bittbriefe (diverse), Lukmanierbahnprojekt, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Personelle Angelegenheiten AES B1820+
    1860
  • von Andreas Rudolf von Planta, 24. März 1863 Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Vereinigte Schweizerbahnen (VSB), Presse (allgemein), Ausländische Einmischungen (Schweiz) AES B1988
  • 1870
  • 1880
  • o. J.

AES B1234 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#395*

In: Jung, Escher Briefe, Band 1, Nr. 15

Andreas Rudolf von Planta an Alfred Escher, Chur, Freitag, 26. August [ 1853 ]

Schlagwörter: Bözbergbahnprojekt, Eisenbahnen Bau und Technik, Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahnen Fusionen, Eisenbahnstrecken Konzessionen, Grosser Stadtrat Zürich, Handelsverträge, Lukmanierbahnprojekt, Personelle Angelegenheiten, Regierungsrat ZH, Schweizerische Nordbahn (NB), Schweizerische Südostbahn (SOB), Staatsverträge, Öffentliche Beteiligungen (Infrastruktur)

Briefe

Hochgeehrter Herr & Freund!

Sie erhalten anmit zunächst einen Bericht1 betreffend den Lucmanier Vertrag mit Sardinien. Copie des Vertrags selbst kann ich Ihnen nicht mittheilen d. h. Copie des neu errichteten Protocolls2 denn die Auswechselung der genehmigten Actenstücke hat noch nicht stattgefunden. Chevalier Torelli ist übrigens hier und wird mit Abgeordneten von St. Gallen und Bünden übermorgen die Urkunden wechseln.3 Seine auf feinem Velin mit classischer Schrift gehörigem «Victor Emanuel» und Siegel hat er mir wohlgefällig gezeigt. Es ist ein Prachtstück für ein Archiv, später für Urkundensammler ein in calligraphischer Beziehung kostbares, für die jetzigen Geschlechter aber goldenes und goldwerthes Stück.4 | Wir können nun freilich nicht in den Besitz dieses Actenstückes gesezt werden, ehe es offiziel gewechselt worden, was eben übermorgen geschehen soll. –

Übrigens konnte das Protokol nicht anders als auf den frühern Vertrag5 lauten und der bezog sich auf die Linie Locarno Roschach Wallenstadt, nichts desto weniger ist Sardinien mit der Ausdehnung nach Rapperschwyl und eventuel weiter sehr einverstanden. Torelli erklärte es mir neulich wiederholt.

Betreffend die Gotthardmanoevres kann ich Ihnen nichts Neues mittheilen, was Sie nicht schon aus den Zeitungen wüßten. Statt Geld und Gesellschaften und Subsidien bringen die Leute Intriguen, Müllersche6 technische Lügen7 en gros (Laut ausgesanntem Project) und Bestechung nach Tessin.

Voilà leurs offertes! | Unterdessen sind wir über die Erstellung der ersten Section mit der englischen Gesellschaft gestern Abends zum Abschluß gekommen, heute wird der Vertrag redigirt Montag auch die Statuten genehmiget.8 Dann ziehen sie nach Bellenz . –

Grundzüge unserer Übereinkunft sind ungefähr folgende:
1o Die erste Section der Südostbahn d. h. RapperschwylRoschach Chur wird sofort von einer schweizerisch englischen Gesellschaft ausgeführt und selbständig exploitirt und administrirt bis zur Vollendung und in Betriebsetzung der ganzen großen Linie und der 2ten Section d. h. der Lukmanierbahn insbesondere. –

2o Diese 2te Section und dann später die mit ihr zu einem Ganzen fusionirte 1ste Section wird einen andern Namen tragen, vermuthlich GermanItalian– Junction–Ralwey shortest line from England to East-India etc |

3o Die Gesellschaft der Südostbahn verpflichtet sich, sobald die 2te Section dem Betrieb übergeben wird, sich ganz mit ihr zu fusioniren. –

4o Zur Ausführung der 1sten Section schießen die Engländer die Hälfte des Capitals (12½ Millionen) ein und die Schweizer. Gesellschaft resp. die bisherige Bildungsgeschäftschaft die andre Hälfte.

5o Die Statuten werden im Allgemeinen denjenigen der Westbahngesellschaft nachgebildet jedoch mit verschiedener Organisation, indem.

