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Korrespondenz: Alfred Escher – Felix Wild
  • 1820
  • 1830
  • 1840
  • von Felix Wild, 30. Juli 1850 Schlagwörter: Regierungsrat ZH, Landesverteidigung und Militär, Währungssystem, Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Rechtliches, Kommissionen (eidgenössische) AES B0813
    1850
  • von Felix Wild, 16. Juli 1852 Schlagwörter: Religion, Personelle Angelegenheiten, Kirchenrat ZH, Regierungsrat ZH, Bildungswesen, Klöster (Aufhebungen), Rechtliches AES B1046
  • 1860
  • von Felix Wild, 17. Dezember 1863 Schlagwörter: Eidgenössisches Polytechnikum, Kommissionen (kantonale), Grosser Rat / Kantonsrat ZH, Regierungsrat ZH AES B2057
  • 1870
  • von Felix Wild, 24. Dezember 1876 Schlagwörter: Gotthardbahn-Gesellschaft (GB), Eisenbahnen Betrieb, Schweizerische Nordostbahn (NOB), Eisenbahnen Finanzierung, Eisenbahngesellschaften Krise/Rekonstruktion AES B2889
  • 1880
  • o. J.

AES B1046 | CH-BAR#J1.67#1000/1363#552*

In: Jung, Aufbruch, S. 908–910

Felix Wild an Alfred Escher, Zürich, Freitag, 16. Juli 1852

Schlagwörter: Bildungswesen, Kirchenrat ZH, Klöster (Aufhebungen), Personelle Angelegenheiten, Rechtliches, Regierungsrat ZH, Religion

Briefe

Hochgeachteter Herr Regierungspräsident!

Ich muß über das Resultat meiner Correspondenz mit Rheinau Ihnen einige Zeilen schreiben, um so mehr da Sie in Bern Anlaß finden dürften mit Collegen aus dem Canton Aargau über die Art und Weise wie dort ähnliche Verhältniße wie dasjenige in Dietikon gelöst werden, sich zu besprechen.

Der Prälat würde gemäß seiner Antwort auf erhaltene Einladung von Seite des RRths den Pfarrverweser in Dietikon nur dann abberufen wenn er die Beistimmung des Bischofs von Chur hiezu erhielte. Diese einzige Bedingung schon, abgesehen von einigen andern die ich nicht der Erwähnung werth halte, genügt um von der Vermittlung durch das Kloster Rheinau ganz abzusehen. Dieß um so mehr da leider der Conventuale den ich gerne in Dietikon als Pfarr verweser gewünscht hätte mir ebenfalls auf mein Schreiben eine entschieden ablehnende Antwort gab somit; sobald man keinen tüchtigen Conventualen aus Rheinau für Wiederbestellung der Pfründe Dietikon erhalten kann, keine Veranlaßung mehr zu Mitwirkung des Stiftes in dieser Sache vorhanden ist. Ich habe nun Herrn Pfarrer Kählin ersucht unter der Hand da und dort sich zu erkundigen von woher uns etwa ein tüchtiger Nachfolger des Rösler verschafft werden könnte, und wäre der Ansicht bis wir einer ganz geeigneten Persönlichkeit sicher sind, keinen Entscheid gegen Rösler zu faßen, lange wird dieß jedenfalls nicht gehen da Herr Pfarrer Kählin glaubt unter mehrern seiner Bekannten wohl einen zu finden der sich zu Annahme der Stelle erklären dürfte. In der Zwischenzeit aber wäre es mir lieb von Ihnen zu vernehmen theils ob sie mit nachstehendem von mir beabsichtigten Verfahren einverstanden sind, theils ob, sofern Sie bei Ihren in solchen Sachen erfahrnen Collegen im Nationalrath aus Aargau Rüksprache nehmen, dieselben ebenfalls glauben daß man auf diesem Wege am einfachsten zum Ziele komme.

Ich stehe in der Ansicht daß der RegRath den seiner Zeit ganz provisorisch ernannten Pfarrverweser Rösler jederzeit abberufen kann, und daß nur der RegRath darüber zu entscheiden hat, ob die Entfernung Röslers im Interreße der Gemeinde sich rechtfertige oder nicht; – daß demgemäß der Bischoff von Chur sich in diese Frage der Abberufung nicht im mindesten zu mischen habe. | Dann aber halte ich dafür daß mit dem Momente wo die Abberufung ausgesprochen wird auch ein neuer Pfarrverweser ernannt werden sollte, und glaube der Bischof werde die Admißion dem neuen Pfarrweser nicht verweigern können, wäre es auch nur deßhalb, damit die Pfründe nicht ohne einen Geistlichen sei. Eine Mittheilung der Abberufung des Rösler an den Bischof von Seite des RRths wird unerläßlich nothwendig sein und bei diesem Anlas könnte beigefügt werden daß der RRth für einstweilen damit die Pfründe versehen werde den NN hiefür bezeichnte habe. Diesem wäre es dann zu überlaßen von sich aus die Admißion nachzusuchen.

Anstatt deßen könnte man freilich auch den Weg einschlagen, dem Bischof anzuzeigen, der RRth habe aus den & den Gründen es für nothwendig erachtet den Rösler abzuberufen derselbe müße auf den..... spätestens aus der Gemeinde sich entfernen, und es werde daher dem Bischoff behufs neuer Bestellung eines Pfarrverwesers NN vorgeschlagen welcher bereit sei auf die genannte Zeit die Stelle anzutreten.

Nicht daß ich gerne diesen leztern Weg einschlagen würde, allein es frägt sich ob nicht im Canton Aargau ungefähr in dieser Weise verfahren wird, und ob nicht jeder der allenfalls die Stelle annehmen würde als erste Bedingung aufstellen dürfte daß die Admißion des Bischofs ihm zugesichert werde, und nicht er selbst darum nachsuchen müße.

Nothwendig ist es jedenfalls diese Frage sorgfältig zu erwägen damit kein Schritt gethan werde von dem man in irgend einer Weise wieder zurükgehen müßte. Ueber die Wünschbarkeit der möglichst baldigen Entfernung Röslers wird der RRth bald einig sein, diese Frage der Admißion des künftigen Verwesers aber wird wahrscheinlich ungleich angesehen werden.

Was die lezte Klage gegen Rösler betrifft, betreffend das Herausschneiden mehrerer Blätter aus einem Lehrmittel, so hat Rösler mir darüber Auskunft ertheilt in einer Weise daß dießfalls kaum ihm jezt noch eine Rüge ertheilt werden kann. Dieses Herausschneiden wurde durch einen im Protokoll der Schulpflege enthaltenen Beschluß vom 10 Juni 1849 verfügt, und Sekundar lehrer Hegner soll als Visitator am 20 Juni 1849 schon diesen Beschluß eingesehen und genehmigt haben.|

Die Entfernung Röslers läßt sich daher keineswegs auf diesen Punkt, sondern lediglich auf die in dem Schreiben des Gemeindraths Dietikon enthaltenen Beschwerden im Allgemeinen und in Bezug auf die Leichenrede begründen.

Ich hielt mich für verpflichtet Ihnen von der Sachlage Kenntniß zu geben, und in Gewärtigung Ihrer gefälligen Antwort zeichne inzwischen

mit kollegialischer Hochachtung

F Wild

Zürich 16 Juli 1852.

Kontexte