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Korrespondenz: Alfred Escher – Bruno Hildebrand

AES B1160 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#266*

In: Jung, Aufbruch, S. 428–430

Bruno Hildebrand an Alfred Escher, Zürich, Samstag, 15. Januar 1853

Schlagwörter: Bankinstitute, Eisenbahnen Betrieb, Eisenbahnen Finanzierung, Personelle Angelegenheiten, Ständerat

Briefe

Verehrtester Herr Präsident!

Heute bringe ich lauter Hiobsposten. R. hat von Cöln aus telegraphirt, daß er nichts fest abgeschlossen habe. Entweder ist ihm daher die Provision zu hoch gewesen oder das Sinken der Pariser Course hat die Cölner Bankleute entmuthigt. Soll aber nichts schaden! Nur den Muth nicht verloren! wir kommen doch zum Ziel. Ferner macht mich meine Collegenschaft mit Herr Schultheß-Meiß sehr unglücklich. Der Mann hemmt mich auf jedem Schritt und Tritt. Als Fierz telegraphirt: er bedürfe des Anstoßes von Berlin oder Paris, so übergab ich Schultheß eine wohlberechnete Depesche an Fierz, die er sofort abschicken möchte. Gestern zeigt er mir, was er abgeschickt hat; ein verwaschenes, nichts sagendes Ding, was offenbar Fierz so gut wie nichts hilft; und diese Depesche hat er noch dazu ½ Tag später | und auf dem längsten Wege über Bellinzona geschickt. Gestern kommt R. Depesche 40 Minuten nach 5 Uhr bei ihm an; davon benachrichtigt er mich erst 7 Uhr, so daß gestern keine Depesche mehr an Fierz geschickt werden konnte. Als am Dienstage die Prospecte den Schweizer Häusern zugeschickt werden sollten, suchte er sie so lange als möglich zurückzuhalten, damit er erst seine Versendungen ins Ausland beenden konnte, um sich das ¼ Procent zu sichern, wofür er nach seiner Zuschrift an die auswärtigen Correspondenten die Zeichnung für sie besorgen wollte. Ich habe mich natürlich an seine Weisung, die er dem Buchhalter gegeben hatte, nicht gekehrt und doch versenden lassen. Dabei ist er der ewige Zweifler und quält einen ewig durch seine Redereien über seinen Zeitverlust, während er doch nicht das mindeste thut. Wenn man solche Erfahrungen bei einem jungen Züricher Kaufmann macht, dann bewahre einen Gott vor den alten Züricher Zöpfen. Ich erwähne das alles nur, damit Sie sich nicht wundern, wenn ich etwas eigen| mächtig bei der Zeichnung und Einzahlung verfahre und ihn, natürlich ohne irgend eine Verletzung, hierbei ganz bei Seite schiebe.

Wenn Sie nicht dagegen Protest einlegen, so organisire ich diese Geschäfte so, daß kein Mensch außer Sulzer, Fierz und mir das wahre Resultat der Zeichnung erfährt, ferner daß unter allen Umständen, die Zeichnung mag ausfallen wie sie will, nur bekannt wird, daß die ganze Summe gezeichnet sei. Was in Wirklichkeit noch nicht gezeichnet ist, wird dann in einzelnen Partien wo möglich in der Fremde verkauft. Indessen glaube ich allerdings immer noch trotz der Hiobsposten an bedeutende Überzeichnung. Wäre es nicht möglich, daß Herr Wäffler am ersten Tage der Zeichnung selbst in Winterthur wäre? Es wäre gut, wenn während der Zeichnung die Rivalität der beiden Städte Zürich und Winterthur mitwirkte. Um sie wirken zu lassen, müßten täglich mehrere Briefe herüber und hinüber an vielgefragte Personen | geschrieben werden (z. B. an Sensalen), welche sehr günstige Resultate berichten.

Ich habe heute nach Berlin geschrieben und den andern Weg eingeschlagen. Ich habe nämlich dort für den Absatz ½ Million ½ Procent, für den einer ganzen Million & darüber 1 Procent versprochen.

Die Anzeigen für die Zeitungen und auch für den Bund habe ich durch Vogel verschicken lassen. Jedenfalls muß sie morgen früh im Bund erscheinen. In sämmtlichen hiesigen Zeitungen steht sie heute. Den Artikel in der Gewerbezeitung lege ich bei.

Herr R.R. Egloff erhält volle 1100 Exemplare. Die Hälfte hat er schon vor mehreren Tagen bekommen.

Den vom Ständerath in die Commissionsurkunde aufgenommenen Artikel halte ich an sich für ungefährlich aber überflüssig. Die Gesellschaften müssen und werden im eigenen Interesse sich über gemeinschaftliche Fahrpläne verständigen. Dabei ist aber doch leicht möglich, daß der Zug einer Zweigbahn ½ Stunde oder auch länger auf den Hauptzug warten muß. Mün| det z. B. die St. Galler Bahn und die Schaffhauser gleichzeitig in Winterthur, so kann kein vernünftiger Mensch verlangen, daß beide Nebenzüge mit dem Hauptzuge, stets gleichzeitig ankommen. Der St. Galler Zug hängt zugleich vom Dampfschiff in Rorschach ab, der Schaffhauser vom Dampfschiff in Schaffhausen. Alles kann unmöglich ganz zusammen passen. Deshalb könnte allerdings die neue Bestimmung leicht erst Grund zu Streitigkeiten und Ansprüchen geben und deshalb ist sie auch vom Übel.

In Eile
treulichst
Ihr

Hildebrand

Zürich d. 15t Jan.
1853.

Den franz. Text auf den Interimsactien habe ich weggelassen; er hätte zu viel Platz eingenommen. Auch habe ich mich überzeugt, daß eine Unterschrift derselben genügt. Die Form wird so eingerichtet, daß sämmtliche Namen der Direction gedruckt werden und unter ein besonderes «gezeichnet» der Name eines Dir. Mitgliedes geschrieben wird. Auch lege ich einen Bericht von Bunsen bei.