6tens für die Executive eine Direction von drei Directoren mit Separatbranchen und zwei Suppleanten bestimmt9 wird, wohl aus lauter Schweizer bestehend, gewählt vom General oder Administrations oder Oberaufsichtsrath oder wie er heißen wird ( Killias, Baumgartner10 und La Nicca dürften wahrscheinlich die Auserkohrnen sein11 und zwei Mitglieder des jetzigen VRathes die Suppleanten und Zuzüger).|

7o Ob der Direction steht der General oder Oberaufsichtsrath, der aus 6 Schweizern und sechs Engländern besteht, wovon die Generalversammlung der schweiz. Actionairs die 6 Schweizer und die englischen Subscribenten die 6 englischen Comitemitglieder wählen. –

8o Die technische Leitung der ganzen Bahn wird der englischen Section überlaßen, alle innern Organisationen fallen mehr der schweizer. Abtheilung anheim. Oberingenieur ist Hemans12 aus London, der Lukmanierexperte. Die Bahn wird mit Ankauf des Bodens für zwei Spuren einstweilen einspurig erstellt und zwar a forfait, wobei Bahn und Matereel roulant erster Qualitaet und die Waggons nicht schlechter als die der schweiz. Nordbahn sein dürfen.

9 o Die Statuten werden jezt gleich gegenseitig genehmiget und bleiben, wie die Behörden in Kraft bis zur Vollendung der Bahn d. h. bis etwa in 3 Jahren. | Den schweiz. Actienzeichnern wird per Circular vom Ganzen Kenntniß gegeben und Termin gesezt zur Zurückziehung ihres Verpflichtungsscheins falls sie dem Arrangement nicht beipflichten, alle Andern werden als zustimmend angesehen.13 Gleichzeitig wird bis zum 1sten Octbr eine neue Actienbetheiligung für die Schweiz eröffnet. Am 15ten Octber zahlen wir und die Engländer die ersten 20% ein, am 25sten halten wir Generalversammlung zur Wahl unserer 6 Ausschußmitglieder und am 1sten Novbr treten die neuen Organe in Thätigkeit zum Beginn des Baues. 14 Das Alles wird jezt definitiv abgeschloßen unabhängig von den Schicksalen der 2ten Section, namentlich im Tessin!! Somit wären wir hoffentlich glücklich soweit unter Dach gebracht! |

Die englische Gesellschaft beruht aus den bekannten 48 Pfünder15 Persönlichkeiten die Sie aus den Zeitungen kennen. Ihr Rechtsagent Gurney16 mit ihrem Ingenieur Hemans und dem Telegraphenmann Brett17 sind hier mit legalisirten Vollmachten zur Anknüpfung der nöthigen Verbindungen und Vertragsabschlüße für eine Linie «von Basel über Zürich nach Locarno»!18 Wir mit unserer Section bilden die nächste Operationsbasis und dieses Terrain haben sie beschloßen auf alle Eventualitaeten hin zu acquiriren, sofern die Schweizer traitabel sind. Sie selbst waren sehr coulant und auch wir blllg19 denckend wie obiges arrangement beweist. – Der Umstand daß die Fusion erst stattfindet nach in Betrieb setzung der 2ten Section garantirt den schweiz. Unternehmen 6–7 sichere Jahre u schöne Zukunft. |

Unsere bisherigen Actien betragen ca 9,800000 Fr. davon hoffen und glauben wir nicht, daß Viele abfallen. Neu fehlen uns aber noch 3,200,000 Fr. die wir unterzubringen haben bis zum 1sten Octbr. Wir werden diese Pflicht natürlich als Privilegium zu Gunsten der Schweizer annonciren. Aber wenn Kanton und Stadt Zürich nicht energisch helfen, so stehen wir schlecht trotz allen schönen Aussichten! Jezt bringt man nicht so leicht Actien an. – Allerwenigstens 1½ Millionen sollten dorther fließen! Dann brächten wir es auf ca 11, hochstens 11½. Die lezte Million geben dann im Notfall die Engländer schon, obgleich es möglich ist, daß wir das Capital auf 26 Mill. erhöhen um die Bahn von Sargans nach Chur gleich jezt zweigleisig zu bauen und zweispuriges Terrain durch und durch anzukaufen. – Dadurch würde jede Linie, besonders Basel Zürich unabhängig von den Bodenseefahrten und Bahnzügen functioniren können. – |

Ich muß Sie nun vor Allem beschwören, in diesem entscheidenden Moment nicht länger zaudern zu wollen. – Mit der Zuschauerpolitik encouragiren Sie in Zürich alle Contreminen20 und entmuthigen ganz die Partheigänger.

