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Korrespondenz: Alfred Escher – Johannes Wild

AES B1127 | ETH-Bibliothek Hs 371

In: Jung, Aufbruch, S. 422–423

Alfred Escher an Johannes Wild, s.l., Mittwoch, 8. Dezember 1852

Schlagwörter: Bundesrat, Eisenbahnen Bau und Technik, Personelle Angelegenheiten, Schweizerische Nordbahn (NB), Zürich-Bodensee-Bahn (ZBB)

Briefe

Der Ausschuß für Herstellung der ZürichBodensee-Bahn
an Herrn Ingenieur Wild, Director der Eidg. Telegraphie

Hochgeehrter Herr!

Der unterzeichnete Ausschuß hat in seiner Sitzung vom 4ten Dezember einmüthig beschlossen, Sie zu der Leitung der technischen Vorarbeiten für die ZürichBodensee-Eisenbahn zu berufen. Der Ausschuß setzt den größten Werth darauf, daß Sie diesem Rufe entsprechen. Sie sind in Folge Ihrer Bearbeitung der topographischen Karte des Cantons Zürich, in Folge der Stellung, welche Sie bei dem Baue der Schweizerischen Nordbahn eingenommen, in Folge Ihrer Betheiligung bei den sämmtlichen Vorarbeiten, welche für die ZürichBodensee-Linie vorgenommen worden sind, sowie endlich in Folge Ihrer genauen Vertrautheit mit allen einschlägigen Verhältnissen Ihres heimatlichen Cantons viel mehr als irgend ein anderer Techniker im Falle, unserer Unternehmung diejenigen| wichtigen Dienste zu leisten, welche sie von der Wissenschaft, deren würdiger Vertreter Sie sind, zu erwarten hat. – Der Ausschuß hegt aber ebenso einmüthig noch den fernern Wunsch, daß Sie so bald als immer möglich nach Zürich übersiedeln möchten. Die so ungemein wichtige & Zeit raubende Ausarbeitung der Baupläne, welche, bevor mit dem eigentlichen Baue begonnen werden kann, vollendet sein muß, ist nun zunächst in Angriff zu nehmen. Es setzt dieselbe ausgedehnte Erhebungen im Freien voraus. Würde nun die gegenwärtig noch so günstige Jahreszeit hiezu nicht benutzt, so könnte leicht der Fall eintreten, daß die ganze in dieser Richtung zu entwickelnde Thätigkeit um ein volles Vierteljahr oder noch länger hinausgeschoben werden müßte.

Glauben wir gestützt auf diese Betrachtungen annehmen zu dürfen, Sie werden, soweit es von Ihnen abhängt, sich dazu bereit finden lassen, unserm an Sie ergangenen Rufe möglichst beför| derliche Folge zu geben & sich dadurch ein neues bleibendes Verdienst um Ihren Heimatskanton zu erwerben, so geben wir uns hinwieder gerne der Hoffnung hin, der h. Bundesrath werde Ihnen hiezu förderliche Hand bieten, da es seiner Einsicht nicht entgehen kann, daß Ihre Dienste in dem neuen Wirkungskreise, der sich Ihnen eröffnet, nicht ohne erheblichen Nachtheil für das wichtige Werk, das wir anstreben, entbehrt werden könnten & da das letztere augenfällig nicht bloß eine beschränkte cantonale Bedeutung hat, sondern der gesammten Eidgenossenschaft den erheblichsten Nutzen bringen wird.

Ihrer gefällig beförderlichen, hoffentlich entsprechenden Antwort entgegen sehend benutzen wir mit Vergnügen diesen Anlaß, Sie unserer vorzüglichen Hochachtung zu versichern.

Namens des Ausschusses für Herstellung einer ZürichBodensee-Bahn:
der Präsident

Dr A Escher

den 8 Dezember 1852.

Kontexte