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Korrespondenz: Alfred Escher – Friedrich Gustav Ehrhardt

AES B1059 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#183*

Friedrich Gustav Ehrhardt an Alfred Escher, Zürich, Freitag, 13. August 1852

Schlagwörter: Eidgenössische Universität (Projekt), Familiäres und Persönliches, Universität Zürich

Briefe

F: G: EHRHARDT
Cantonsfürsprech
ZÜRICH

Mein lieber Freund!

Tausend Dank für Deinen so herzlichen u. freundschaftlichen Brief, dessen verspätete Beantwortung ich mir nicht zu hoch anzurechnen, bitte. Die Frage über mein Kommen oder Nichtkommen ist jetzt factisch erledigt; denn die Ferien sind zu Ende. Eigentlich hast Du recht: man räumt dieser Dame eine zu große Bedeutung ein. Denn ist es nicht schrecklich, daß sie mich um meine ganze Ferienzeit hat betrügen können. Trotz des schlechten Wetters hätte ich in Bern 14 Tage gewiß auf die angenehmste Weise mit Dir u. andern Bekannten zubringen können. Uebrigens hat sie bei mir diesen Einfluß nur durch die Rücksicht auf ihn u. leider scheint er über mein Nichtkommen auch erzfeindlich geworden zu sein. Wenn Du in meinem Intresse etwas thun kannst, so bitte ich Dich hierum.

Die unangenehme Geschichte mit O. wirst Du aus den Zeitungen gesehen haben. Er bleibt doch unverbesserlich. Wer soll jetzt an seine Stelle kommen? Doch nur Dein College Benz! Der ist u. bleibt| doch immer der unentbehrliche Helfer in der Noth!

Zu Zeitungscorrespondenzen bin ich die Zeit her gar nicht aufgelegt gewesen. Ich bezweifle übrigens auch nicht, daß, wenn Du mich erst wieder unter Deinen directen Einfluß haben wirst, dies besser werden wird; denn Du bist einmal in solchen Dingen für Deine faulen Freunde das belebende u. treibende Element. Uebrigens ist in jüngster Zeit nichts von großer Bedeutung, was sich für meine Feder geeignet, vorgefallen.

H. Vermögensverhältnisse sollen in einem ziemlich zerrütteten Zustande sein. Woraus ich ihm übrigens einen Vorwurf nicht machen kann, denn erst seit einigen Jahre b[...?]nd er sich wieder in der Lage, etwas dafür thun zu können.

Die Frage wegen der Eidgen. Universität ruht also für einige Zeit; hingegen solltest Du jetzt wieder an unsere Hochschule denken. Oken ist gestorben u. Kr[eil?] wird – wie ich gestern bestimmt| hörte – nach Tübingen gehen. Dann haben wir gar keine jurist. Facultät mehr u. deshalb sollte, so schnell, wie möglich geholfen werden.

Im Belvoir bin ich leider, wegen der Krankheit Deines Neffens, seit längrer Zeit nicht gewesen.

Lebe wohl mein lieber Escher

Stets Dein

Gustav Er

Z.
den 13. VIII. 52.

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