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Korrespondenz: Alfred Escher – Bruno Hildebrand

AES B1153 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#266*

In: Jung, Aufbruch, S. 427–428

Bruno Hildebrand an Alfred Escher, Zürich, Sonntag, 9. Januar 1853

Schlagwörter: Eisenbahnen Finanzierung, Presse (allgemein), Rechtliches

Briefe

Verehrtester Herr Präsident!

Von Leipzig und Berlin ist noch nichts von Belang zu melden. Gestern kam zwar eine tel. Dep. an; sie besagte aber nur, daß es in Leipzig unbestimmt sei und daß R. mit H. nach Berlin gehe um das Terrain zu untersuchen. Die Thurgauer Häuser sollen mit Prospecten versorgt werden. Morgen werden Ihnen auch die franz. zugesendet werden; ihr Druck ist etwas dadurch verzögert worden, daß sämmtliche deutsche Exemplare vorher gedruckt werden müssen, ehe auf der Karte der franz. Text eingetragen werden kann. Die Besprechung der Gemeindepräsidenten ist um so wünschenswerther, als seit gestern hier auch durch Baseler Freunde gegen unser Unternehmen gewühlt zu werden scheint; wenigstens wurde mir von Sensalen | mitgetheilt: es gehe in der Stadt das Gerücht, daß es mit unseren Finanzaussichten sehr schlecht bestellt sei. Vielleicht hat auch die unzeitige Notiz der N. Zür. Zeitung von gestern dazu beigetragen. Ich habe zu heute Abend eine Sitzung mit Sulzer berufen, um neben andern Kleinigkeiten die Frage zu besprechen, ob ein kleiner Gegenartikel morgen in der Zeitung erscheinen soll. Jedenfalls will ich nächsten Sonnabend einen Artikel in der Handelszeitung bestellen, der für unser Unternehmen mit Energie an den Patriotismus der Züricher appellirt. Die hessischen Gesetzesbestimmungen über den Verlust des Bürgerrechts durch Erwerbung eines andern werde ich Ihnen in den nächsten Tagen zuzuschicken die Ehre haben.

½ Stunde später

So eben habe ich mit Ehrhardt wegen der Formulare eine Conferenz gehabt und habe bei die| ser Gelegenheit mit ihm auch den Inhalt des gestrigen Zeitungsartikels durchgesprochen. Er rieth den Hagenbuch zu einer kurzen Selbstwiderlegung zu veranlassen, was allerdings das Zweckmäßigste zu sein scheint. Ich werde nachher mit Hagenbuch sprechen und ihm die Selbstkritik in die Feder zu dictiren suchen. Sonst nichts Neues. Hoffentlich geht in Bern alles gut. Für Kern, Wäffler-Egli und Kappeler werde ich heute noch den Prospectus Ihnen senden.

treulichst
ganz der
Ihrige

Hildebrand.

Zürich den 9ten Jan. 1853.

Kontexte