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Korrespondenz: Alfred Escher – Alexander Schweizer

AES B1049 | ZBZ Nachl. A. Schweizer XI 26

In: Jung/Wiederkehr, Escher Briefe, Band 4, Nr. 83 | Jung, Aufbruch, S. 870 (auszugsweise)

Alfred Escher an Alexander Schweizer, Bern, Freitag, 23. Juli 1852

Schlagwörter: Eidgenössische Universität (Projekt), Eisenbahngesetze, Nationalrat, Personelle Angelegenheiten, Postwesen, Universität Zürich, Universitäten und Hochschulen (diverse)

Briefe

Hochgeachteter Herr!

Die Nachricht betreffend Prof. Hasse1 war mir ganz neu. Sie erinnern sich vielleicht, daß vor einiger Zeit in der Allg. Zeitung davon die Rede war, Hasse werde nach Heidelberg gehen. Ich hatte damals Gelegenheit, mit ihm hierüber zu sprechen & ihm meinerseits zu versichern, welch' großen Werth ich darauf lege, daß er seine Wirksamkeit an unserer Hochschule fortsetze. Hierüber kann er also nicht im Zweifel sein. Es wäre mir sehr erwünscht, wenn Sie nach seiner Rückkehr die Güte hätten, mit ihm zu sprechen & ihn zum Bleiben zu bewegen. Allfälligen Wünschen, die er haben möchte, wäre ich meinerseits nach Kräften entgegen zu kommen bereit. | Hasse wäre ein großer Verlust für die Hochschule. Die Kliniker sind heut zu Tage selten & überdieß wußte sich H. trefflich in unsere Verhältnisse zu finden, was nicht von jedem deutschen Professor gesagt werden kann.

Wie es der Eidg. Hochschule ergehen werde? Diese Angelegenheit muß nach der übereinstimmenden Ansicht der wärmsten Freunde der Eidg. Hochschule vertagt werden. – Die Eisenbahnfrage & die Postentschädigungsfrage 2, welche beide im Interesse von Zürich gelöst worden sind, haben in einem Theile der Bundesversammlung & gerade auch unter solchen, welche der Eidg. Hochschule günstig sind, eine gewisse Irritation hervorgerufen, so daß es unklug wäre, die | Hochschulangelegenheit in dem gegenwärtigen Augenblicke zur Entscheidung drängen zu wollen. – Gefreut hat es mich übrigens wahrzunehmen, daß von den Waadtländischen Deputirten im Nationalrathe nicht bloß Blancheney3, sondern wahrscheinlich noch 2 andere für die Eidg. Hochschule stimmen werden.

Mit freundschaftlicher Hochachtung
Ihr

Dr A Escher

Bern
23. VII. 52

Kommentareinträge

1 Karl Ewald Hasse (1810–1902), ordentlicher Professor für Pathologie, Therapie und medizinische Klinik an der Universität Zürich. – Hasse wurde 1852 nach Heidelberg berufen. Vgl. Gagliardi/Nabholz/Strohl, Universität Zürich, S. 967.

2 Vgl. Bundesbeschluß, betreffend die Vertheilung des Reinertrags des Postregals an die Kantone (vom 24. Juli 1852), in: AS III, S. 237–240.

3 Louis Blanchenay (1801–1881), Staatsrat und Nationalrat (VD), Mitglied der nationalrätlichen Hochschulkommission.