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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B1062 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Zürich, Freitag, 20. August 1852

Schlagwörter: Eidgenössische Universität (Projekt), Familiäres und Persönliches, Krankheiten

Briefe

F: G: EHRHARDT
Cantonsfürsprech
ZÜRICH

Mein lieber Escher!

So eben komme ich aus dem Belvoir, wo Dein Vater, die Güte hatte, mir Deinen heute empfangenen Brief, mitzutheilen. Ich bedaure, daß Du in einer so trüben Stimmung Dich befindest, obwohl ich es begreife; denn gerade in diesen Tagen warst Du in Bern durch die jämmerliche Opposition des Ständerathes mehr als je geplaget. Ich kann eigentlich noch nicht recht begreifen, was die Herren von Genf (u. deren Bundesgenossen) mit all dem bezwecken. Nun wir wollen hoffen, daß der Nat.R. auch hierin ein Einsehen haben wird. An die Hochschule darf man rebus sic stantibus nicht denken; man erhält ja kaum so viel, daß der Bund auf bisherigem Fuße fortexistiren kann. Furrer scheint mir hin u. wieder eine merkwürdige Rolle zu spielen. Ich schließe dieß| aus Briefen seiner Frau Gemahlin, mit der ich aber, wie ich glaube, für längere Zeit nicht mehr zu correspondiren, in der traurigen Lage befinden sollte. Darüber mündlich ein Mehrers.

Komme so bald wie möglich. Deine Eltern haben Deine Abwesenheit noch nie so schmerzlich empfunden wie jetzt. Ich weiß mich noch nie einer so gedrückten Stimmung im Belvoir zu entsinnen, als wie ich sie in der jüngsten Zeit bemerkte. Deine arme Mutter, die sich jetzt übrigens erholt, ist körperlich sehr angegriffen gewesen, was natürlich auf ihre u. ihrer Umgebung Stimmung wesentlich einwirken mußte, um so mehr da sie sich sonst so sehr zu beherrschen, im Stande ist. Ich werde| morgen Abend, wie mir erlaubt ist, hinausgehen. Wenn es auf mich nur ankäme, würde ich noch viel häufiger mit meinem Besuche plagen; denn ich bin nun einmal nirgends lieber als im Belvoir. Es kommt dort jedesmal ein wahrer Gottesfrieden über mich!

Hier ist die Aff. Orelli noch immer das Tagesgespräch. Wie Rudi mir sagte, scheint es, daß er bleiben wird. Bei einer Bataillons-Entlassung hat er wieder in der Hitze eine Dummheit gemacht, indem er zwar bemerkte, daß der Vorfall ihm unangenehm sei aber hinzufügte «was übrigens das Zeitungsschreiber-Pack sage, sei ihm gleichgültig!!!» Darauf hin hat Spyri ihm schon wieder brieflich zur Rede gesetzt.

Sonst von hier nichts Neues.

Komm bald u. schreibe mir wann.

Stets dein

treuester

E.

Zürich
den 20. VIII. 52.