Obschon zunächst unabhängig von dem Schicksal der Tessiner und Turinerfragen hängt die große Zukunft unserer Bahn und unserer Ostschweiz und ihres Hauptes Zürich eng mit der Lukmanierfrage zußammen, obschon der Splügen wenigstens gerettet ist.21 Auch der «Lloyd» wird nächstens den Comersee beherrschen und bis zum Fuß der räthischen Pässe seinen Einfluß ausdehnen. Für unsre Gesellschaft im Tessin alle Lanzen einzulegen ist eine Aufgabe aller Kantone und Personen des Ostens. Wir rechnen hierin auch auf Zürich neuerdings. – |

Unsre Regierungen werden auf den 12ten Abgeordnete nach Bellenz schicken.22 Nächste Woche reisen die Engländer und Torelli dahin ab. Zürich wird wohl eintreffen, wo sogar Bloesch23 seinen neuen Centralsonderbund protegiren und vertreten läßt:24 – Wenigstens die mercantile und politische Hegemonie des Ostens wird Zürich wegen 1½ Mill. guter Actien nicht wie den Vorort an Bern überlaßen wollen. –

Kurz! Alle Anhänger werden Sie nicht im Stich laßen, sondern jezt rechtzeitig mit entschiedenen Thaten sprechen d. h. mit Decreten zu Gunsten der Südostbahn, die vor dem 12ten gefaßt sein sollten, wenigstens im Regierungs und Stadtrath!! |

Betreffend Aargau so verweise ich auf obige Vollmacht und möchte zuerst fragen was jezt bezüglich Rapperschwyl resp. Zürich Basel zu thun sei? Wie steht es mit der Bötzberg Conzession? Ist sie hablich? d. h. zu haben? und wie könnte man sich verständigen. Einstweilen kann man nach Norden nur recognosciren, kämpfen und auftreten muß man zunächst im Süden. Aber ein Fingerzeig an Aargau wäre nicht überflüßig und vorläufige Räthe und Weisungen. – Man will die central- europäische Arterie durch die Schweiz haben, wir sollen die europäische Centralbahn werden, also wird man wohl im Aargau wäre auch mit uns sein?! |

Wir haben beschloßen den Gotthardposaunen gegenüber fast gar nicht vorlaut zu reden und allemal blos mit Thatsachen und reellen Errungenschaften zu imponiren. Deßhalb dürfen unsre Zeitungen noch nicht reden. Ich bitte auch um discrete Benutzung meines Briefes, weil eben die Redaction und die definitiven Genehmigungen fehlen. – Immerhin mögen Ihnen diese Anzeigen beweisen, daß wir nicht an Boden verloren. Sulzberger25 bot uns 8 Mill. an26, wir sandten ihn vor 8 Tagen damit heim. Von Ihrem Verhalten in Zürich, von Zürichs entschiedenem Auftreten und eingreifenden Handeln hängt nun sehr Vieles ab. Unser Wahlspruch ist eben mit Thaten die Radotaden27 der Gotthardler zu widerlegen. Das Parlamentiren, Discutiren, Polemisiren usw. nüzt nichts und das stadträthliche Zuschauen noch viel weniger. Hier gilt einmal der Satz: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. |

Ich fürchte nur schmutzige Zuschriften in Tessin und überpfiffige Offerten. – Ihr Schützling und Protegé Pioda wird sich jezt einmal Ihres zürcherischen Vertrauens würdig zeigen können. – Meiner Ansicht nach, ist es sehr traurig, daß Katzennaturen in der neuen Eidgenossenschaft am besten reüssiren. – Will mich zwar gern bekehren, wenn er sich gut herausbeißt und hoffe wenigstens daß der diesjährige Lauiser marckt von der Luzerner Viehhandelconferenze nicht nach Bellenz verlegt worden sei, um bequemer Kantonsräthe statt Kalbsköpfe zu erschachern. – Doch ich will schließen. Wollen Sie meinen «schlichten» Freund Dubs grüßen nebst allen Lukmanierfreunden. Vor Allem aber seien Sie versichert der freundschaftlichsten Hochachtung und Ergebenheit

Ihres

treu ergebensten

A R v Planta

Chur den 26sten August.28

Der Brief muß auf die Post ohne vorherige Durchsicht Pardon und Nachsicht gef.29 |

Könnten Sie nicht Aargau, Thurgau, Appenzell und Glarus zu östlichem Aufsehen resp. Dreinschlagen mahnen. – Die industrielle Schweiz wird ihre Handelsstellung wohl nicht an die Käskantone30 abtreten wollen!31

Kommentareinträge

1Beilage nicht ermittelt.

