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Korrespondenz: Alfred Escher – Eduard Häberlin

AES B1079 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#591*

Eduard Häberlin an Alfred Escher, Weinfelden, Montag, 11. Oktober 1852

Schlagwörter: Eisenbahnanschluss an ausländische Netze, Eisenbahnen Finanzierung, Zürich-Bodensee-Bahn (ZBB)

Briefe

Mein lieber Freund!

Entschuldige mich, wenn ich Dich im Wesentlichen auf die Berichte der thurg. Blätter &. mein kurzes Referat in der N.Z.Z. vom 12t Octob. über die Gründungsgesellschaft von gestern verweise. Du sieh'st daraus, daß die Sache vorwärts geht, aber auch zugleich, daß es nicht die Landjunker (wie ein Kreis udgl.) sind, welche das Verdienst haben. Die «Philister» sind halt überall. . . . . .

Mit der Form der Behandlung war ich nicht ganz einverstanden, mochte jedoch um der Strömung willen nicht ernstlich einreden, weil die Sache übrigens gut im Fluße war.

Da das bisherige Komité, auf meinen eignen Antrag, bestätigt wurde &. ich das Glück hatte, im Loose unter den 6 neuen Mitgliedern nicht herauszukommen, so bin ich nicht im Falle, offizielle Mittheilungen zu machen, es wäre denn, daß ich vielleicht mit Appelle vor dem Ausschuße selbst nachträglich berufen würde (was ich nicht wünsche). Freilich, wenn ich dannzumal bestimmt würde, in Zürich mit Euch zu verhandeln: das hätte ein andres Gesicht?! | Der Ausschuß scheint vorerst einen erheblichen Ackt im Lande (durch Aktienzeichnungen &. Gemeindeleistungen) abwarten zu wollen, ehe er mit dem Antrage auf Unterhandlungen mit Z. aus rücken will, indem er besorgt, mit leerer Hand wenig Geneigt heit zu finden. Ich glaube, daß im Lande Ziemliches wird gethan werden &. weiß ganz bestimmt, daß z. B. Würtenberg sich für die Romanshorner Linie stark betheiligen wird. Auch unser PrinzPräsid. in Frankr &. dgl. müßen anbeißen. Kurz, ich meine, die Sache sollte sich machen.

Wenn ich übrigens meine innerste Ueberzeugung aussprechen soll, so lautet sie dahin, daß Zürich selbst und die künftige Acktien gesellschaft unter allen Eventualitäten am besten dabei steht, wenn sie sich schnell &. offen an die thurg. Bahn anschließt &. auf diese Weise die sofortige Ausführung sichert, das Kapital für das Ganze, ich möchte sagen augenblicklich, zur Verfügung bekömmt &. endlich die günstigste Rentabilität gewinnt. Dieß meine individuelle Anschauung. Ich begreife übrigens Euere Stellung wol &. bin es zufrieden, wenn Du mit bisheriger Offenheit mich à jour erhalten willst.

Neues werde ich alsbald berichten.
Mit den besten Grüßen

Dein

Ed. Häberlin

Weinf. d. 11 Octob. 1852.
I. E.