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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B1156 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Zürich, Dienstag, 11. Januar 1853

Schlagwörter: Bankinstitute, Eisenbahnen Finanzierung, Presse (allgemein), Rechtliches, Schweizerische Nordostbahn (NOB)

Briefe

F: G: EHRHARDT
Cantonsfürsprech
ZÜRICH

Lieber Freund!

Gestern war ich mit Herrn Prof. H. zusammen, der mich beauftragte zwei Formulare zu entwerfen, für diejenigen Actienübernehmer, welche nicht sofort in baar den ersten Betrag einzahlen würden, sondern Werthpapiere haben würden. Die Sache hat ihre Schwierigkeiten u. nach bester Ueberlegung, habe ich die beiden beifolgenden Formulare als die zweckmäßigsten erachtet, die die Form einer Faustpfandbestellung für die creditirte erste Einzahlung haben. Die allfällig mögliche Form einer Abtretung der fraglichen Werthpapiere, mit der Bedingung einer zu gestattenden Auswechselung gegen baares Geld, scheint mir aus mehrern Gründen nicht empfehlungswerth. Ich werde heute meine Gründe Herrn G. auseinandersetzen, obschon dies nicht ganz ohne Schwierigkeiten bei ihm sein muß, da er mit unsern juristischen | nicht vertraut sein kann. Prüfe die Formulare u. theile Sie vielleicht auch Herrn Kern mit. Sollte etwas wünschbar erscheinen, so schreibe darüber – freilich, wie es erscheint, sollte dies bald geschehen – an Herrn H. oder an mich. Ich habe übrigens soeben Herrn Prof. Ullmann die Entwürfe mitgetheilt u. derselbe hat sie vollkommen gebilligt, nachdem wir über andre mögliche Formen gesprochen haben. Das von mir vorgeschlagene Verfahren schließt sich übrigens an dasjenige der hiesigen Bank bei Darlehn mit Faustpfändern an.

Herr H. war gestern etwas beunruhigt über die Notiz der N.Z.Z. wegen des Rücktrittes der Engländer u. fragte mich, ob ich wohl glaube, daß eine Entgegnung darauf zur Beruhigung des Publicums wünschbar sei. Mir schien es zweckmäßig, wenn dies in Form einer Berichtigung von der Redaction geschehe, was Herr H. billigte u. gestern mit Hagenbuch deshalb sprach. Heute finde ich nun, daß der selbe darauf| eingegangen ist. Freilich hat Felber nicht unterlassen können, eine Bemerkung beizufügen, die bei einer Berichtigung die von der Redaction, somit von ihm selbst scheinbar, ausgeht, nicht ganz passend erscheint. Eine allfällige Zeitungspolemik sollte, meiner schwachen Ansicht nach u. bei einer Beurtheilung des heutigen Publicums u. vielleicht noch aus Rücksichten gegen das auswärtige, vermieden werden im Momente kurz vor der Einzeichnung.

Entschuldige, lieber Escher, daß ich Dies mit dieser Berichterstattung bei Deinen Geschäften noch behellige.

Heute werde ich einer sehr freundlichen Einladung «meines herzlich u. treulich verbleibenden ältesten Freundes» Folge leisten u. mit denselbem einige Tassen Thee trinken.

Grüsse an alle Bekannte.

Herzlichst Dein

Er

Zürich
den 11. Jenner 1853.