2 Vgl.Protokoll der Konferenz der Deputierten des Königreiches Sardinien sowie der Kantone Graubünden und St. Gallen (vom 18. Juli 1853) (StAGR Vr C I 338).

3 Vgl.Processo Verbale dello scambio delle ratifiche del Protocollo segnato a Torino il 18 luglio 1853 (vom 27. August 1853) (StAGR Vr C I 338).

4 Vgl.Vertrag zwischen Sardinien einerseits, Graubünden und St. Gallen andererseits, über den Bau und Betrieb einer Lukmanierbahn, von König Victor Emanuel II. unterschrieben und gesiegelt am 5. August 1853 (StAGR A I/17 Nr. 11; StAGR Vr C I 339).

5 Vgl.Staatsvertrag der Kantone St. Gallen, Graubünden und Tessin mit dem Königreich Sardinien betreffend Eisenbahn-, Handels- und Verkehrs-Verhältnisse (vom 16. Januar 1847), in: Staatsverträge SG, GR, TI, Sardinien; Escher und die Ostalpenbahnfrage, Absatz 13.

6 Karl Emanuel Müller (1804–1869), Regierungsrat und Präsident des Kantonsgerichtes (UR), Ingenieur; beschäftigte sich bereits ab 1845 mit dem Projekt einer Gotthardbahn (Vermessungsarbeiten).

7 Karl Emanuel Müller verfasste ein Memorial zur Gotthardüberschienung, das im August 1853 in der Öffentlichkeit einiges Aufsehen erregte. Eine Abschrift dieses Memorials aus den Beständen der Schweizerischen Centralbahn ist erhalten geblieben. Vgl. Müller, Ansichten; Liberaler Alpenbote, 27. August 1853; Anton von Salis an Alfred Escher, 13. August 1853, Fussnote 6.

8Der Vertrag wurde am 27. August unterzeichnet, die Statuten am 29. August 1853. Vgl. Konvention Gründung Gesellschaft; Constituirungsakt und Statuten SOB.

9Sofortige Korrektur, zuvor: «gewählt» .

10 Gallus Jakob Baumgartner (1797–1869), Grossrat (St. Gallen), Mitglied des provisorischen Verwaltungsrates der Schweizerischen Südostbahn.

11Die drei Direktoren wurden am 27. August 1853 bestätigt. Vgl. Verbalprozess SOB; Andreas Rudolf von Planta an Alfred Escher, 2. September [ 1853 ].

12 George Willoughby Hemans (1814–1885), irischer Eisenbahningenieur.

13Als spätestes Rücktrittsdatum wurde der 8. Oktober 1853 festgesetzt. Vgl. Kreisschreiben SOB 1853.

14Der Termin für die Einzahlungen wurde später auf den 1. November, jener der Generalversammlung auf den 8. November 1853 verschoben. Vgl. Anzeige SOB, in: Liberaler Alpenbote, 6. September 1853. Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 22. Oktober 1853; Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 7. November 1853.

1548 Pfünder: eine 48 Pfund schwere Geschosse schiessende Kanone; übertragen: grosskalibrig, mächtig.

16 John Gurney (1819–1890), Jurist und Bankier, Bevollmächtigter des englischen Konsortiums. Escher und die Ostalpenbahnfrage, Absatz 11.

17 John Watkins Brett (1805–1863), englischer Telegrapheningenieur, stellte die erste Telegraphenverbindung durch den Ärmelkanal her.

18In der Vollmacht ist die Rede von einer Konzession für «eine Eisenbahn von Locarno nach Chur (inbegriffen den Langensee)» und «zum Bau einer Eisenbahn von Chur nach Konstanz und nach Basel» . Vollmacht Gurney, S. 4; Andreas Rudolf von Planta an Alfred Escher, 2. September [ 1853 ].

19Verschrieb, wohl gemeint: «billig».

20Kontermine: gegen die Pläne einer andern Partei gerichtetes Unternehmen.

21Sachverhalt nicht ermittelt. – Betreffend Überschienung des Splügen hatten sich die Kantone St. Gallen und Graubünden an der Konferenz in Bern vom 1. Februar 1853 gegenüber Tessin ausdrücklich freie Hand behalten, doch war sowohl in den provisorischen Statuten der Schweizerischen Südostbahn vom 13. Februar 1853 als auch in den Verträgen mit dem englischen Konsortium vom August/September 1853 ausschliesslich vom Lukmanier die Rede. Vgl. Margadant, Lukmanier-Eisenbahn, S. 34–35; Johann Jakob Blumer an Alfred Escher, 8. März 1853. – Möglicherweise bezieht sich Planta auf die Postkurse über den Splügen. Ende März 1853 wurden an einer Postkonferenz in Zürich die Kurse von Zürich via Chur und Splügen nach Mailand thematisiert und beschlossen, diese zu verbessern. Vgl. NZZ, 22. März 1853; Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 3. April 1853.

22Verhandlungen betreffend Lukmanierkonzession in der ausserordentlichen Session des Tessiner Grossen Rates vom 12. bis 15. September 1853 in Bellinzona. Escher und die Ostalpenbahnfrage, Absatz 15.

23 Eduard Blösch (1807–1866), Grossrat, Regierungsrat und Nationalrat (BE). – Als Führer der im Kanton Bern regierenden reformiert-konservativen Partei war er eine dominante Figur; seine Politik wurde zuweilen auch als «Blöschenregiment» bezeichnet. NZZ, 12. August 1853. Vgl. HLS online, Blösch Eduard.

24Planta bezeichnet die Kantone, welche sich an der Gotthardkonferenz vom 19. August 1853 in Luzern beteiligten, als «Sonderbund». Neben Luzern und Basel war Bern der dritte gewichtige Kanton in dieser Gruppe. Andreas Rudolf von Planta an Alfred Escher, 23. August [ 1853 ]. – Eine Vertretung des Kantons Bern bei den Konzessionsverhandlungen im Tessin im September 1853 konnte nicht ermittelt werden.

25 Johann Jakob Sulzberger (1802–1855), Thurgauer Ingenieur und Kartograph; ehemaliger kantonaler Strasseninspektor (TG).

26 Sulzberger war als Vermittler für eine in Paris ansässige französisch-belgische Baugesellschaft, Jacques Courtines, Joly jeune und Compagnie, tätig, die zuerst die Übernahme von 6 Mio. Franken in Aktien anbot und anschliessend, konfrontiert mit einer Forderung der Schweizerischen Südostbahn über 10 Mio. Franken, ihr Angebot mit Schreiben vom 22. August 1853 auf 8 Mio. Franken (16 000 Aktien) erhöhte. Sie forderte dafür einen Forfaitvertrag für die Bauarbeiten der ersten Sektion. Sulzberger bzw. Joly wiederholten das Angebot im September und Oktober 1853 noch zweimal erfolglos. Vgl. Prot. VR/WK SOB, 1. September 1853 S. 135–136, 10. Oktober 1853 S. 155; Wegmann, Vereinigte Schweizerbahnen, S. 43. – Der Vermittler dürfte mit jenem Ingenieur Sulzberger identisch sein, der 1851/52 im Namen eines englischen Investors in der ganzen Schweiz verschiedene Konzessionen erwarb oder zu erwerben versuchte, so auch im Kanton Zürich. Die Akteure wurden in Zürich als nicht seriös beurteilt. Vgl. Gubler, Eisenbahnpolitik, S. 319–326; NZZ, 21. Januar 1852; Martin Escher-Hess an Alfred Escher, 7. Juni 1852; Franz Hagenbuch an Alfred Escher, 10. Juli 1852; Martin Escher-Hess an Alfred Escher, 14. August 1852.

27Radotaden: Geschwätz, Gefasel; radoter (franz.): schwatzen.

28Datierung gemäss Briefkontext.

29Ergänzung am Rand der letzten Seite.

30Gemeint sind die agrarischen, katholischen Innerschweizer Kantone der Gotthardkonferenz. Siehe auch «Blöschische Kässchweiz» Andreas Rudolf von Planta an Alfred Escher, 2. September [ 1853 ].

31Ergänzung auf der Rückseite.

Kontexte